Interview: Sarah von Doetinchem & Laetitia von Hessen von Niche-Beauty.com

Laetitia von Hessen & Sarah von von Doetinchem

Sarah von von Doetinchem und Laetitia von Hessen sind Schwestern und die Gründerinnen von Niche Beauty. Im Interview reden sie über Nischenmarken, Beauty-Trends und ihre aktuellen Lieblingsprodukte

Das Headquarter von Niche Beauty in Hamburg liegt ein bisschen außerhalb der Innenstadt. Es dient als Büro für mittlerweile 45 Mitarbeiter und gleichzeitig auch als Lager. 2003 haben die beiden Schwestern Sarah von Doetinchem und Laetitia von Hessen mit ihrem Vater Andreas Bechtolf Atout Cosmetics gegründet – ein Unternehmen mit Fokus auf den Vertrieb von internationalen Premium-Beauty-Brands, die eine Nische bedienen und in den europäischen Markt eintreten wollen. 2011 kam dann der eigene Onlineshop Niche Beauty hinzu. Mittlerweile sind auf der Webseite mehr als 200 Marken erhältlich, davon anfangs viele lange Zeit exklusiv, bis sie einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben, um sich breiter aufzustellen. Der familiäre Umgang und die sympathische Handschrift im kleinsten Detail scheinen zwei zentrale Erfolgsfaktoren des Unternehmens zu sein. Was mir beim Betreten der “heiligen Hallen” sofort auffällt: Die Chefbüros der Schwestern haben keine Türen – und stehen so für Mitarbeiter bildlich jederzeit offen.

Laetitia von Hessen & Sarah von von Doetinchem

Im Interview spreche ich mit Sarah von Doetinchem und Laetitia von Hessen über die Entwicklung ihrer Firma in den vergangenen Jahren, ultimative Beauty-Trends und Bestseller, die “typische Kundin” und Pläne für die Zukunft:

Der Name Niche Beauty ist Programm: Ihr habt von Anfang an auf Nischen gesetzt. Warum?

Was ist das besondere an Marken, die eine Nische füllen? Sie sind oft einfach besser, als andere, was die Inhaltsstoffe und ihre Philosophie angeht. Wenn kleine Marken von großen aufgekauft werden, weißt du genau: Jetzt werden die wertvollen Ingredienzen wahrscheinlich geringer dosiert, das Packaging wird auf Profitabilität ausgerichtet und es wird weniger auf ökologische Parameter geachtet. Wenn eine internationale Marke mit einem überzeugenden Produkt in den deutschen Markt eintreten will, ist unsere Plattform ein guter Multiplikator, um schon ganz am Anfang einen gewissen Grad an Bekanntheit zu erlangen.

Wie kommt es, dass ihr euch bisher mit Interviews zurückgehalten habt?

Das stimmt, wir waren bisher immer etwas zurückhaltender, wenn es um das Erzählen unserer Geschichte geht. Wir glauben, dass es andere gibt, die das besser können. Zudem arbeiten wir mit zahlreichen tollen GründerInnen zusammen, die hinter den Beauty-Marken stehen und es macht uns großen Spaß, sie in den Vordergrund zu stellen. Ein bisschen sehen wir uns da wie Jil Sander – auch wenn der Vergleich natürlich mit Vorsicht zu genießen ist –, denn sie hat sich einfach darauf konzentriert, gute Arbeit zu machen und war in puncto Außendarstellung bescheiden. Plus: Wir haben beide jeweils drei Kinder, Zeit mit der Familie zu verbringen ist uns sehr wichtig.

Was hat sich seit der Gründung eurer Firma im Laufe der Jahre wesentlich auf dem Beauty-Markt verändert?

Die Anzahl an Nischen-Beauty-Brands und die Nachfrage danach ist extrem gestiegen. Konsumenten wissen die qualitativ hochwertigen Inhaltsstoffe zu schätzen, sie sind informierter.  Bei uns kam der Durchbruch damals mit dem Glamoxy Snake Serum von Rodial. Nachdem der Spot dafür im TV lief, rannten uns die KundInnen die Türen ein. Der Hype um diese sogenannten “Immediate Effect Products”, bei denen man die Wirkung sofort sieht, ist mittlerweile auch bei den großen Beauty-Konzernen bekannt und sorgt für zahlreiche Nachahmerprodukte oder eben Akquisitionen von kleinen Brands durch die Großen.

