Pulse of the Fashion Industry Report 2018

Der Pulse of the Fashion Industry Report ist zum zweiten Mal veröffentlicht worden. Er zeigt: In der Modeindustrie hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr hinsichtlich Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit einiges getan – aber noch lange nicht genug

2017 hat sich die dänische Non-Profit Initiative Global Fashion Agenda, die sich für Nachhaltigkeit in der Modebranche stark macht und den Copenhagen Fashion Summit ausrichtet, zum ersten Mal mit dem Strategieberatungsunternehmen Boston Consulting Group zusammengetan, um den Pulse of the Fashion Industry Report zu erstellen. Dabei geht es um eine Momentaufnahme: Wie steht es um die globale Modeindustrie mit Blick auf Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit, faire Produktionsbedingungen, innovative Materialien und Arbeitsprozesse? Das Ergebnis der Analyse schlägt sich im sogenannten Pulse Score nieder, ein Wert, der sich auf einer Skala zwischen 0 und 100 befindet. 2017 lag er bei 32 – im unteren Mittelfeld. Nun ist der neue Report für das Jahr 2018 erschienen und lässt auf weitere Fortschritte in der Branche hoffen: Der Pulse Score hat sich immerhin um sechs Punkte verbessert und liegt aktuell bei 38.

Um den Pulse Score zu bemessen werden verschiedene Faktoren in Betracht gezogen. Es geht darum, in welchem Umfang Nachhaltigkeit innerhalb eines Jahres in der globalen Modeindustrie Einzug gehalten hat. Laut des neuen Pulse of the Fashion Industry Reports hat sich bei 75 Prozent der Modeunternehmen etwas zum Guten verändert. Beispielsweise seien in Firmen konkrete Nachhaltigkeitsziele gesetzt worden, ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass Lieferketten nachvollziehbarer gestaltet werden. Mit in den Pulse Score einbezogen wurden außerdem Interviews mit Führungskräften der Branche. Dabei haben 52 Prozent der Befragten berichtet, dass soziale Ziele sowie die Belastung oder Begünstigung der Umwelt als maßgebliche Richtlinie für fast alle strategische Entscheidungen innerhalb des Unternehmens dienten. Den größten Fortschritt Richtung Nachhaltigkeit machten kleine und mittelständische Unternehmen, die sich im mittleren Preissegment befinden, kleine Unternehmen im Einstiegspreis-Segment schneiden schlecht ab. Große Firmen und Luxushäuser gelten zwar noch immer als Vorreiter, stoßen laut Report aber langsam an Grenzen, wenn es darum geht, Lösungen für noch bestehende Probleme in der Branche zu finden.

Deshalb ermittelt der Report nicht nur den Status Quo, sondern möchte auch als Wegweiser fungieren und zukunftsweisende Ideen anstoßen, denn ein Fazit lautet: “Es war ein wichtiger Schritt, im letzten Report die Notwendigkeit von Veränderungen zu erkennen, aber jetzt sind zielbewusste und konsequente Handlungen nötig”. Als Inspiration bietet der Report drei Szenarien, wie sich die Modebranche entwickeln könnte und berücksichtigt dabei den Erfolg des See-now, Buy-now Prinzips, die Digitalisierung und ihren Fokus auf “smarte” Lösungen, skizziert die Idee eines “smarten” Kleiderschranks, der Outfits zusammenstellt, und kommt auf innovative Materialien und den potenziellen Einfluss von 3D-Druckern auf die Modebranche zu sprechen.

Neben der Ermittlung des Pulse Scores und zukunftsweisenden Denkanstößen liefert das 124 Seiten lange Dokument aber auch explizite Beispiele für bisherige Errungenschaften innerhalb der Branche. So wird etwa Hugo Boss genannt. Das Unternehmen präsentierte seine HUGO Pre-Fall Kollektion für 2018 in einem digitalen Showroom. Das Event bildete den Auftakt für eine neue Strategie, denn ab sofort werden keine Samples mehr produziert, um Ressourcen zu schonen und Transportkosten zu sparen. Stattdessen wird die Kollektion nur noch in digitaler Form präsentiert. Der digitale Showroom soll dieses Jahr weltweit etabliert werden. Als ein weiteres Beispiel für Fortschritt fällt der Name Salvatore Ferragamo: Es ist das erste Modehaus, das mit Materialien arbeitet, die aus Fasern von Zitrusfrüchten hergestellt werden und von ihrer Haptik an Seide erinnern.

Doch auch wenn es bereits solche innovativen Lösungen gebe, reiche es nicht, sich darauf auszuruhen. Zumal der Report durch neueste Berechnungen und Datenanalysen bestätigt, dass sich die Verwendung von nachhaltigen Textilien, eine effiziente Ressourcen-Nutzung und die Schaffung von sicheren Arbeitsbedingungen auch positiv auf Wirtschaftlichkeit und Gewinn eines Unternehmens auswirkt.

Es wird besonders hervorgehoben, wie wichtig es ist, in den nächsten Jahren innerhalb der Industrie zusammenzuarbeiten, damit man bahnbrechende Veränderungen bewirken und Neues erschaffen kann – seien es Materialien oder Produktionsverfahren: “Um sich langfristig weiter auf das oberer Ende der Pulse-Skala zuzubewegen, braucht die Industrie eine durch die Unternehmensführung angeregte Systemänderungen, Innovationen und Kollaborationen.”

Der komplette “Pulse of the Fashion Industry Report 2018” steht hier zum Download bereit. Mehr Informationen zu den Herausgebern – Global Fashion Agenda und The Boston Consulting Group – gibt es hier und hier.