Playlist: Judith Haase und Pierre Jorge Gonzalez von Gonzalez Haase AAS

(l.) Judith Haase & Pierre Jorge Gonzalez/©Casper Sejersen | (r.) Beets & Roots/©Thomas Meyer/Courtesy Gonzalez Haase AAS

Judith Haase und Pierre Jorge Gonzalez sind die Gründer des Berliner Architekturbüros Gonzalez Haase AAS. Im Interview erzählen sie von ihrer Arbeit – und haben exklusiv für uns eine Playlist zusammengestellt

Das Portfolio des Architekturbüros Gonzalez Haase AAS hat mich schon immer beeindruckt. Die Liste an Auftraggebern liest sich nicht nur wie eine Wunschliste der Besten aus der Kreativindustrie (Balenciaga, Ernst Restaurant, Andreas Murkudis, Birkenstock), sondern auch die Resultate der Raumgestaltung sprechen von Projekt zu Projekt für sich. Die Fähigkeit, Räume modern, aber nicht kühl wirken zu lassen, ist ein wesentlicher Faktor ihrer Handschrift. Die Positionierung der eigenen Marke zu festigen, während man damit beauftragt ist, die DNA einer anderen Marke umzusetzen – das scheint im Falle des von Pierre Jorge Gonzalez und Judith Haase im Jahr 1999 gegründeten Architekturbüros gelungen zu sein. Im Interview geben sie Einblicke in ihre Arbeitsweise und teilen ihre persönliche Playlist mit uns.

Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Arbeitsalltag?

Judith Haase: Während ich arbeite höre ich grundsätzlich keine Musik. Wir beschäftigen uns mit mehreren Projekten parallel und müssen uns sehr konzentrieren. Es geht viel um Kommunikation, per E-Mail, am Telefon oder in Meetings. Wir sprechen deutsch, englisch und französisch den ganzen Tag im ständigen Wechsel, da würde Musik im Hintergrund ablenken. Im Auto auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause ist Musik für mich allerdings sehr wichtig, dann höre ich Nachrichten und Jazz Radio.

Pierre Jorge Gonzalez: Im Büro ist der Tagesablauf von Telefonaten und Meetings geprägt, wenn man da ernsthaft arbeiten möchte, kann keine Musik laufen. Ich mag Hintergrundmusik auch nicht besonders. Entweder ich höre einem Song zu, oder eben nicht.

Was hat es mit den ausgewählten Songs der unten stehenden Playlist auf sich?

JH: Ich verbinde die Lieder mit bestimmten Lebenssituationen und höre sie meistens im Urlaub und auf Autofahrten durch schöne Landschaften.

PJG: Sie sind unsere Klassiker – Lieder, auf die man in bestimmten Situationen immer mal wieder zurückkommt. Aber keiner dieser Songs ist mit einer speziellen Bedeutung oder Erinnerung verknüpft, denn das könnte dazu führen, dass man ihn irgendwann nicht mehr hören will.

Gibt es ein Projekt, das für Sie sehr besonders war?

JH: Der mobile Container für Birkenstock, der bei Andreas Murkudis vor dem Laden stand und von ihm kuratiert wurde. Wir hatten vorher noch nie mit Containern gearbeitet, deshalb war dieses Projekt eine völlig neue Erfahrung: Immerhin besteht diese Hülle aus Stahl und ist dafür konstituiert, das Innere zu schützen und es nicht dem Tageslicht auszusetzen. Wir haben uns sehr genau überlegt, wie wir das Licht in diesen geschlossenen Container bringen und ihn zum Raum werden lassen – „Without light no space“.

PJG: Das Ernst Restaurant in Wedding  – das war ein Projekt für ein wunderbares, junges Team. Dort gibt es das beste Essen und den besten Wein, den ich je getrunken habe. Was ein Glück, dass wir diesen Ort designen durften.

Welches Projekt der letzten sechs Monate hat Ihnen am meisten Freude bereitet und warum?

JH: Es hat viel Spaß gemacht, die Büroräume für eine große Agentur zu gestalten. Wir konnten unseren Ideen freien Lauf lassen und Materialien und Farben sehr spielerisch einsetzen. Die Auftraggeber waren genauso begeistert und euphorisch wie wir, so konnten wir gemeinsam an alle Möglichkeiten denken, ohne uns dabei gegenseitig auszubremsen.

