Meine Welt: Caroline Ventura

Caroline Ventura hat sich mit dem Label BRVTVS und dem Store Calliope ihre eigene Welt im West Village von New York kreiert

Als gebürtige Kalifornierin lebt und arbeitet Caroline Ventura nun schon seit Jahren in der pulsierenden Metropole New York. Vor Ort hat sie sich einen künstlerischen Kosmos voller schöner Dinge gemeinsam mit ihrem Mann Michael Ventura und Hund Darryl erschaffen. In einer ehemaligen Manufaktur für Schiffssegel aus dem 19. Jahrhundert haben sie sowohl ihre Wohn- als auch Arbeitsräume eingerichtet. Vor dieser inspirierenden Kulisse verkauft und kreiert die Goldschmiedin ihre Designs für ihr Schmucklabel BRVTVS und etablierte dort auch Calliope, ein Geschäft für Interiordesign (benannt nach der griechischen Muse für epische Dichtung, Wissenschaft und Philosophie). Platz hat auch noch die Kreativagentur ihres Mannes.

Für ihre handgefertigten Schmuckstücke verwendet Caroline Ventura überwiegend recycelte Materialien, die sie in feine, minimalistische Preziosen verwandelt. 14-karätiges Gold und kleine Diamanten gehören zu ihrer Signatur. Auf ihrem fein kuratierten Instagram-Account dokumentiert sie auf charmante Art und Weise ihre Reisen (kürzlich erst war sie in Berlin) und ihre Arbeit, lässt uns teilhaben an ihrer wunderschönen Bildwelt, daran, wie es ihrem Hund geht und ob es am Abend Nudelsuppe gibt (die liebt sie).

Im Interview verrät uns die 36-Jährige mehr über ihren Lifestyle, ihr erstes Schmuckstück und Da Vincis Gemälde Salvator Mundi.

Bitte beschreibe deinen Stil in drei Worten.

Unaufdringlich. Gut geschnitten. Bewährt.

Welche ist deine erste modische Erinnerung?

Ich habe früher nicht besonders gern feminine und mit Rüschen besetzte Kleider getragen – ich wollte mich lieber anziehen wie ein Junge. Ich glaube, meine ersten Erinnerungen, die mit Mode zu tun haben, handeln von meiner Mutter und mir, wie wir darüber streiten, ob es angemessen ist oder eher nicht, wenn ich meine Jeans und Sneaker zum Weihnachtsessen bei meiner Großmutter trage.

Welches Lied bringt dich zum Tanzen?

Anything von Sam Cooke.

Wer ist der Held deiner Kindheit?

Huey Lewis (von Huey Lewis and the News). Ich war am Boden zerstört, als meine Eltern zu einem seiner Konzerte gingen und mich nicht mitnahmen. Ich war fünf.

Welches war dein erstes Schmuckstück?

Das erste Schmuckstück, bei dem ich mich wirklich erinnere, dass ich mich darüber gefreut habe, sind ein Paar Amethyst-Ohrstecker in Herzform gewesen. Ich habe sie zum achten oder neunten Geburtstag bekommen. Ich durfte sie mir im Einkaufszentrum aussuchen und habe ein Jahr lang keine anderen Ohrringe als diese getragen.

Welches Schmuckstück oder welche Schmuckstücke trägst du jeden Tag?

Ich habe einen Ketten-Ring, den ich für mich und meinen Mann anlässlich unseres dritten Hochzeitstages gemacht habe – den trage ich zusätzlich zu meinem Ehering jeden Tag. Außerdem habe ich eine simple Kette mit einem schmalen Steg (Necklace I aus meiner Kollektion), die ich niemals ausziehe – sie ist das perfekte Layering-Piece. Dann gibt es noch ein paar Ringe, die ich immer wieder wechsle. Sie sind aus einer Kollektion, die in diesem Jahr rauskommt. Einer der Vorteile daran, Schmuck zu designen, ist, dass man alles erst einmal selbst an- und ausprobieren darf.

Von welchem Designer oder welchen Designern erwartest du Großes?

Eine meiner liebsten Designerinnen momentan ist Shaina Mote. Ihr Label gibt es nun seit ein paar Jahren und die Aufmerksamkeit, die es erlangt hat, ist wohlverdient. Es wird besser und besser. Es gibt auch eine Hut-Linie, die Tio y Tia heißt und bald launcht, darauf freue ich mich sehr. Das Label gehört drei unglaublichen Frauen, die alle ihren eigenen, individuellen kreativen Bestreben folgen (Fotografie, Mode und Beauty), aber sie haben sich zusammengetan, um diese Linie gemeinsam zu kreieren. Sie besteht aus wunderschönen Hüten. Sie sind simpel, aber ihr Design und die Produktion sind gut durchdacht. Außerdem liebe ich eine Marke aus Australien namens Caves Collect. Sie haben fantastische Hosen, die von Menswear inspiriert sind, und einfach eine ziemlich coole, lässige Aura. Die Kleidung dieses Labels geht genau in die modische Richtung, in die ich mich auch bewege, wenn es darum geht, was ich tagtäglich trage.

Was glaubst du, welches Label du von Kopf bis Fuß am liebsten tragen würdest, wenn du Großmutter bist?

