Editor’s Pick: Spitzenkleid von Erdem

©Julia Zierer

Social Media bestätigt mich darin, dass ich meiner Intuition trauen kann. Interessante These (sage ich zu mir selbst, während ich vor einem Café au Lait in meinem Lieblingslokal an dem Boulevard Saint-Germain sitze).

Mehr als einmal habe ich für meine Artikel auf hey woman! alte Instagram Motive hervorgekramt. Das ist ja an sich schon aberwitzig, denn das Durchscrollen durch all die vergangenen “instant” Posts ist für mich wie eine kreative Pinnwand, die ich fast zufällig und zwischendurch angelegt habe. Aber in der geballten Zusammenfassung ergibt sie eine stimmige Collage meiner Vorlieben.

Noch interessanter ist das Durchscrollen unseres hw! Instagram-Kanals für mich. Schließlich posten Julia und ich hier abwechselnd. Total spannend, wie wir einander sogar hier ausbalancieren und ergänzen. Manchmal muss ich mich selbst zwicken, um mich daran zu erinnern, dass ich nicht träume, sondern auch in der Realität die beste Partnerin, die es für mich gibt, gefunden habe. Aber jetzt zurück zum Thema.

An sich ist der Zauber der “Liebe auf den ersten Blick” im Zusammenhang mit einer Kollektion etwas Besonderes. Und bei aller Besonderheit gibt es sogar jede Menge verführerischer Objekte. Umso interessanter finde ich es, viele Wochen später zu beobachten, für was ich mich damals entschieden habe. Oder andersherum, wenn es die Kollektion ein halbes Jahr später endlich zu kaufen gibt und ich wie jetzt, ferngesteuert, das Spitzenkleid von Erdem in meinen virtuellen Einkaufswagen lege. Denn damals im Juni 2105 in New York bei der Resort Präsentation fiel mir das schöne Stück schon auf (links im Bild etwas abgeschnitten zu sehen).

Die langen Ärmel im Kontrast zur ungewohnten Länge (eine Handbreit über dem Knie), der hochgeschlossene schwarze Ausschnitt kombiniert mit zartem Hellblau und Elfenbein. Im Kopf hatte ich dazu schon blickdichte, schwarze Strumpfhosen und Dr. Martens an.

Jetzt möchte ich dieses feine Stück Textil unbedingt haben, weil es eines dieser Kleider ist, dass mich a) an einen meiner Lieblingsfilme erinnert. Nämlich an McCabe and Mrs. Miller mit der atemberaubenden Julie Christie und dem wunderschönem Soundtrack von Leonard Cohen. Und b), weil ich es schon morgens anziehen würde mit einem grauen Strickpulli darüber und abends würde ich die schwarzen Strümpfe gegen Netzstrümpfe eintauschen und in meine weißen Nike Air Force 1 Sneakers schlüpfen. Und wenn ich es nicht trage – dann hängt es wie ein Kunstwerk am Fenster.

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.