PJG: Wir haben großes Glück, dass wir uns unsere Kunden aussuchen können. Dabei ist das aktuellste Projekt immer das, was uns am meisten beansprucht. Gerade haben wir allen Stores von Balenciaga einen neuen Look verliehen. Außerdem haben wir an Projekten für Fischer Appelt und die Galerie Berinson in Berlin gearbeitet, dazu kommt der Holzweiler Store in Oslo und natürlich das Ernst Restaurant. All diese Projekte haben viel Spaß gemacht.

Wie würden sie Ihre Herangehensweise an Ihre Arbeit erklären und was unterscheidet Sie dadurch von Ihren Kollegen?

JH: Pierre Jorge und ich sind ein Team, haben aber sehr unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Pierre Jorge ist Szenograf, hat spanische Eltern und in Frankreich studiert. Ich bin Architektin, habe deutsche Wurzeln und in Deutschland studiert. Unsere jeweiligen Ausbildungen – wir waren beide an Kunsthochschulen – haben uns verschieden Herangehensweisen gelehrt, mit Raum umzugehen und Raum zu schaffen. Wir arbeiten interdisziplinär und bringen unterschiedliche Denkweisen zusammen, das schafft einen Reichtum und Pool von Möglichkeiten.

PJG: Alle Architekten haben ihre eigene Identität und die Vielfalt ist großartig. Wir glauben daran, dass Kunden ganz genau wissen, warum sie zu uns kommen. Sie identifizieren sich mit unseren Designs.

Inwiefern beeinflusst Berlin als Standort die Resultate Ihrer Arbeit?

JH: Berlin ist für uns die einzige Stadt gewesen, in der wir uns selbständig machen konnten. Wir sind mit Berlin gemeinsam gewachsen und mit vielen anderen Menschen, die hier ihre Existenz aufgebaut haben. Wir fühlen uns als Teil einer Stadt im Wandel. Berlin hat uns sehr beeinflusst, da wir hier auch nach Möglichkeiten gesucht haben, mit wenig Geld schöne Projekte zu machen. Das prägt ästhetisch.

PJG: Wir arbeiten nun seit fast 20 Jahren in Berlin und die Stadt ist sehr langsam gewachsen. Am Anfang war kaum Geld da, um zu bauen, und unsere Strategie war es, Räume mithilfe von künstlichem Licht zu schaffen. Das hat viele Vorteile: In Berlin wird es im Winter schnell dunkel, Licht ist genau wie Fotografie ein Weg, Kunst darzustellen. Licht kommt von oben und wird nicht von Menschen gestört und es gibt auch noch ein paar mehr Vorzüge. Die Menge von Licht ist normalerweise nicht von einem Budget abhängig, mit Ausnahme, wenn es um Architektur geht. Das ist Teil unserer tagtäglichen Arbeit geworden.

Gibt es ein (Traum-)Projekt, das Sie immer schon einmal realisieren wollten?

JH: Traumprojekte sind für mich Projekte mit aufgeschlossenen Bauherren, die Vertrauen in unsere Arbeit haben. Aber wenn nicht Zeit und Budget im Vordergrund stehen, sondern Material und durchdachte Details, dann kann jedes Projekt zum Traumprojekt werden.

PJG: Ich hatte lange den Traum, ein Stückchen Land gemeinsam mit guten Freunden zu kaufen, ein schönes Gebäude darauf zu stellen und dann mit allen zusammen dort einzuziehen. Doch jetzt ist es kein Traum mehr, denn vor Kurzem haben wir genau das realisiert indem wir das vGGG Gebäude gebaut haben.

AAS im Titel des Architekturbüros Gonzalez Haase steht für atelier architecture & scenography und verrät: bei dem Berliner Unternehmen geht es um mehr als reines Design – nämlich um die Erschaffung ganzer Raumkonzepte. Judith Haase und Pierre Jorge Gonzalez habe sich darauf spezialisiert, Kunstinstallationen zu realisieren, die Innenausstattung von Läden namhafter Luxusmarken zu entwerfen, Wohnräume zu gestalten und sowohl gewerbliche als Ausstellungsräume umzubauen oder komplett zu verwandeln. Die frühe Arbeit mit Richard Gluckman und Robert Wilson für das Watermill Center in New York ist das erste von vielen beachtenswerten Projekten des Architekturbüros mit zeitgenössischen Künstlern, Museumsdirektoren und Sammlern gewesen.

Weitere Informationen zum Architekturbüro Gonzalez Haase AAS gibt es auf der Webseite hier sowie auf Facebook hier und Instagram (@gonzalezhaase_aas) hier.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.

Updates über ihre beruflichen nächsten Schritte gibt es via https://www.linkedin.com/in/juliaknolle/