Women We Love: Amanda Harlech

©Miriam Marlene Waldner

Karl Lagerfeld bezeichnet Amanda Harlech als “sein zweites Paar Augen”. Im Interview mit Veronika spricht sie über ihn, Choupette, Chanel und Mode

Verehre eine Ikone aus der Ferne – und erhalte dann die Chance, sie wirklich zu treffen. Hört sich an wie ein Kapitel aus einem Ratgeber namens Wie man seine Träume Realität werden lässt. Dieses Buch gibt es natürlich nicht wirklich, aber die Geschichte ist eine wahre. Meine Geschichte. 

Jetzt wünsche ich mir, ich hätte in der besagten Woche mein Horoskop gelesen, um zu sehen, ob die Planeten mir gegenüber wirklich so milde gestimmt waren. Der Termin fand nur einige Tage vor der mit Spannung erwarteten Métiers d’Art-Show von Chanel in Hamburg statt – in der Stadt, in der wiederum die Geschichte von Karl Lagerfeld seinen Lauf nahm. Ich erhielt eine E-Mail mit der Information, wann und wo SIE für ein Interview bereit wäre. Ich musste diese E-Mail zweimal lesen, es sollte wirklich passieren:  Lady Amanda Harlech – Karls Muse, oder wie er es vorzugsweise ausdrückt, “sein zweites Paar Augen” – und ich würden ein Gespräch führen. Im selben Raum.

Meine Begeisterung wandelte sich schnell in “Geistige Starre, Stufe 9” um, also 9 von 10. Theoretisch hatte ich bereits eine Millionen und mehr Fragen gesammelt, die ich Amanda stellen wollte, seitdem ich das erste Mal von ihr gehört hatte. In echt aber habe ich gar nicht so viel “von ihr gehört”: Es war eher ein Flüstern und Wispern hier und dort, gut vernetzte Modeleute, die über diese magische Frau sprachen. Eine ganz schöne Herausforderung, eine lebende Legende zu sein, die in der Öffentlichkeit jedoch eher unbekannt ist – das machte das Ganze für mich noch ungemein interessanter.

Also, was fragt man eine Person von diesem Format? Ich wollte sie nicht mit den üblichen Fragen langweilen, so etwas wie “Was macht man als Muse so?”. Ich wollte aber auch nicht klingen wie ein Stalker, indem ich ihr erzählte, dass ich besessen bin von der dunklen und romantischen Welt des 17. Jahrhunderts und der Romantik der 1990er Jahre, die sie zurück in die Mode gebracht hatte.

Jetzt, wo das Treffen bereits hinter mir liegt, weiß ich, dass all meine Sorgen unbegründet waren. Ich hatte das unbeschreibliche Glück, erneut zu erfahren, dass die großartigsten Menschen auch die warmherzigsten sind. Nachdem ich sie nach Ida gefragt hatte, ihrem Pferd, das glorioserweise vor einigen Wochen auf ihrem Instagram-Feed auftauchte, kamen wir gar nicht mehr aus dem Reden heraus. Insbesondere, nachdem wir das offizielle Interview über die Bühne gebracht hatten, und während wir die Hamburger Speicherstadt zu Fuß erkundet haben und uns voll und ganz auf die wunderbar graue Stimmung des Tages einließen. So sehr, dass unser Tonmann – sorry, Adam! – mittlerweile vermutlich an akuter Pferdephobie leidet.

Meine niedergeschriebenen Worte können, so mein Gefühl, dieses Erlebnis gar nicht wirklich erfassen, deshalb bin ich besonders froh, dass wir den Tag in Wort und Bild aufgenommen und mitgeschnitten haben, als eine Art “bewegenden” Beweis, sozusagen, und zwar mit der Hauptperson selbst. Hier sind vier Minuten und 22 Sekunden mit Lady Amanda Harlech – viel Freude dabei!

Und hier noch einige interessante Details aus dem Interview, die im Film nicht zu sehen sind, et voilà.

VH: Welches ist Dein liebstes Jahrzehnt in Sachen Mode und wieso?

AH: Die Zeit, in der ich in die Modewelt einstieg, ist eine ganz besondere Ära. Es ist wirklich seltsam. Die Romantik der 90er Jahre und als die Japaner erstmals auf der Bildfläche erschienen, das war eine ziemlich aufregende Zeit. Nun, mir kommt es eigentlich so vor, als sei das gar nicht so lange her oder weit von dem entfernt, wo wir heute stehen, aber das stimmt tatsächlich überhaupt nicht.

