Trend Watch: Eurogelb

©Collage / Julia Zierer

Veronika Heilbrunner’s Lieblingsfarbe der Saison ist Eurogelb. Entdeckt auf den Laufstegen von Saint Laurent bis Gucci und auf Instagram

Der Klassiker bei den Modezeitschriften und sowieso eine der wohl meist gestellten Fragen in meiner Praktikums- und Assistentenzeit ist die nach der „Farbe der Saison“. Die ich zumeist mit „Lila“ (weil es quasi über Jahre hinweg meine Lieblingsfarbe war) und „Äh, ja eigentlich auch Smaragdgrün, Schneeweiß, Mitternachtsblau, Tomatenrot, Sonnengelb, Yves Klein Blau und Schwarz, ja das gab es auch“, beantwortet habe.

Dabei habe ich mich regelmäßig darüber geärgert, warum es denn nur eine Farbe pro Saison geben darf. Schließlich interpretiert jeder Designer seine Farbpalette anders und das ist auch gut so. Die Quintessenz war, dass in meinen Berichten über die Shows definitiv niemals nur eine einzelne Farbe vorkommen soll.

Wie es so schön ist, breche ich jetzt damit. Denn hin und wieder taucht eine Farbe auf, die mich intuitiv und bis ins Mark trifft. Und dann ist es natürlich meine persönliche Farbe der Saison. Oder aber, um genauer zu sein, verfolgt mich ein Farbton oft über mehrere Kollektionen. Im letzten Jahr war dies ein tiefes Burgund oder Rotweinrot, das nun abgelöst wurde von: genau, Gelb.

Ich kann mich noch exakt an den Moment erinnern: Es war ein schöner Frühsommertag in New York, als dieser Traum von wallendem Seidenkleid an mir vorüberlief. Ob es damit zu tun hat, dass ich von der Resort Show 2015 von Gucci sowieso völlig überwältigt war? Das Styling schon bei der ersten Show von Alessandro Michele durch viele große Ringe an jedem Finger der Models bestach? Oder aber, dass diese Wesen auch noch über wunderschöne Teppiche hinweg fegten? Ich kann es nicht sagen. Nur, dass ich dieses Kleid und diese Farbe nicht mehr aus dem Kopf bekam.

Darauf folgte die Show von Ganni im August in Kopenhagen. Die tollen Tracksuit-Teile hatten es mir angetan. Und Überraschung – die Details waren wieder fast noch gelber als gelb.

Den finalen „Klaps auf den Hinterkopf“ versetzte mir die Show von Valentino im Oktober in Paris. Im Meer der wunderschönen, romantischen, dunkel-raffinierten luxuriösen Roben mit Tribalelementen bildete Adrienne Jüliger (eines meiner liebsten deutschen Models fyi) für mich das Schlüsselelement der Show in einem wunderschönen, ebenfalls wallenden gelben Kleid. Kein klassisches Sonnengelb. Eher ein grünliches, leicht schmutziges. Eine feine Nuance, die sehr elegant aussieht und irgendwie „leise“ wirkt.

 

Nun durften all diese Bilder in den vergangenen Monaten in meinem Inneren vor sich hinbrodeln. Und vor zwei Tagen passierte es. Am Geldautomaten am Savignyplatz. Ich hob mal zur Abwechslung ein paar mehr Scheine ab, schließlich ging es nach Paris und ich wollte vorbereitet sein. Wie es das Schicksal so wollte, war ein 200-Euro-Schein mit dabei. Den hatte ich wirklich noch nie in der Hand. Verrückt. Und dieser Farbton! Ein müdes, leicht grünliches Gelb, ein bisschen retro auch und leuchtend, aber auf eine diskretere Art. So wunderschön. In dieser kleinen Schwelgerei wurde ich plötzlich stutzig. Moment mal, war das nicht… ?!

Noch im Flugzeug nach Paris suchte ich alle meine Lieblingsteile zusammen, die mit diesem besonderen Gelb versehen waren. Und mit großer Freude stellte ich fest, dass die Surf Kollektion von Saint Laurent vor einem Jahr bestimmt einen meiner Knöpfe gedrückt haben musste. Die schrägen Farben des Cardigans, da findet sich schon genau dieses Gelb. Dries van Noten, Vetements, Miu Miu und Gucci machten in der SS16 Kollektion direkt damit weiter.

Wie schön das „Eurogelb“ als i-Tüpfelchen funktioniert, sieht man an dem aufwendig mit Kristallsteinen bestickten Pullover von Alexander McQueen und der Korbtasche von Stella McCartney.

 

Die Öle von Aura-Soma Equilibrium faszinierten mich in oben angesprochenen Jahren  meiner Praktikums- und Assistenzzeit in München. Damals lief ich mit Vorliebe an einem Bioladen im Glockenbachviertel vorbei, in dem es eine Glaswand mit allen diesen kleinen Fläschchen gab. Die Farbzusammenstellung fand ich gigantisch schön. Wie Mark Rothko, abgefüllt zu duftenten Essenzen.

Ganz klar ist Gelb generell, und im Speziellen dieser Farbton, nicht sehr einfach zu tragen (Wo sind der bronzefarbene Sommerteint und die dunklebraune Haarmähne, wenn man sie braucht? Gelb bedarf des perfekten Hintergrundes, sozusagen, weil es einfach nicht sehr schmeichelhaft ist). Dennoch (und wahrscheinlich, weil ich so versessen auf die Farbe bin) fällt es mir leicht, sie zu kombinieren. Naturmaterialien wie Kork und Wildleder wie bei den wunderschönen Plateausandalen von Gianvito Rossi und dem Rock von M.i.H. Jeans sind die perfekten Partner. Der Bikini von Eres – ich gebe es zu – driftet ein wenig ins Orange. Trotzdem stimmt der Vibe und ich möchte sofort den Poncho von Valentino darüber werfen, den Halsschmuck von Acne Studios anlegen und zurück nach Australien, um den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als Koalas zu streicheln.

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.

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