Shopping Essential: Trenchcoat

©Franziska Steinle

Was haben Frühjahr und Herbst gemeinsam? Es ist Trenchcoat-Saison! Wir haben uns umgesehen und die schönsten Modelle zum Nachshoppen ausgesucht

Wer an Mode-Essentials denkt, dem wird recht schnell der Trenchcoat einfallen – und wahrscheinlich hat man dabei ein beigefarbenes, etwa knielanges Modell mit kariertem Innenfutter im Kopf. Vor über 100 Jahren, Anfang des 20. Jahrhunderts, entwickelt der Brite Thomas Burberry einen Mantel aus dem robusten und wasserabweisenden Stoff Gabardine. Seine Entwürfe sind für die britische Armee bestimmt, deren Soldaten die Kleidungsstücke zum Schutz vor Wind und Wetter tragen. Auch das Traditionsunternehmen Aquascutum London entwarf nahezu zeitgleich solche Mäntel, weshalb der eigentliche Erfinder des Trenchcoats bis heute nicht eindeutig benannt werden mag.

Dass dieser Klassiker wie so manches Essential aus der Herrenmode stammt und vom Krieg inspiriert wurde, ist interessant zu wissen. Übersetzt bedeutet Trenchcoat so viel wie Schützengraben-Mantel. Doch wieso genau wurde dieser Mantel zum Klassiker? Berühmte Damen wie Audrey Hepburn oder Brigitte Bardot haben damit eine Menge zu tun. Womöglich begann alles mit Schauspieler Humphrey Bogart, der 1942 in Casablanca seiner Filmpartnerin Ingrid Bergman tief in die Augen schaute. Gut gekleidet in einem legendären Trenchcoat, und nicht wie ursprünglich von den Produzenten gewünscht im Nadelstreifenanzug. Es war das erste Mal, dass der Mantel in einem modischen Kontext wahrgenommen wurde. Etwa 20 Jahre später erscheinen Audrey Hepburn und George Peppard auf der Leinwand. In Breakfast at Tiffany’s küssen sie sich innig im strömenden Regen – beide im Trenchcoat. Der Film, diese Szene und ihr Stil schreiben Geschichte. Die Schauspieler beweisen, wie elegant und zugleich weiblich oder männlich ein Trenchcoat sein kann. Parallel dazu flanierte Mitte der 60er Jahre Schauspielerin Brigitte Bardot in ihrem beigefarbenen Modell kokett zum Minirock durch Paris, und Jackie Kennedy trug ihn gern auch zu offiziellen Anlässen. Mit der Zeit entwickelt sich Thomas Burberrys Modell mit kariertem Innenfutter zu einem modischen Allrounder, perfekten Übergangsmantel und Statussymbol, in dem man stets bestens gekleidet ist. Und schon lange muss der Trenchcoat weder beige, noch aus Gabardine sein. Doch was macht diesen Mantel eigentlich aus? Es gibt fünf Charakteristika, die allesamt einmal eine Funktion hatten:

  1. Die Schulterklappen dienten ursprünglich dazu, Dinge wie Rangabzeichen, Ferngläser oder gar Gasmasken zu befestigen
  2. Der Gehschlitz – er diente der Mobilität
  3. An den Bindegürtel mit Schließe klemmte man D-förmige Ringe, um unter anderem Munition (wie Handgranaten) zu fixieren
  4. Sehr typisch für den Trenchcoat ist seine doppelreihige Knopfleiste, die meist aus sechs bis zehn (Horn-)Knöpfen besteht
  5. Damit Regenwasser besser ablaufen konnte, wurde ein Goller – eine zweite Stoffschicht – über die Schulterpartie genäht

Heute sehen wir – neben dem Klassiker – jede Menge Variationen in Farbe, Material und Schnitt. Erst auf der letzten Fashion Week für die Herbst/Winter Saison 2018 zeigte etwa Marni Modelle aus buntem Lack, Miu Miu und Versace präsentierten Designs in gedeckten Tönen aus Leder und Dries van Noten schickte Mäntel aus Seide mit verträumten Musterungen über den Laufsteg. Wer nicht abwarten kann, der sollte genau jetzt in den Onlineshops dieser Welt stöbern, denn es ist Trenchcoat-Saison. Jetzt konkurrieren die schönsten beigefarbenen, bunten oder noch ausgefalleneren Modelle um die Wette. Unsere Favoriten für die Übergangszeit, oder ganz einfach für das gesamte Leben, haben wir hier zusammengestellt. Schließlich reden wir ja von einem Essential.

Madeleine ist Modejournalistin. Für Mode begeistert sie sich, seit sie denken kann – besonders für Kaschmirpullover und Schmuck. Nach fünf Jahren im Moderessort der deutschen Vogue in München beschloss sie, eine neue Herausforderung anzunehmen und nach Berlin zu ziehen. Als Fashion Editor bei hey woman! kann sie ihre Leidenschaften für Styling, Creative Direction und das Schreiben vereinen. Madeleine imitiert gerne Schweizer Akzente und versucht sich als Köchin.

©Phillip Schlegel