Women We Love: Petra Collins

© Collage / Julia Zierer

Mädchensein ist okay

In den letzten zwei Jahren ist Petra Collins vor allem durch Fotografien aufgefallen, auf denen ihre Schamhaare zu sehen waren oder die menstruierenden Vaginen ihrer Freundinnen. Dabei ist sie gar kein Schreihals.

Die Welt da draußen hat einfach immer noch nicht verstanden, wovon die Arbeiten der 23-jährigen Kanadierin eigentlich erzählen. Weil das Leben dieser sehr jungen Frauen in High School Toiletten und überfüllten Teenie-Zimmern, welches Collins neben Auswuchs und Ausfluss ja auch abbildet, auf den ersten Blick wirkt wie das von wundersamen Elfen. Viel zu rosarot und viel zu zuckerwattig.

Petra Collins will das Werden festhalten. Die Pubertät und das ätzende Gerangel von klein zu groß. Diesen irre hektischen und sehr grausamen Moment, in dem sich alles – Körper und Kopf – viel zu schnell verändert. Collins Fotografien sind so ein Ort, an dem der Druck entweichen kann. An dem junge Frauen gehört und gesehen werden. Ein Ort des „So“-Seins. Trotz aller Rauheit dominiert in ihren Bildern ja vor allem die Zärtlichkeit.

Collins glaubt nicht daran, dass es nur Platz für die Eine gäbe oder an Kämpfe und Feindschaften zwischen Frauen, die ja doch nur von außen anerzogen wurden, sondern sie glaubt an Zusammenhalt und Nähe. An eine „Army of Women“.

In diesem Jahr hat sie ihr erstes Buch herausgebracht: Babe. Es sieht aus wie ein Poesie-Album aus den 90s. Die Neunziger Jahre sind wichtig für Collins und ihre Generation. Sie sind Geburtsstunde und stilbildender Anker, aber diese „Coming of Age“-Ästhetik aus Fernsehserien wie My So-Called Life ist natürlich ein Trick. Babes wie Petra Collins sind nicht einfach nur sweet oder beschränkt eindimensional. Auf den Fotos und Collagen von ihr und 29 anderen Künstlerinnen sieht man dreidimensionale Mädchen, volle Tampons, Fried Chicken, iPhones mit verpassten Anrufen von Mama, milchiges Badewasser, rote Lippen, Selfies auf der Toilette, Luftballons und Nagellack. Es gibt auch eine To-do-Liste, auf der steht: „Mach einen erfolgreichen Film über ein schlampiges Mädchen, das glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebte.“

Petra Collins ist nicht nur Künstlerin und Fotografin. Sie ist Feministin. Zusammen mit ihrer besten Freundin Tavi Gevinson, dem Mädchen, das mit elf Jahren seinen ersten Fashion Blog startete und heute das Online Magazin Rookie für Teenage Girls leitet, führt sie die New Feminism Wave, die neue Feminismus Welle in Nordamerika an. Unangestrengt und ohne dieses Entweder-Oder-Für- bzw. Dagegen-Denken, das den Feminismus hier seit Jahren aufhält. Collins verwehrt sich dem bereits Bestehenden, den Zitaten und Referenzen, also den Dingen, die Erwachsene behaupten, weil sie glauben, sie wüssten es besser.

Sie verlässt sich darauf, dass Mädchensein total okay ist. Und Wachsendürfen. Man muss nicht reinpassen. Wirklich nicht.

Instagram Impressionen @petrafcollins

Video Serie Style Like U

Corporate Projects

Petra Collins für adidas by Stella McCartney

Petra Collins für COS

Carolin Würfel wurde 1986 in Leipzig geboren. Sie schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, am liebsten über merkwürdig-coole Mädchen oder deutsch-deutsche Phänomene.