Filmtipp: Toni Erdmann

Mit diesem Filmtipp hat man gut lachen: Julia Knolle empfiehlt die tragische Komödie “Toni Erdmann” von Maren Ades

Normalerweise sträube ich mich gegen Filme/Bücher/Phänomene, die überall präsent sind. Doch dies hier ist eine kleine Ausnahme. Klar habe ich die Berichterstattung und Texte über Toni Erdmann gern gelesen, als das neue Projekt von Regisseurin Maren Ade ins Rennen bei den Filmfestspielen in Cannes ging – und dann trotz Standing Ovations nach dem Screening keine Auszeichnung erhielt.

Relativ fix nun begann der Kinostart in Deutschland und die Feuilletons nahmen den Faden gefühlte vier Wochen nach dem ersten Overflow wieder auf. Noch der letzte Redakteur wollte seine Meinung kundtun und ich wünschte mir inständig, dass man die Seiten doch bitte irgendwie mit mehr Einfallsreichtum befülle.

Und dann kam plötzlich einer dieser Sonntage, an denen ich (wie so oft und gerne einmal) kurz die Welt da draußen ausschalten wollte und in mein Lieblingskino flüchte – meistens bin ich da am letzten Wochentag und dann auch noch bei gutem Sommerwetter alleine. Doch schon vom Weitem sah ich eine Schlange, sagen wir mal 50 Interessierte über 50 – und ich. Auch die Überlänge des Films von 142 Minuten kam mir gelegen. Und siehe da: Die Hauptdarstellerin Sandra Hüller, die ich schon in Finsterworld liebte, trug mit ihrem väterlichen Gegenpart Peter Simonischek den kompletten Film.

 

Ja, an manchen Ecken und Enden war zu viel gezielte Wirkung eingebaut, manche Ebene, die gut und wichtig für die Geschichte war, ein wenig zu offensichtlich umgesetzt. Es mag mir zeitweise gefehlt haben, dass man als Zuschauer alles vorgekaut bekommt und sich nichts selber erarbeiten musste, doch trotzdem hatte ich das Gefühl, hier den nächsten deutschen Film des Jahres gesehen zu haben. So wie im letzten Jahr bei Victoria, dem Überraschungserfolg, in dem Frederick Lau begeisterte. Dieses Mal performte Trystan Pütter ähnlich.

Für alle nicht deutschsprachigen Leser wünschen wir uns also, dass diese wohltuende und sehr spezielle Geschichte zwischen Vater und Tochter ganz bald in den internationalen Kinos startet – einen Verleih dafür gibt es nämlich schon.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.

Updates über ihre beruflichen nächsten Schritte gibt es via https://www.linkedin.com/in/juliaknolle/