Selfmade Experts: Nele Heinevetter von Tropez

©Maidje Meergans

Nele Heinevetter bringt mit Tropez Besuchern im Sommerbad Humboldthain Kunst und Kultur näher. Ein Gespräch über die Idee hinter dem Projekt und das diesjährige Programm

Jedes Mal, wenn ich Nele Heinevetter sehe, geht mir das Herz auf. Innerhalb kürzester Zeit hat sie mit Tropez im Sommerbad Humboldthain einen ganz besonderen Ort geschaffen, der noch bis Anfang September ein bemerkenswert frisches und gutes (Kunst-) Programm liefert.

Wie bist du auf die Idee zu Tropez gekommen? Woher kommt der Name?

Ich lebe seit zehn Jahren in Berlin und fiebere jeden Sommer dem Tag entgegen, an dem das Sommerbad Humboldthain endlich öffnet. Ich liebe das kleine Bad mit den langen Bahnen und der schattigen Wiese im Park, in dem ich vergesse, dass ich mich mitten in Berlin befinde. Als ich gehört habe, dass der Pächter der dazugehörigen Gastronomie aufhört, habe ich die Berliner Bäderbetriebe kontaktiert. Mir ist es wichtig, dass Kunst und Kultur sich nicht abschotten, sondern auf die Menschen zu- oder eingehen. Im Schwimmbad verbringen Besucher mit den unterschiedlichsten Hintergründen ihre Freizeit – Zeit, in der sie sich auch eine Ausstellung, Performance und ein Screening anschauen oder aber einer Lesung oder einem Konzert zuhören, wenn sie zufällig an dem Tag stattfinden, an dem sie ohnehin im Schwimmbad sind.

Und wegen des Namens: Ich liebe Frankreich und wollte gerne einen Hauch von Fernweh in den Wedding bringen.

 

Was können wir dieses Jahr erwarten und inwiefern unterscheidet sich das Set-up zum letzten Jahr?

Die diesjährige Sommerausstellung Voyage umfasst auf das Schwimmbad bezogene Kunstwerke von Aurora Sander, Nigin Beck, Adam Harvey, Anastasia Kubrak, Porpentine Charity Heartscape, Sandra Mujinga, Raphaela Vogel und Jan Vorisek, die die Betrachter auf eine Reise in reale und virtuelle Räume mitnehmen. Im und um das Tropez herum treffen die Badbesucher auf Skulpturen, Installationen, Computerspiele, Video- und Soundarbeiten im Grenzbereich von Poesie, Technologie und Politik sowie bildender und darstellender Kunst. Es wird ziemlich tolle Performances geben von Monster Chetwynd, Do Something Good, The Grey Voice Ensemble mit Kinderhook und Caracas, KAYA (Kerstin Brätsch/Debo Eilers), Jasmin İhraç und Juliana Piquero sowie von New Noveta. Und dann bringen der Verlag Broken Dimanche Press, das Kuratorinnenkollektiv für Elektronische Musik und Queer Content Creamcake, das Kunstmagazin Starship sowie der Kunstraum Bob’s Pogo Bar mit ihren für Voyage zusammengestellten Veranstaltungen weitere progressive Positionen aus den Bereichen elektronische Musik, neue Literatur, Film und bildende Kunst in das Sommerbad – und in diesem Jahr richtet sich erstmals das Kinderprogramm 1,2,3 Soleil gezielt an junge Badbesucher und bringt ihnen Oper, Theater und bildende Kunst näher. Durch die Unterwasser-Soundinstallation und die Unterwasseroper sowie die Künstlerworkshops mit Adam Harvey, Nigin Beck und Abdoul Kader Traoré gemeinsam mit dem Operndorf Afrika werden sie aktiv in das Programm eingebunden.


Was ist dein Background, was hast du vorher gemacht?

Ich bin Medienkulturwissenschaftlerin und Kunsthistorikern. Seit fast zehn Jahren leite ich mit Katharina Beckmann und Stefanie Gerke niche Berlin. Wir bieten unter anderem maßgeschneiderte Kunst- und Architekturführungen an, die besondere Orte in Berlin und ihre Macher vorstellen. Daneben arbeiten wir mit verschiedenen Künstlern oder verknüpfen mit unserem Projekt “Making Spaces” Raumpraktikerinnen beziehungsweise female spatial practitioners (in Berlin und darüber hinaus). Seit dem Studium habe ich geschrieben, an der Uni unterrichtet und Ausstellungen gemacht. Nina Pohl hat mich noch während meines Kunstgeschichtsstudiums an den Schinkel Pavillon geholt, wo ich fast drei Jahre Direktorin war.

 

Was macht dir an der Arbeit rund um Tropez am meisten Spaß?

Mir gefällt vor allem die Abwechslung und dass kein Tag bringt, was ich mir von ihm erwartet habe. Ich spreche mit den unterschiedlichsten Leuten – und vor allem mit vielen Kindern – über die Arbeiten, die wir präsentieren, oder serviere ihnen einfach nur Pommes. Es ist ein schönes Gefühl, einen Ort zu schaffen, an dem viele Menschen glücklich sind.

Inwiefern spielt die Location eine besondere Rolle?

Für alle eingeladenen Künstler, Musiker, Autoren und Kuratoren ist es eine Herausforderung, im laufenden Badebetrieb ein Veranstaltungsprogramm durchzuführen. Nicht nur wegen der strengen Auflagen, sondern auch wegen des Wetters. Bei 5000 Besuchern hört man sein eigenes Wort nicht mehr, bei Regen brauchen wir nicht einmal Mikrofone. Immer aber ist das Schwimmbad eine magische Kulisse.

©Tropez, Logo

Tropez im Sommerbad Humboldthain ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Mehr Informationen zu Ort und Projekt gibt es hier, das vollständige Programm für diesen Sommer kann man hier einsehen. Weitere Impressionen von Tropez sind zudem auf Instagram (@tropez_tropez) zu finden.

 

Sommerbad Humboldthain
Wiesenstraße 1
13357 Berlin-Wedding

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.

Updates über ihre beruflichen nächsten Schritte gibt es via https://www.linkedin.com/in/juliaknolle/