Shopping: Valentinstag

© Franziska Steinle

Dass der Valentinstag vor der Tür steht, erkennen wir an den unzähligen E-Mails, die samt Herzen und Rabattaktionen in unsere Postfächer flattern. Madeleine schildert ihre Sicht der Dinge

Vor einigen Tagen versuchte ich einen Tisch in einem Berliner Restaurant zu reservieren, denn meine Mutter würde anlässlich ihres Geburtstages in der Stadt sein.

Nach vier Anläufen und keiner erfolgreichen Reservierung, stieg meine Verwunderung. Der 14. Februar für drei Personen sollte es doch unbedingt werden. Fragen hilft: Es liegt am Valentinstag, stellte sich heraus. Offensichtlich möchte ganz Berlin diesen Tag romantisch verbringen – nur ich möchte Geburtstag mit Mama feiern, und das zu dritt.

In meiner Welt existiert dieser Tag nicht, da es schon immer ein anderer Tag war, abseits von Pralinen und Rosen und forcierten Dates. Jedoch schätze ich die ambitionierten Appelle an diesen wichtigen Liebestag, die eine amüsante Abwechslung im Postfach sind. Die Pressewelt überschlägt sich mit sehr unschön designten, ungewohnt liebevoll und vor allem sehr generischen E-Mails zum Thema Liebe.

Aber wollen wir mal nicht so streng sein, es ist total nett gemeint (ganz bestimmt). Da gibt es jede Menge Special Editionen von Taschen und Schuhen, Uhren und Kerzen, die mit einem Herz versehen werden. Das Symbol des Tages steht damit fest. Der Farbcode, irgendwo zwischen Rot und Pink auch. Netflix verschickt Vorschläge mit Filmen für einen romantischen Abend: 50 Erste Dates, Dirty Dancing oder Hitch – der Date Doktor dürfen es sein. Ich denke, mein Freund könnte sich keinen schlimmeren Abend mit mir vorstellen.

Für mich neu beobachtet: die 14 % Rabattaktion auf diverse Artikel in diversen Branchen. Und da freue ich mich zum ersten Mal, denn das zeigt, worum es ehrlicherweise geht: ganz viel kaufen. Manchmal überlege ich (ganz selten), ob es nicht schön wäre, den Valentinstag richtig zu zelebrieren mit allem Drum und Dran und was es so geben soll. Jedoch zählt wohl mehr das Marketing, als die zwischenmenschliche Romantik und deswegen frage ich mich das überhaupt (ganz selten).

Für den 14. Februar habe ich am Ende ein Restaurant gefunden. Wir werden Geburtstag feiern, mit ganz viel Liebe.

Madeleine ist Modejournalistin. Für Mode begeistert sie sich, seit sie denken kann – besonders für Kaschmirpullover und Schmuck. Nach fünf Jahren im Moderessort der deutschen Vogue in München beschloss sie, eine neue Herausforderung anzunehmen und nach Berlin zu ziehen. Als Fashion Editor bei hey woman! kann sie ihre Leidenschaften für Styling, Creative Direction und das Schreiben vereinen. Madeleine imitiert gerne Schweizer Akzente und versucht sich als Köchin.

©Phillip Schlegel