Beauty: Ein Guide für die beste, natürliche Haarpflege

Beauty Editor Anna hat sich durch die Welt der Shampoos und Conditioner getestet, um die besten Produkte ohne Silikone und Co. zu finden

Man könnte meinen, die Haarwäsche sei eine ziemlich simple Prozedur. Was man darüber in letzter Zeit las, klang aber eher verwirrend. Angefangen bei No Poo, dem kompletten Verzicht auf Waschprodukte. Einige schwören auch darauf, die Haare nur mit Conditioner zu reinigen. Und, am wichtigsten, das “So natürlich wie möglich“-Credo: Roggenmehl zum Beispiel gilt zurzeit als die beste Shampoo-Alternative. Als ich davon im F.A.Z.-Magazin las (die Redakteurin benutzt seit anderthalb Jahren nichts anderes!), war ich ernsthaft gewillt, schnurstracks ins Reformhaus zu laufen und eine Mehl-Party zu schmeißen.

Aber Spaß beiseite, letztendlich geht es bei allen genannten Optionen genau darum: den Dschungel an Pflegeprodukten im Bad zu lichten und verstärkt darauf zu achten, mit welchen Inhaltsstoffen man Haare und Kopfhaut täglich bombardiert. Eine Armada chemischer Stoffe tut da selbstredend wenig Gutes, Stichwort Sulfate, Parabene und Silikone. Aber was ist mit diesen Begriffen eigentlich genau gemeint, die wie ein Damoklesschwert über jeder Shampoo-Debatte schweben? Im folgenden die wichtigsten Fakten.

Warum sind Silikone und Co. so schädlich?

Silikone sind synthetische Polymere (man erkennt sie an Endungen wie –icone und –iloxane), die aus Erdöl gewonnen werden. Die versiegelnden Substanzen legen sich als glättende Schutzschicht auf die Haaroberfläche – und zack ist er da, der Glanz, denn auf spiegelglattem Haar wird das Licht am besten reflektiert. Nur leider schafft es durch die Silikon-Schicht keine Pflege ins Haarinnere, außerdem werden die Haare auf Dauer platt und strähnig. Darüber hinaus leidet die Kopfhaut, denn die Kunststoffe nehmen ihr regelrecht die Luft zum Atmen. Schuppen, Irritationen und Entzündungen sind da vorprogrammiert.

Ähnliche Bad Boys sind Parabene – künstliche Konservierungsstoffe, die oft Allergien auslösen – und Sulfate (vor allem Sodium Lauryl Sulfat, kurz SLS genannt), dank derer ein Shampoo so gut reinigt und schäumt, die die Haare aber auch stark austrocknen. Ganz zu schweigen davon, dass solche Substanzen auf Mineralölbasis nicht biologisch abbaubar und daher schädlich für unsere Umwelt sind.

Mein Ziel war also: das beste Pflegeprogramm ohne chemische Zusätze zu finden, eines, das mit pflanzlichen Alternativen punktet, die das Haar sanft sowie gründlich reinigen, und ja, es auch weich und glänzend machen. In puncto Öko-Haarpflege schließt das eine das andere schon lange nicht mehr aus. Reiner Zufall war übrigens, dass die Produkte farblich Eins a abgestimmt sind. Pretty in Pastell!

1. Das One Signature Shampoo von Kristin Ess

Kristin Ess

One Signature Shampoo, EUR 16 via niche-beauty.com

„Wann bist du im Office? Ich habe so viel Redebedarf!“, schrieb mir Julia euphorisch vor ein paar Wochen, als sie von ihrem Besuch im Headquarter von Niche Beauty zurückkehrte. Dort lernte sie unter anderem die Pflegemarke der Haarstylistin Kristin Ess kennen, zu deren Kunden auch Amber Valletta und Lauren Conrad zählen. Mein Favorit ist ihr One Signature Shampoo: Es kommt ganz ohne schädliche Sulfate aus, stattdessen wird das Haar mit natürlichen Kokostensiden effektiv gereinigt und mit einem speziellen Kräftigungskomplex widerstandsfähiger gemacht. PS: Lohnenswert ist auch der Instagram-Account von Kristin Ess mit den schönsten, perfekt-unperfekten Haarstylings.

