Rückblick: Fashion Week Paris Herbst / Winter 2018 / 2019

©Franzsiska Steinle

Veronika und Madeleine waren unterwegs auf der Fashion Week in Paris und haben ihre persönlichen Highlights zusammengefasst

Die fast zehntägige Paris Fashion Week ist mit Abstand die längste aller Modewochen. Hier zeigen die wichtigsten Labels ihre Schauen. Und so ist nach New York, London und Mailand, die französische Hauptstadt ein wichtiger letzter Teil des großen Puzzle für die Saison Herbst/Winter 2018/19.

Tatsächlich sind die klassischen Shows eher in der Unterzahl. Es sind vielmehr die Präsentationen und Re-Sees von französischen und ausländischen Brands, die den Tagesablauf bestimmen. Doch auch nutzen Labels wie Calvin Klein oder The Row, die bereits in New York gezeigt haben, die Masse an Menschen, die zu diesem Zeitpunkt in Paris anzutreffen sind, um hier nochmal zu präsentieren. Jede Menge Brands empfangen außerdem ihre Einkäufer. In Paris fällt es schwer sich zu entscheiden, da das Niveau an schönen Shows, Kollektionen und Accessoires extrem hoch ist. Zudem ist es spannend, zu entdecken, wie die Vision der jeweiligen Designer für die kommende Saison zu unseren Vorstellungen passt. Wenig verwunderlich, wenn Namen wie Chloé und Chanel, Saint Laurent und Balenciaga oder Miu Miu und Haider Ackermann auf dem Plan zu lesen sind. Für Veronika und Madeleine war es demnach ein Segen, sich zwischen all den Terminen aufzuteilen und hier gemeinsam ihre Highlights Revue passieren zu lassen.

Lieblingslooks

MA: Es ist kein Geheimnis, dass ich alles von Isabel Marant toll finde. Die Mode ist schön, die Models sehen frisch aus und ich möchte alles tragen. Hinzu kommt, dass ich stets das Gefühl habe, dass alle dabei Spaß (egal ob Show oder Lookbook) haben. Auffällig viele Kollektionen haben mit Materialien gespielt. Bei Chloé waren es Fransen an den Hosen. Ein Lammfellmantel bei Loewe ließ mich nicht locker und die Vinylmäntel von Miu Miu sind ziemlich heiß. Haider Ackermann bekommt den Preis für die schönste Showmusik.

Weitere Favoriten: Jacquemus, Saint Laurent, Louis Vuitton, Vanessa Seward, Alexander McQueen (!!!)

VH: Auf die Gefahr hin, wie eine hängengebliebene Kassette zu klingen, sind meine absoluten Favoriten quasi identisch zur letzten Saison. Das erklärt sich vielleicht auch damit, dass ich immer schon begeistert von einem durchgängigen Look bin/war, der sich wie ein roter Faden in Sommer und Winter durch meine Koffer (macht packen viel leichter!), Schränke und natürlich meine Lieblingsshops zieht. Daher bin ich großer Fan von Designern, die sich nicht ablenken lassen und einfach ihr Ding durchziehen: J.W. Anderson für Loewe mit seinen fantastischen Ibiza-DIY-Kleidern, Shearling- und Dufflecoats und den schicksten Taschen – gerne in Doppelkombo. Nicolas Ghesquière, der wie gewohnt in die Zukunft blickt, diesmal aber bekommt sein cooler Futurismus eine gute Portion 80ies Texas Saloon Vibes ab. Ich würde mich jetzt schon für die kristallenen Bolo-Ties, Westernabnäher-Mäntel und Glitzerhosen anstellen. Dries van Noten gewinnt für mich schon allein mit dem mega Sound von Deep Purples Child in Time und natürlich den erwartungsgemäß coolen Shaggy Coats und Schals zu sleeken Suits. Die Jacquemus Show habe ich leider verpasst und obwohl ich in der Regel begeisterter bin, wenn ich alles in Realtime miterlebe (allein wegen der Materialien und wie sich die Schnitte in Bewegung entfalten), haben mich Simon Portes klare, aber sexy elegante Entwürfe in Wasserfarbmalkasten-Palette und passenden Minitaschen, total umgehauen. Weitere Lieblinge dieser FW18 Saison waren Balenciaga, wegen der Westernfransen und Fake-Fur Zebra und Tiger, Vika Gazinskayas Mint, Isabel Marants lässige Snakeprints, weißer Denim und Fransen, Chanels fantastische, schicke, lange Strickmäntel und Cocktailkleider mit Daunenjacken, Virgil Ablohs Mirrored Bags für Off-White, Joseph Altuzarras gesmokte Carmenkleider und Wrap-Around Sonnenbrillen und natürlich Natascha Ramsay-Levis Chloé. Aber dazu mehr in der nächsten Kategorie. Ebenso immer wieder life-changing sind Julien Dossenas Entwürfe für Paco Rabanne, die mit einer schlichten, klaren Wucht überzeugen. Besonders die Neuzugänge in Form von langen Seidenkleidern und gebleichten Baggy Jeans. Ebenso Valentino, Thom Browne, Miu Miu und Sakai nicht zu vergessen.