Ich liebe die 20er Jahre sehr, ich liebe sie wirklich. Vielleicht weil meine Großtanten dann noch lebten und sie einen ziemlich großen Einfluss auf mich hatten, zumindest in meiner Imagination. Ihr Leben habe ich vermutlich exotisiert. Die eine war Künstlerin und die andere die Muse eines Künstlers, und ich besitze einige ihrer Kleidungsstücke, ein Kleid von Mariano Fortuny, solche Sachen. Ich habe ganz winzige Ausschnitte aus ihrem Leben zu Gesicht bekommen – und sie sahen fantastisch aus, sie waren sehr smarte Frauenrechtlerinnen. Ich bin irgendwie stolz darauf. Ich mag auch das 17. Jahrhundert. Ich denke, ich habe wirklich mal im 17. Jahrhundert gelebt, auf einem Pferd, im Damensitz auf einem Sattel. Ich liebe insbesondre die Stickereiarbeiten dieser Zeit.

Im Hier und Jetzt liebe ich auch das “about to be” – den Zustand des Beinahe, diese Kollektion. Diese Kollektion bedeutet mir sehr, sehr viel. Sie ist auch ziemlich aufschlussreich, was Karl [Lagerfeld] betrifft. Es geht um all die Dinge, von denen wir wissen, dass er sie mag oder liebt. Wir haben die roten Backsteinbauten der Lagerhäuser Hamburgs in Tweedstoffe übersetzt. Wir haben darüber hinaus natürlich auch die “Matrosen an Deck”, aber in ihrer idealisierten, romantisierten Version.

All das ist so elegant und schick – wie die schwarzen Matrosenhosen, die ungefähr bis zur Wade reichen, dementsprechend braucht man schmale Knöchel und die allerschönsten Schuhe – meine Güte, die sind einfach wundervoll. Und dann gibt es die Matrosenhüte mit einer Art Schleier dazu, so wirkt es, als würde man alles durch diesen grauen Dezember-Nebel sehen. Für mich ist es wie ein Traum. Aber es ist eben wie gesagt das “about to be”, der Zustand des Beinahe. Wenn Karl die Umkehr von Vergangenheit und Zukunft in dieser außergewöhnlichen Gegenwart erfasst – dann ist es genau das, worin er wirklich außerordentlich gut ist.

VH: Ich liebe auch, dass er nicht einfach nur nach rechts und links blickt. Es ist absolut sein Ansatz und irgendwie ist der immer bedeutsam.

AH: Ich freue mich wirklich sehr über diese Kollektion. Auch wenn ich die Sachen nicht ewig kaufen kann, weil sie nicht so lange in den Läden zu haben sein werden.

Wenn Du Dich in 60 Sekunden anziehen müsstest, wie würdest Du aussehen?

Wo bin ich denn? Ich bin ein logisch denkender Mensch. Bin ich zuhause? Bin ich in Paris? Bin ich in Hamburg?

Sagen wir zuhause. Ein Freund ist gerade zu Dir gekommen und Du hast 60 Sekunden – Du bist gerade erst aufgestanden. Was machst Du?

Zu dieser Zeit des Jahres ziehe ich ungefähr drei Pullover an, ein Männerhemd, diese dänischen Kompressionsstrümpfe, die ich liebe, und vermutlich trage ich noch einen Schal. Heute morgen in meinem Hotelzimmer hatte ich meine Yogahosen an, gelbe Kompressionsstrümpfe, Turnschuhe und ein T-Shirt von Holland & Holland, auf dem “weasel” steht.

Ich war wirklich traurig, dass ich das Wiesel bekommen habe, weil es kein Tier ist, das ich besonders mag. Ich dachte nur so: “Na, danke, Stella [Tennant].” Aber meine Tochter hat “Wiesel” gegoogelt und herausgefunden, dass ihm mythische Eigenschaften zugesprochen werden. In der Kultur der Native Americans wurde es für seine psychische Kraft verehrt. Also dachte ich mir: “Ok, dann bin ich ein Wiesel.” Aber ich wollte eigentlich der “hedgehog” [dt.: Igel] sein…

Du verbringst die meiste Zeit mit Arbeit, ist es da nicht großartig, dass Mode auch Dein Hobby ist und Deine Leidenschaft, also das, was Du am liebsten machst?