2. Der Color Full Conditioner von Rahua

Rahua

Color Full Conditioner, EUR 46 via lovelydaybotanicals.com

Rahua ist eine der bekanntesten grünen Haarpflegemarken und ich muss gestehen: Bei mir war es nicht Liebe auf den ersten Blick. Vor ein paar Jahren hatte ich das Classic Shampoo bestellt und es beschwerte meine Haare einfach zu sehr. Vielleicht, weil sich noch zu viele abgelagerte Silikone darin befanden?!

Die 180-Grad-Wendung kam jetzt mit der Serie Color Full, die ich im Berliner Store von Lovely Day Botanicals entdeckt habe: Drin steckt zum einen das pflanzliche Rahua-Öl aus dem Amazonas-Regenwald, das dank seiner kleinen Molekül-Größe tief ins Haar eindringen und dort jede winzig kleine, brüchige Faser reparieren kann. Weitere Pflege-Power liefern Extrakte von Quinoa und grünem Tee. Seitdem ich einen Klecks davon in die nassen Haarlängen und Spitzen gebe, sieht mein blond gesträhntes Haar viel gesünder aus. Und – das hat bei mir Seltenheitswert – es fühlt sich weich und fluffig an.

3. Das Leave-In-Treatment von Rahua

Rahua

Leave-In-Treatment, EUR 45 via niche-beauty.com

Getestet und für sehr gut befunden habe ich außerdem das Leave-In-Treatment von Rahua: Aufgrund der dickflüssigen Konsistenz war ich zuerst skeptisch, aber wenn man die Creme sparsam und sorgfältig ins handtuchtrockene Haar knetet, wird es nullkommanull beschwert. Stattdessen wirkt es danach im trockenen Zustand eine Spur glatter und glänzender. Für mich ist dieses Döschen ein kleines Wunder und der unwiderstehliche Palo-Santo-Duft, der noch lange im Haar zurückbleibt, macht süchtig.

4. Die Cleansing Volumizing Paste von Christophe Robin

Christophe Robin

Cleansing Volumizing Paste, EUR 39.50 via niche-beauty.com

Um hier nochmals zum Anfang des Textes zurückzukommen: Wenn man stets Pflegeprodukte mit chemischen Inhaltsstoffen benutzt hat, müssen die Silikonablagerungen unbedingt mit einer Tiefenreinigung entfernt werden. Der französische Haar-Guru Christophe Robin hat dafür seine Cleansing Volumizing Paste entwickelt, die Julia schon seit längerem im Bad stehen hat – und ich jetzt auch.

Die dunkelbraune, leicht klebrige Paste würde zwar keinen Schönheitspokal gewinnen, aber es geht ja allein um den Nachher-Effekt: Anstelle des Shampoos mische ich nun einmal pro Woche einen Esslöffel der Paste mit ein paar Tropfen Wasser und massiere den cremigen Schaum gründlich in den Haaransatz (das reicht, denn beim Ausspülen verteilt sich das Produkt automatisch in den Längen). Seine Formel enthält die mineralienreiche Rasul-Tonerde und damit werden Schmutz und chemische Ablagerungen wie mit einem Schwamm aufgesaugt. Gleichzeitig spenden Pflanzenextrakte und Rosenwasser viel Pflege und Feuchtigkeit. Für mehr Volumen soll die Paste auch sorgen – nur darüber kann ich kein Urteil abgeben, weil meine Haare schon von Natur aus sehr dick sind.

Anna Bok ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach weiteren Stationen in Freiburg und Florenz verschlug es sie 2007 zum Journalistik- und Kunstgeschichtsstudium nach Hamburg, wo sie anschließend als freie Journalistin für verschiedene Magazine, Zeitungen und Onlinemagazine wie Harper's Bazaar, Süddeutsche Zeitung und Blonde gearbeitet hat. Nach knapp zehn Jahren in der Hansestadt ist sie jetzt wieder nach Berlin zurückgekehrt. Wenn Anna nicht gerade neue Beauty-, Mode- oder Reise-Geschichten textet, findet man sie häufig auf ihrer Yogamatte (Empfehlungen für Studios in Berlin are welcome!).