Label to Watch: Magda Butrym

Magda Butrym ist ein aufstrebendes Modelabel aus Polen, das durch traditionelle Schneidertechniken, fließende Stoffe und maskuline Elemente überzeugt

Eigentlich wollte Magdalena Butrym Ärztin werden. Als sie ihrer Mutter erklärte, warum, und mehr über den perfekten Chirurgen Look erzählte, realisierte sie, dass sie dabei war, die falsche Berufswahl zu treffen. Heute führt sie unter dem Namen Magda Butrym eines der aufstrebendsten Modelabels Polens, das in über 124 Läden weltweit verkauft wird.

Magdalena Butrym

Eine Brand in einem Land aufzubauen, das nicht für Mode wahrgenommen wird und über eine sehr kleine Szene verfügt, war für die heute 33-jährige, die aus Zabrze in Südpolen stammt, nicht einfach. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie als Designerin bei verschiedenen Modehäusern, bis sie 2014 ihr Label in Warschau gründet. Bereits in der zweiten Saison, Spring/Summer 2015, entschließt sie sich dazu, ihre Entwürfe statt in Warschau, während der Fashion Week in Paris zu präsentieren. Die richtige Entscheidung. In den nächsten Tagen sollten diverse Einkäufer ihre Order schreiben, darunter Moda Operandi. Parallel dazu, schärfte Butrym auch ihre Social Media Strategie. Mit Erfolg. Einige Saisons später kamen Net-a-porter, Mytheresa und Selfridges hinzu. Net-a-porter Retail Director Lisa Aiken sagte in einem Interview einmal: „Wir haben sie das erste Mal auf Instagram gesehen und die erste Saison war direkt nach dem Upload ausverkauft. In der darauffolgenden Saison haben wir unsere Order verdoppelt und fügten außerdem die Schmuckkollektion hinzu.”

Für ihre romantischen Kleider aus Seide und Rüschenblusen ist Butrym bekannt geworden. Von Anfang an arbeitet sie mit regionalen Handwerkskünstlern aus Polen zusammen, die aus Orten wie Podhale, Schlesien, Nowy Targ und Warschau stammen. Häkelarbeiten, Stickereien oder andere traditionelle Schneidertechniken, fließen kontinuierlich in ihre Entwürfe ein. Designs aus fließenden Stoffen gehörten von Beginn an zu ihrem Repertoire. Doch ebenso ihre Vorliebe für maskuline Schnitte, sind ein wichtiger Bestandteil. Kürzlich zeigte sie während der Fashion Week in Paris im März 2018 einen weißen Kurzblazer mit applizierten Federn auf der Schulter oder einen scharf geschnittenen Herrenblazer mit Karomuster und roten Ledereinsätzen. Gleich daneben hing ein Minikleid mit Leoprint, ein roter Body, der nicht femininer hätte sein können und ein weißes Seidenkleid mit Punkten (ein Traum). Magda Butryms Stil ist eine moderne Kombination aus zeitgenössischer Schneiderkunst mit traditionellem Handwerk, verpackt in sehr femininen und maskulinen Designs (clever). Für mich persönlich war diese Herbst/Winter 2018 Saison ihre wohl bisher schönste, stärkste und hochwertigste Kollektion. Schon seit langer Zeit beobachte ich das Label und seit Gründung hat es sich stetig weiterentwickelt. Bereits nach einigen Saisons wurde es erfolgreich um Accessoires wie Schmuck und mit der Herbst/Winter Saison 2017 um eine eigene Schuhkollektion erweitert, wie Mules und Overknee-Stiefeln.

 

„Die äußere Wahrnehmung von Menschen, sowie die Art und Weise, wie sie bestimmte Aspekte ihrer Persönlichkeit durch Kleidung hervorheben, formen zu können, war der Grund, warum ich mich für Mode entschieden habe“, sagte Magda Butrym rückblickend auf ihre Anfangsmotivation als Designerin, nicht Ärztin.

Madeleine ist Modejournalistin. Für Mode begeistert sie sich, seit sie denken kann – besonders für Kaschmirpullover und Schmuck. Nach fünf Jahren im Moderessort der deutschen Vogue in München beschloss sie, eine neue Herausforderung anzunehmen und nach Berlin zu ziehen. Als Fashion Editor bei hey woman! kann sie ihre Leidenschaften für Styling, Creative Direction und das Schreiben vereinen. Madeleine imitiert gerne Schweizer Akzente und versucht sich als Köchin.

©Phillip Schlegel