Ganz genau. Und Karl ist nie zufrieden mit dem, was er gerade gemacht hat – vielleicht für eine flüchtige Sekunde lang und dann möchte er weitergehen. Und Mode ist genau so. Sie steht nie still. Wie die Zeit.

Außer im Hause Chanel. Ich würde gern mehr über Deinen Blick auf die Mode von heute und vor zehn oder zwanzig Jahren erfahren. Chanel ist natürlich eine Ausnahme…

Ja, weil es nicht von Aktionären betrieben wird, es hat also schon im geschäftlichen Sinne eine einzigartige Herangehensweise: Karls Vision ist von größter Bedeutung. Du weißt vielleicht, dass die Wertheimers [die Eigentümer von Chanel] alte enge Freunde von Karl sind und dann war da noch die ganz wunderbare Zusammenarbeit mit Bruno Pavlovsky [Modechef von Chanel], es gibt da also diesen Dialog. Ich denke, das ist ganz einzigartig.

Ich glaube, wenn ein Designer heute in einem Modehaus anfängt, können geschäftliche Aspekte viel zu viel Druck ausüben, sie können zu viel einfordern, um Rendite zu machen: das Pochen auf den Bestseller, die It-Bag. Ich denke, Mode brennt oft mit ziemlich kleiner Flamme. Manchmal ist es gut, bedachtsam zu sein. Manchmal braucht ein Designer seine Zeit, um in den Fluss zu kommen. Ich denke, die Designer müssen den Geist des Hauses erfassen können. Die Leute kaufen nicht mehr nur die Kleidung einer einzelnen Brand. Wir wollten doch alle unseren eigenen Stil und mischen alt mit neu.

Wie hat sich das Haus über die Jahre entwickelt? Chanel scheint bei den verrückten Sachen nicht mitzuziehen, was in diesem Fall aber gut ist.

Ich glaube, da macht sich ein ganzer neuer Trend breit, ganz sicher in der Generation meiner Tochter. Tallulah ist eine sehr talentierte Stylistin, aber arbeitet ganz anders als ich, und sie sagt oft, es ginge weniger darum, das Neueste vom Laufsteg weg zu kaufen, oder gar aus der Pre-Collection, die ja ein ausgefeilteres modisches Profil besitzt als Ready-to-Wear.

Es geht um einen besonderen Lifestyle und viele junge Leute sind daran interessiert, das die Kleidung, die sie kaufen, für immer zu einem Teil ihres Lebens wird. Die Öko-Bewegung klang nie besonders anziehend für die Modeindustrie, aber die Modeindustrie ist der zweitgrößte industrielle Umweltverschmutzer, gleich nach der Petrochemie. Aber wir könnten den Planeten tatsächlich verändern. Wie fantastisch ist das! Nicht nur mit dem Recyceln, sondern auch bei der Herstellung von Stoffen mit Kunststoffen. Die Dinge, die den Planeten zerstören, können tatsächlich umfunktioniert werden.

Ich bin optimistisch, was die Industrie betrifft. Es war ziemlich beunruhigend, den Film True Cost zu sehen – sogar das Chrom, das für eine Schnalle verwendet wird, kann absolut beängstigende Umweltschäden anrichten. Und ich denke auch, dass Mode mit der Landwirtschaft vergleichbar ist: Wie Du Deine Lebensmittel anbaust und sie kochst, das ist vergleichbar mit dem, wie Du Deine Baumwolle anbaust, wie Du sie webst, wie Du sie färbst, wie Du sie nähst, wie Du sie bestickst oder verzierst.

Es klingt zu “sakral” zu behaupten, das sei “mit Liebe gemacht” – aber man kann schon sagen, wenn Kleidung mit einer bestimmten positiven Haltung und Herangehensweise angefertigt wird, dann wird es Kleidung, die für immer Bestand hat. Und, das hört sich jetzt wirklich ein bisschen verrückt an, wenn Liebe in Kleidung investiert wird, möchte man sie vielleicht niemals wegwerfen. Wir müssen aufhören, unsere Kleidung wegzuschmeißen. Die große Frage ist: Wie viele T-Shirts kann man in seinem ganzen Leben besitzen oder wieviele Mäntel? We viele? Was meinst Du?

Ich weiß es nicht. Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht, weil ich, wenn ich in London bin, einen viel kleineren Kleiderschrank besitze, und ich habe wirklich damit zu kämpfen. Aber ich denke auch, dass man das total herunterschrauben kann und ich finde, das fühlt sich gut an – allein, weil man damit morgens viel schneller ist.