Persönlicher Trend

MA: In gefühlt jeder zweiten Kollektion wehten Fransen an mir vorbei. Ob aus Leder oder Textil – es baumelte fleißig von den Looks herunter.

VH: Natacha Ramsay-Levis neues Chloé-Girl. Das ist mein Lieblings-Trend kurz gesagt. Vor allem die müden Rost-Töne der späten Siebziger, haben es mir angetan. Mattes Kirschrot, Ocker, Rost, Süßer Senf und so weiter. Diese Töne funktionieren alle für sich, aber auch fantastisch mit jeder Menge Edelmetallen.

Bestes Set

MA: Natürlich, Chanel ist schwer zu toppen. Nach Wasserfällen und Raketen im Grand Palais, verwandelte Karl Lagerfeld diesmal alles zu einem herbstlichen Wald mit getrockneter Laublandschaft. Bei Balenciaga ging es wesentlich grober zu mit einem Graffiti versehenen Schneeberg, der das gesamte Modepublikum in die Vororte von Paris fahren ließ. Thom Browne, der zum ersten Mal in Paris zeigte, lud ins pompöse Hotel de Ville ein. Dort glich die Show eher einem künstlerischen Performance Art Stück, dass man sich gerne immer wieder ansehen möchte.

VH: Hermès röhrenartiges Plexi-Zelt, der rote Tartanboden und die feuergleich angeleuchteten, blätterlosen Bäume, gewinnen für mich den Preis des Sets der Saison. Besonders das Timing – die Show startete zeitgleich zur sogenannten „blauen Stunde“ – war außergewöhnlich toll. Weitere Set-Superstars: der angesprühte Snowboard-Park von Balenciaga und natürlich der Chanel-Wald im Grand Palais.

Präsentationen – ReSee Momente

MA: Schon seit einiger Zeit beobachte ich die polnische Designerin Magda Butrym. In ihrem Showroom konnte ich die neuen Entwürfe inspizieren und denke, dass es ihre bisher beste Kollektion ist. Tolle Schnitte, Farben und Materialien. Das in London gegründete Label Alessandra Rich, präsentierte eine kleine Show in einem wunderschönen Haus am Square Alboni. Gewohnt super feminin und sexy. Doch am schönsten ist die italienische Designerin selbst, die in einem schwarzen Seidenoverall alle Gäste persönlich empfing. Während der Re-See von Calvin Klein, beschloss ich den nächsten Winter nur die Strickpullover zu tragen. Die begehrteste Präsentation war wohl Céline. Wie ein leiser Abschied der Phoebe Philo Ära fühlte es sich an, beim Anblick der letzten Kollektion, die offiziell vom Team entworfen wurde.

Events

MA: Drei Events sind uns besonders in Erinnerung geblieben. Gleich zu Beginn der Modewoche lud Delphine Arnault zum Cocktail, um die nominierten Jungdesigner für den LVMH Prize zu präsentieren. Zeit, um mit Designern wie GmbH, Eckhaus Latta, Marta Jakubowski oder Matthew Adams Dolan, ins Gespräch zu kommen. Byredo und Virgil Abloh aka Off-White launchten einige Tage später ihren Duft Elevator Music und Installationskünstler Carsten Höller untermalte ihre Vision. Super französisch ging es bei Jeanne Damas zu, die uns im kleinen Kreise bei Rotwein und Zigaretten ihre neue Rouje Kollektion vorstellte. Zum Abschluss gab es Bisous und kleine Raffia-Tässchen.

Street Style

Nach über einem Monat Fashion Week, ist Paris für alle der krönende Abschluss. Dank der fleißigen Street Style Fotografen, die jeden Tag auf der Straße nach dem perfekten Shot suchen, können wir auch hier einen kleinen Rückblick zeigen.