Selfmade Experts: Isabel Molitor über Farmers Cut

©Farmers Cut

Isabel Molitor ist die Frau hinter Farmers Cut, die erste Indoor Vertical Farm mit dem Sitz in Hamburg. Wie es dazu kam erzählt sie hier

Die 28-jährige Isabel Molitor arbeitet, nach beruflichen Stationen in New York im Marketing und München im Bereich Brand Strategy, nun an einem ambitionierten Projekt: Farmers Cut in Hamburg. Was es mit Europas erster Indoor Vertical Farm auf sich hat und wie es dazu kam, erzählt sie hier:

Julia Knolle

Kurz nach Neujahr 2015 hat mich die Idee für Farmers Cut das erste Mal begeistert. Damals lebte ich noch in NYC und kam über die Weihnachtsferien nach Deutschland. Mein Vater und ich trafen uns in München mit Mark Korzilius, einem langjährigen Freund und unserem heutigen Mitgründer. Er erzählte uns mit Begeisterung von einem neuen Konzept, dem Indoor Vertical Farming (Mit dieser Technologie produzieren wir das ganze Jahr über lokal in Städten, schaffen kurze, direkte Vertriebswege und verwenden 80% weniger Wasser und 60% weniger Dünger, als in der traditionellen Landwirtschaft.)

Mich hat das Konzept sofort mitgerissen, da ich in den USA, insbesondere in New York, bereits die Entwicklungen des Next Generation Farming verfolgte und wusste, dass das ein unfassbar spannendes Thema ist: Die Verknüpfung von Technologie, Urbanisierung und Ernährung. Alles Bereiche, die für uns alle von großer Bedeutung sind.

Zurück in New York, ging ich zu diversen AgTech-Veranstaltungen und Meet-ups von Food + Tech Connect, wo sich Food und Food Tech Start-ups wie Edenworks oder Aerofarms vorstellten. So begann der erste Austausch mit Gründern und Branchenexperten aus der Szene. Zusammen mit Mark folgten weitere Reisen nach Tokio und Holland. Dort trafen wir zum ersten Mal die Vorreiter operativer Indoor Vertical Farmen. Professor Toyoki Kozai, den ich 2015 in Tokio besuchte, hat mir mit seinem Buch Plant Factory das Tor zum Indoor Vertical Farming geöffnet. Unter uns nennen wir ihn den Papst des Vertical Farmings. Auch im täglichen Austausch mit unseren technischen Partnern und Pflanzenbiologen aus Holland, Finnland und Japan erweitern wir fortlaufend unser Wissen.

Beruflich war mein Vater für mich schon immer, aktuell und wohl auch in Zukunft, ein Mentor. Bei Farmers Cut prägt und unterstützt er mit seinem technischen und unternehmerischen Mindset. Er ist ein wahrer Motivationskünstler, wenngleich kritischer Realist.

Im Kreativen und Visionären ist auch Mark eine Art Mentor für mich. Auch sein Kampfgeist, alles zu geben und nichts unversucht zu lassen, prägt mich im Alltäglichen.

Am meisten macht mir an meinem Job Spaß, dass wir uns jeden Tag neuen Herausforderungen stellen müssen. Das schafft ein dynamisches und spannendes Umfeld und erfordert eine gewisse Flexibilität, um Dinge auszuprobieren und voranzutreiben. Es ist ein ständiges Learning by Doing. Schlussendlich dreht sich alles darum, Lösungen zu finden. Niederlagen und Fehler gehören auch zum Lernprozess. Ich lerne jeden Tag dazu. Die für mich größte Herausforderung ist demnach: Geduld, Geduld, Geduld.

Der bisher größte Erfolg war, als wir unsere Salate in Tim Mälzers Restaurant Die Gute Botschaft stellten und sich die ersten Gäste an der Salatbar daran bedienten. Den Moment, als sie vom guten und vielfältigen Geschmack schwärmten, werde ich so schnell nicht vergessen.

Unsere Zielgruppe ist relativ weit gefasst: Das Thema Ernährung und Nahrung ist heutzutage für viele zu einer Art Ersatzreligion geworden. Vor allem für die Millennials. Sie achten darauf, wo und wie ihre Lebensmittel hergestellt werden und welche Nährstoffe sie zu sich nehmen. Wir glauben, dass wir mit unserem Konzept sehr unterschiedliche Gruppen ansprechen, von Foodies über Gesundheitsbewusste bis hin zu Techies, die von unserer Farming Technologie fasziniert sind.

Mein Wunsch für die Zukunft? Mit 20 Farmen weltweit vertreten zu sein! Wir wollen die heutige Lebensmittellieferkette zu einer nachhaltigeren verwandeln und ein Mindset in der städtischen Bevölkerung entwickeln, das sich an beyond organic orientiert: pestizidfrei, lokal, vielfältig!

Alle Informationen gibt es auf der Webseite von Farmers Cut hier oder auf dem neuen Instagram Account hier.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.