Ich treffe eine gute Vorauswahl. Wenn Du etwas kaufst, befrag Dich selbst dazu, und zwar gründlich. Wir arbeiten in der Mode. Wir wissen, es gibt diesen Trigger, der unser Begehren in Gang setzt, das ehrgeizig ist, und Ehrgeiz ist etwas, das sich verändern kann; es geht um einen Traum. Und all das ist im Grunde genommen eine gute Sache. Aber wenn Du etwas kaufst, musst Du Dir ein paar Fragen stellen, zum Beispiel: “Liegt irgendwo in meinem Kleiderschrank etwas bloß herum?” Dann gib es in eine wohltätige Kleiderspende oder bring es irgendwohin, wo es ein zweites Leben führen darf.

Es ist auch großartig, Dinge zu zerschneiden und etwas Neues daraus zu machen. In meinem Dorf lebt eine wunderbare Frau. Sie kommt ziemlich oft zu mir, mit einer riesigen Tasche voller Sachen dabei. Und sie hat mir etwa eine wundervolle Quiltdecke, also mit Patchworkmuster, angefertigt, die aus Stücken von Kleidern, die schon ziemlich zerwetzt waren, zu Tode getanzt, sozusagen. Aber es waren ziemlich schöne Kleider, schöne Stoffe, und es war, als habe sie die Geschichte der Kleider in das Quilt gelegt. Es gibt also viele Dinge, die man in dieser Hinsicht anstellen kann.

Ja, das ist eine ziemlich gute Art. Was ich auch an der Mode von heute liebe ist, dass, wie Du gesagt hast, wir uns wirklich Gedanken über das Heute machen und dass das auch wichtig ist – wohingegen es vor einigen Jahren nichtmal in Betracht gezogen wurde. Die Leute wollten das Thema nicht in den Mund nehmen, es hätte ja die Verkaufszahlen ruinieren können. Jetzt scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Ich denke, das ist ein großer Wandel und ich finde es wunderbar, auf eine Zukunft zu blicken, in der Mode einen großen Wandel einläuten kann.

Ok, lass uns ein wenig über Social Media sprechen. Natürlich folge ich Dir auf Instagram. Deine Bilder wirken sehr geheimnisvoll, sehr dunkel. Ist das so, wie Du die Welt siehst?

Nein. Ich bin jemand, der einfach nur soziale Medien wirklich nutzt. Ich bin jemand, der so sehr in Freude gerät ob dessen, was er sieht, dass ich es einfach direkt posten muss. Und ich bin nicht mit Computern aufgewachsen – sondern mit Papier, einem Füllfederhalter und Tinte, einem Farbpinsel und einer Flimkamera. Für mich ist das also die wahre Freude.

Und ich muss auch sagen, diese ganze Sache bei IG, also die “Instant Gratification” (der sofortigen Würdigung) und damit in der Lage zu sein, ein Foto sofort hochzuladen und online zu stellen, ist eine fantastische Angelegenheit. Und es ist sicher auch der Grund, warum ich in die Mode gegangen bin, denn ich war an der Uni und sollte Autorin werden. Aber dann hat Sophie Hicks mich auf ein Modeshoot mitgenommen, und ich habe verstanden, wieviel schneller man seine Ideen in einem Fotoeditorial umsetzen kann – sehr viel schneller als in meinem kleinen Zimmer zu hocken und für sechs Monate oder ein Jahr zu schreiben. Der Kick, das in einem Bild verwirklicht zu sehen, was kurz zuvor Deinem geistigen Auge war, den finde ich sehr aufregend.

Abgesehen davon handeln meine Fotos hauptsächlich von dem, was ich zuhause vor meinem Fenster sehe, dementsprechend oft auch von einem ganz bestimmten Baum. Ich liebe diesen Baum – ich sehe ihn in jedem Licht der einzelnen Jahreszeiten. Jemand hat mal etwas ganz Furchtbares unter eines meiner Baumbilder geschrieben: “Du wirkst so traurig. Du gehst immer weg und schon wieder dieser blöde Baum.”

Ich war wirklich sauer und es hat mich den ganzen Samstag über beschäftigt, das mich jemand auf diese Art kritisiert hat. Und dann habe ich darüber nachgedacht und bin zu der Erkenntnis gelangt, “Nein, es tut mir leid, dass Du meinen Baum nicht in seinem unterschiedlichen Licht wahrnimmst, in allen Jahreszeiten. Das Vergehen der Zeit, das Vergehen des Lichts, das ist es, was für mich daran so magisch ist.”