Ich wäre gern eine verrückte, alte Lady, die nichts anderes als Dior trägt, aber ich bezweifle, dass das passieren wird. Um mal realistisch zu sein, werde ich vermutlich immer noch alte Hosen tragen, die ich in einem Second Hand Laden gekauft habe, genauso wie die Cardigans meines Ehemanns.

Hast du eine Lieblingsfarbe?

Ich liebe Flieder! Momentan tendiere ich zu Tönen, die unaufdringlich und weich sind, Flieder, Malve, Creme, Camel. Navy ist auch seit Jahren schon einer meiner Favoriten, speziell für Kleidung

Hast du ein Paar Schuhe, das typisch für dich ist?

Ich wechsle zwischen Halbschuhen im eher maskulinen Stil (Anne Thomas oder Dieppo Restrepo sind meine Favoriten) und einem Paar hohen vintage Schnürstiefeln.

Dein Lieblingstier?

Mein Hund Darryl! Er ist so ein Gentleman, der beste Kuschler und Studio-Freund überhaupt. Er ist ein Deutsch Drahthaar, fünf Jahre alt, und ich kann mir mein Leben ohne ihn nicht vorstellen.

Welche drei Dinge stehen ganz oben auf deiner Wunschliste?

Der perfekte Anzug aus Samt (vorzugsweise in navyblau, mit schmalen, hochgeschnittenen Hosen und einer Jacke, die ein wenig oversized ist… bisher war es unmöglich, so eine zu finden), eine Reise nach Italien ins Masseria Morosta und vielleicht ein Schmortopf, um diesen Winter einen großen Eintopf zu kochen.

Der für dich inspirierendste Film?

Wer die Nachtigall stört ist mein absoluter Lieblingsfilm. Letztes Jahr habe ich mir einen kleinen Vogel auf meinen Arm tätowieren lassen, der als Zeichnung auf einem der Cover des Buches war.

Welches sind deine drei liebsten Magazine (egal ob online oder Print)?

World of Interiors und Apartamento, um sich tolle Innenarchitektur und Räume anzuschauen (letzteres gibt es in einer süßen, reisefreundlichen Größe!). Und So It Goes für alle möglichen coolen Dinge rund um Kunst und Mode.

Deine Mode-Ikone?

Joe Strummer. Er hatte die besten Stiefel und Hüte. Und das beste Lächeln. Er ist für immer mein Held.

Dein liebstes Reiseziel?

Hier in der Nähe: Upstate New York. Weit weg: alles innerhalb von Italien.

Das beste Restaurant?

Estela in New York City. Dort gehe ich so gut wie immer hin.

Welches ist dein liebstes Geschäft?

Mein eigener Laden, aber ich liebe auch Alex Eagle in London. Das Geschäft ist so sorgfältig kuratiert und es ist einfach schön, dort Zeit zu verbringen, einfach herumzulaufen und alles anzuschauen. Man findet dort immer irgendetwas Besonderes, das es nirgendwo anders gibt.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich sehe mich, meinen Mann und unseren Hund gemeinsam irgendwo in der Nähe eines Ozeans wohnen, ich mache Kunst und mein Leben hat weniger Geschwindigkeit.

Welche deiner letzten Entdeckungen hat dich völlig verblüfft?

Da Vincis Gemälde Salvator Mundi (es wurde vergangenen Monat bei Christie’s versteigert) hat mich umgehauen. Man dachte, es sei für immer verschwunden und es wurde wiedergefunden, nachdem es bei einer lokalen Auktion gekauft wurde. Das ist, als hätte man einen vergrabenen Schatz entdeckt. Ich bin so froh, dass ich es mir persönlich ansehen konnte, als es im Auktionshaus ausgestellt wurde. Es ist ein unglaubliches Kunstwerk.

Drei Instagram Accounts, die du besonders magst?

  • @annstreetstudio: der Feed einer Fotografin, die früher in New York gelebt hat aber in die Provence gezogen ist. Es ist sehr inspirierend zu sehen, wie sich ihre Arbeit entwickelt hat, seit sie die Stadt verlassen hat. Ihre Instagram Stories, in denen sie ihren kreativen Prozess zeigt, sind ebenfalls sehr cool anzusehen. Und sie liebt Tacos.
  • @mattsurelee: Er erstellt jeden Tag ein Diagramm, das sehr glaubhaft aussieht und immer total witzig ist.
  • @streetview.portraits: der wunderschöne Feed einer Frau, die an Platzangst und Angstzuständen leidet, was sie daran hindert, zu reisen, also schaut sie sich die Welt über Google Street View an. Die Orte, die sie findet, und die Momente, die sie festhält, sind überwältigend.

Caroline’s Zuhause und ihr Store Calliope in New York

Weitere Informationen zum Label BRVTVS gibt es auf der Webseite hier, wer noch mehr über die Welt von Caroline Ventura erfahren möchte, kann ihr auf Instagram (@__carolineventura) folgen.

Übersetzung: Sophia Steube

Madeleine ist Modejournalistin. Für Mode begeistert sie sich, seit sie denken kann – besonders für Kaschmirpullover und Schmuck. Nach fünf Jahren im Moderessort der deutschen Vogue in München beschloss sie, eine neue Herausforderung anzunehmen und nach Berlin zu ziehen. Als Fashion Editor bei hey woman! kann sie ihre Leidenschaften für Styling, Creative Direction und das Schreiben vereinen. Madeleine imitiert gerne Schweizer Akzente und versucht sich als Köchin.

©Phillip Schlegel