Ausstellung: Night Fever im Vitra Design Museum

Nachtclub Les Bains Douches, Paris, 1990er Jahre. Gestaltung: Philippe Starck. © Foc Kan (r)

Das Vitra Design Museum präsentiert die erste umfassende Schau rund um die Kultur- und Designgeschichte des Nachtclubs

An die erste Party in einem Nachtclub erinnert sich mit aller Wahrscheinlichkeit jeder, als wäre es erst letztes Wochenende gewesen. Bei mir war das im Westen von Leipzig – einer Stadt, die schon seit Jahren bis Jahrzehnten eine auffallend ausgeprägte elektronische Musikszene aufweist – in einem Club, den es heute so nicht mehr gibt. Die Dekoration war ausgefallen, die Nacht sehr lang und die aufgehende Morgensonne auf dem Nachhauseweg umso ausdrücklicher. Ohne Zweifel, Nachtclubs sind Orte voller Magie und Lebensgefühl; von Experiment, Entgrenzung, Ekstase und ein Epizentrum der Popkultur.
Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet sich mit Night Fever. Design und Clubkultur 1960 – heute dem Möglichkeitsort Nachtclub und geht der Frage nach, wie er sich im Laufe der Zeit gewandelt hat. Neben Architektur, Grafikdesign, Möbeln und Mode, machen Musik, Filmdokumente und Beiträge zeitgenössischer Künstler wie Mark Leckey, Chen Wei oder Musa N. Nxumalo sowie raumgreifende Licht- und Musikinstallationen von Konstantin Grcic und Matthias Singer die Ausstellung zum wahren Erlebnis.

Die Geschichte der Nachtclubs nahm in den 1960er Jahren ihren Lauf: In New York versuchte sich die Subkultur an neuen Medien und Ausdrucksformen. Vor allem im Electric Circus (1967 – 1971) in East Village, designt von Charles Forberg und dem Design-Duo Chermayeff & Geismar, traf sich die Avantgarde rund um Andy Warhol und The Velvet Underground – to “play games, dress as you like, dance, sit, think, tune in and turn on”. Das Konzept wurde zum Vorbild zahlreicher Clubs auf der ganzen Welt. Nachdem die Disco-Musik mit Beginn der 1970er als eigenes Genre populär wurde, eröffnete 1977 schließlich das Studio 54 als Anlaufstelle für die Stars und Sternchen New Yorks. Parallel erforschten Künstler wie Jean Michel Basquiat und Keith Haring in Clubs wie Mudd Club und Area die Verzahnung von Nachtleben und Kunst, währenddessen in den Clubs von Chicago und Detroit nach und nach die Genres Techno und House geschaffen wurden. Beides schwappte zu Beginn der 1990er Jahre nach Berlin und Deutschland über, wo verlassene Gebäude zur Herberge neuer, und inzwischen legendärer Orte wie dem Tresor in Berlin, dem Ultraschall in München, der Distillery in Leipzig, dem Omen und Robert Johnson in Frankfurt und schließlich dem Berghain im Jahr 2004 wurden.

Zugegeben, einige dieser Urgesteine sind inzwischen keinesfalls mehr (das, was sie einmal waren). Die Clubkultur ist vielschichtig und was vor wenigen Jahren einmal die Adresse für die besten Parties war, kann heute dank Kommerzialisierung, Profitabilisierung, schlechtem Booking oder schlicht nachlässiger Türpolitik ein wirkliches No-Go sein. Gleichzeitig erneuert sich die Szene stetig und eine junge Generation hinterfragt mit neuen und mutigen Ansätzen bisher da gewesene Clubkonzepte. In Leipzig geht man inzwischen leider nicht mehr ins Westwerk oder das alte Elipamanoke, die Orte meiner ersten Raves, dafür aber ins Institut für Zukunft. So oder so bleiben diese Nachtclubs immer fest in der Erinnerung derer verwurzelt, die damals oder heute dabei waren, wenn ein weiteres Stück Popgeschichte geschrieben wird.

Das Vitra Design Museum zeigt „Night Fever. Design und Clubkultur 1960 – heute“ bis zum 9. September 2018. Zahlreiche Vorträge, Diskussionen und Workshops mit u.a. Bill Brewster, Catherine Rossi und Max Dax begleiten die Ausstellung. Mehr Informationen auf der Webseite hier.

Mode, Kunst und Pop-Kultur bilden den Kosmos; das geschriebene Wort die Materie, in der sie alles zusammenbringt. Nach ihrem Studium zieht sie 2014 von Leipzig nach Berlin. Dort arbeitet Lola seitdem als PR Consultant und freie Journalistin für Publikationen wie L'Officiel, i-D und Material Magazine.