Impressionen von unserem Besuch bei Niche Beauty in Hamburg

Ihr habt beide keinen Kosmetologie-Background. Wie stellt ihr sicher, dass die Produkte, die ihr auswählt, professionell untersucht und genehmigt sind?

Wir wählen natürlich zu Beginn danach aus, welche Marke uns nach dem ersten Eindruck gefällt. Die Recherche und das Finden neuer Brands ist unser Job. Die potenziellen Cremes, Seren und Shampoos werden hier inhouse von Experten kritisch unter die Lupe genommen. Wir haben dafür extra Leute angestellt, die wissen, was sie tun und die Liste der Inhaltsstoffe genau studieren. Und wir stehen im regelmäßigen Austausch mit KosmetikerInnen. Es geht uns nicht vorrangig darum, dass alle Produkte zu 100 Prozent organic sind. Hinter manchen Brands stecken tolle Innovationen und spannende neue Wirkstoffe, solche Produkte überzeugen uns auch immer wieder.

Welche ultimativen Beauty-Trends habt ihr im Laufe der Jahre beobachtet, die sich zudem beständig halten? Und gibt es ein paar neue?

Als Trend neu hinzugekommen ist die Personalisierung. Jede Kundin möchte etwas Besonderes haben. Ein großes Thema ist auch “Glow & Anti Pollution”. Dauerbrenner sind natürlich Volumen-Shampoos, Wave-Sprays sowie Self-Tanner, letztere entwickeln sich unglaublich schnell. Der Gloss kommt zurück, und gefragt sind auch Wundermittel gegen Cellulite – die keiner hat (alle lachen).

Welche Produkte sind eure Bestseller?

Es gibt diesbezüglich eine gewisse Saisonalität und ob ein Produkt ein Bestseller ist, hängt auch ein bisschen davon ab, ob wir es proaktiv vermarkten. Doch folgende vier Produkte gehören sicherlich dazu:

Mario Badescu Drying Lotion, Kristin Ess Signature Shampoo, Wave Spray von Ouai,  Aurelia Deo

Was sind eure persönlichen Favoriten? Top 3 Skin-Care, Hair-Care und dekorative Kosmetik?

Laetitia:

Duft: Hampton Sun | Pflege: Lancer Peeling | Body: Agent Nateur Deo

Sarah:

Hair Care: Endless Summer Spray von Playa | Duft: Zarko Pink Molecule | Skin Care: Cleanser von Tata Harper

Eure Top-Produkte für den Sommer?

Die Produkte von Coola & Mimitika sowie das Sun of a Beach Ombre Spray von Ouai.

Wie würdet ihr eure typische Kundin beschreiben?

Rein demografisch ist sie meist zwischen 28 und 35 Jahren alt. Sie sucht das Besondere, aber legt Wert auf gute Qualität und hat Spaß daran, etwas Neues zu entdecken. Wenn sie einmal bei uns bestellt hat, ist sie meist sehr loyal und kommt wieder.

Was liebt ihr am meisten an eurem Job? Was nicht so sehr?

Es ist natürlich ein großes Glück, als Familie zusammenzuarbeiten und alle Entscheidungen gemeinsam treffen zu können. Wie bei allen Selbständigen kommt aber mit so einem Unternehmen auch sehr viel Verantwortung auf einen zu. Wir wachsen super schnell, was großartig ist, aber dieses Pensum soll auch verlässlich aufrechterhalten werden, und das ist ab und an etwas sportlich.

Was sind eure Träume für die nächsten Jahre?

Ganz oben auf der Liste steht ein echter, physischer Store. Wir haben beide eine große Leidenschaft für Interior-Themen und haben beim letzten Event gemerkt, wie wertvoll der Austausch mit Kundinnen ist und wie viel Beratungsbedarf besteht.

Laetitia von Hessen hat Wirtschaft an der University of Edinburgh studiert und vor ihrem Job in der Geschäftsführung mit Schwerpunkt auf Marketing bei Anthony Logistics for Men im Bereich Sales in New York gearbeitet. Sarah von Doetinchem hat Grafikdesign am Camberwell College of Arts in London und an der Parsons School of Design in New York studiert und vor ihrer Rückkehr nach Deutschland beim Verlag Assoulin in New York als Creative Director gearbeitet. Sie kümmert sich bei Niche Beauty um alles Grafische, unter anderem das Magazin.

Mehr zu Niche Beauty findet ihr auf der Website hier oder via Instagram (@nichebeautyofficial) hier.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.