Beauty Comeback: Samt-Haarreifen, Scrunchies & Co.

© Franziska Steinle

Aktuell sind die Haar-Accessoires der 90er wieder omnipräsent. Beauty Editor Anna hat sich das Comeback genauer angesehen

Es war Anfang der 90er, ich war ungefähr sieben Jahre alt und trug nur eine Frisur: Lange Haare mit einem dicken, perlenbesetzten Samt-Haarreif, den ich straff auf den Kopf und dann wieder etwas zurück in Richtung Stirn schob, sodass eine Haartolle entstand. Von diesem Haarreif besaß ich mehrere Ausführungen – in Schwarz, Blau und Dunkelrot. Meine Freundinnen trugen exakt dasselbe Modell. Wir fanden uns todschick.

Einige Jahre später hüpfte das Modeherz für andere Dinge. Buffalos (die mir meine Eltern leider vehement verweigerten) und Leggings mit Steg zum Beispiel. Das treue Haar-Accessoire wurde ausgemistet. Wenn ich nun meinen Instagram-Feed durchscrolle bereue ich das, denn der samtene Haarreif mit Perlen-Dekor feiert dort schon seit längerem ein Comeback: Erst sah ich ihn an der New Yorker Stilikone Vanessa Traina – eine der bestangezogenen Frauen, die ich kenne. Dann an Pernille Teisbaek, Leandra Medine und Giorgia Tordini. Sowie offline im hey woman!-Büro an unserer lieben Julia Fricke, die sich schon bei den Haarclips als Trendsetter entpuppt hatte.

Jetzt ertappe ich mich dabei, wie ich in diversen Onlineshops nach genau so einem Samt-Haarreif Ausschau halte, der mich schon als Kind entzückt hat. Weil dieses Retro-Styling genau die richtige Mischung aus Eleganz, gepaart mit lässiger Nonchalance ausstrahlt. Darüber hinaus hält es die Haare ziemlich schön in Form und ein optischer Verjüngungs-Effekt lässt sich auch nicht abstreiten. Sollte ich noch erwähnen, dass Stilikonen wie Carolyn Bessette-Kennedy und Mia Farrow früher nonstop Haarreif trugen?

Und da aller guten Dinge drei sind, befinden sich noch zwei weitere Haar-Accessoires der 90er zurück auf dem Radar: Zum Einen das schwarze, elastische Haarband, das man früher nur zum Aerobic-Workout oder zum Abschminken trug. Miuccia Prada präsentierte es auf dem Laufsteg bei Miu Miu für den kommenden Sommer. Man sah es auch bei Gucci (mit Logo-Print), Chanel (strassverziert) und Totême (skandinavisch-schlicht).

Ebenso omnipräsent ist der Scrunchie alias das mit Stoff umwickelte Riesenhaargummi, das Carrie Bradshaw einst in Sex and the City mit den Worten „No New Yorker in her right mind would ever wear one!“, niedermachte – und nun dank Mansur Gavriel wieder salonfähig ist (Wichtig: Die Haare müssen dafür leicht messy sein, der Pferdeschwanz rutscht tief in den Nacken). In der aktuellen Resort-Kollektion von Balenciaga gibt es die Scrunchie-Luxus-Version, knallig bunt und aus butterweichem Lammleder, für schlappe 145 Euro.

Stellt sich nur noch die Frage: Woher kommt diese Form der Infantilisierung, dass Frauen wieder bevorzugt Haar-Accessoires aus ihrer Kindheit tragen? Wünscht man sich dahin zurück, weil das Leben einen so oft überrollt oder die Weltlage immer bedrohlicher wird? Ich denke nicht. Vielleicht sind Haarreif, Scrunchie und Co. einfach wieder genau so, wie vor 25 Jahren: todschick. Dazu fällt mir noch ein schöner Satz von Erich Kästner ein: „Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

Anna Bok ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach weiteren Stationen in Freiburg und Florenz verschlug es sie 2007 zum Journalistik- und Kunstgeschichtsstudium nach Hamburg, wo sie anschließend als freie Journalistin für verschiedene Magazine, Zeitungen und Onlinemagazine wie Harper's Bazaar, Süddeutsche Zeitung und Blonde gearbeitet hat. Nach knapp zehn Jahren in der Hansestadt ist sie jetzt wieder nach Berlin zurückgekehrt. Wenn Anna nicht gerade neue Beauty-, Mode- oder Reise-Geschichten textet, findet man sie häufig auf ihrer Yogamatte (Empfehlungen für Studios in Berlin are welcome!).