Eine andere Sache: Ich bin besessen von Blumen. Ich habe einen Garten, keinen riesigen, aber ich liebe insbesondere meine Rosen. Sie alle erzählen Geschichten. Ich habe einmal an einem Buch gearbeitet, das lautet The Things My Mother Told Me and the Things My Mother Didn’t Tell Me, und es ging um Blumen. Denn manchmal konnte meine Mutter bestimmte Dinge nicht sagen und sie drückte sie stattdessen mit einer Blume aus. Es ist also ein Buch mit gepressten Blumen und solchen Dingen, Blumen, Pferde… Ich mag übrigens Edie Campbell, die eine großartige Pferdefrau ist…

Besitzt Du eigene Pferde?

Ja, ich reite eines, das ich gezüchtet habe, die kleine graue Ida May. Sie ist fünf.

Was für ein Pferd ist sie?

Sie ist ein Sportpferd. Ihre Mutter war ein Rennpferd, also ist sie sehr reinrassig und dementsprechend ungeduldig, ziemlich eigensinnig – ganz so wie Choupette: eine Prinzessin, eine große Diva. Sie mag zum Beispiel keinen Regen, wenn Du sie also reitest und es fängt an zu regnen, schmeißt sie einfach alles hin wie ein Kind seine Spielsachen auf den Boden wirft: “Mir reicht’s jetzt.” Und wenn ich sage, “Nein, nein, wir sind doch schon fast zuhause – Du gehst jetzt weiter. Komm schon, trab vorwärts”, lässt sie es an meinem anderen Pferd aus und versucht es zusammenzutreten.

Aber man sieht nicht viele Bilder von mir, wenn ich reite. Da bin ich nicht wie Edie [Campbell], die offensichtlich jemanden an ihrer Seite hat, der Fotos von ihr schießt. Ich glaube, es ist ihr Trainer. Und ich habe keinen. Ich denke auch, dass Amanda Brooks eine GoPro an ihrem Helm befestigt hat, deshalb sieht man so oft Pferdeohren. Auf den Bildern von Mary McCartney sieht man ganz eindeutig, dass sie die Fotos selbst macht. Ich habe kein Telefon bei mir, wenn ich reite. Ich möchte eigentlich nicht in diese Falle tappen. Aber vielleicht sollte ich es mal ausprobieren, denn die beste Ansicht auf die Welt hat man zwischen zwei Pferdeohren, also auf dem Rücken der Pferde.

Mich interessieren die Parallelen zwischen Mode und Pferden. Sicherlich, wenn man Dressurreiten und ähnliches macht, sagt man, zählt der Gesamteindruck. Das ist die Parallele, die ich wahrnehme, und ich denke, für so ängstliche Menschen wie mich ist es ziemlich gut, auf den Rücken eines Pferdes zu steigen. Ich kann das Gewicht meiner Sorgen und Ängste nicht auf den Rücken eines anderen Lebewesens mitnehmen: Das wäre nicht fair. Ich muss also absolut präsent sein.

Und es ist auch nicht gut, wenn Du all Deine Ängste ins Reiten steckst, weil dann das Pferd überreagiert. Du musst Dich also beruhigen und herunter kommen. Ich sage mir manchmal, es ist wie zum Yoga gedrängt zu werden – Du musst atmen.

Ja, und auch um Dir zu sagen, dass Du Deinen Job gut machst.

Ein weiterer Höhepunkt dieser Reise war, dass ich das neue Buch von Amanda erhielt, Die Renaissance einer Stadt (The Renaissance of a City), veröffentlicht bei Steidl. Für das Buch hatte Karl Lagerfeld sie gebeten, Hamburg zu besuchen und vor der Show Fotos von ihren liebsten Ausflugszielen zu machen. Ganz klar, dass sie alles in geheimnisvollem Schwarz-Weiß aufgenommen wurde.

CHANEL Métiers d’Art Show – Paris Hamburg 17/18 Kollektion‎

Wer noch mehr über die Welt von Amanda Harlech erfahren möchte, kann ihr auf Instagram folgen (@amandaharlech).

Übersetzung: Nella Beljan
INTERVIEW Fotos: MIRIAM MARLENE WALDNER
VIDEO und EDIT: SABRINA HUBERT
INTERVIEW: VERONIKA HEILBRUNNER
PRODUction MANAGER: JULIA KNOLLE

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.

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