Ausstellung: “Items: Is Fashion Modern?“ im MoMA

Das MoMA zeigt zum zweiten Mal in seiner Geschichte eine Ausstellung über Mode im Kontext von Design, Gesellschaft und modernem Leben

Manchmal muss man nicht viele Fragen stellen, sondern nur die richtige: Welche Kleidungsstücke haben die Welt verändert? Eine detaillierte Antwort legt jetzt die Ausstellung Items: Is Fashion Modern? in New York vor. Bis zum 28. Januar 2018 präsentiert das MoMA unter der kuratorischen Leitung von Paola Antonelli und Michelle Millar Fisher 111 ikonische Kleidungsstücke und Accessoires, die das moderne Leben im 20. und 21. Jahrhundert bis heute entscheidend geprägt haben.

 

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Im Falle von Birkin Bag, Lederjacke, dem kleinen Schwarzen, Minirock, Levi’s 501, Hoodie, Baseball Cap oder rotem Lippenstift war es weit mehr als das, sorgten sie doch alle für eine kleine Revolution. Man erinnere sich nur an Yves Saint Laurents Präsentation von Le Smoking im Jahre 1966. Wurde der erste Tuxedo für Frauen anfangs noch mit Begriffen wie „lumpig“ und „angestaubt“ in Verbindung gebracht (Gloria Emerson in The New York Times), wurde er schnell zum zeitlosen Inbegriff von Sexappeal und Eleganz. Doch warum zogen genau diese Objekte mit solchem Nachdruck in unseren Alltag ein? Mode ist und war noch nie ein System, das allein auf Ästhetik und Zeitgeist basiert. Nur wenn Design und Funktionalität perfekt dosiert aufeinandertreffen, im Kontext von Ökonomie, Technologie, Politik und Gesellschaft, kann ein Kleidungsstück zum Meilenstein der (Pop-)Kultur werden. Items setzt sich mit diesem Phänomen auseinander.

 

Der Titel der Ausstellung geht auf die bedeutsame und doch wenig populäre erste Modeausstellung im MoMA Are Clothes Modern? von Bernard Rudofsky zurück. In der Schau betrachtete der Architekt und Kurator im Jahr 1944 den anhaltenden Einfluss modischer, bereits obsoleter Konventionen auf das moderne Leben. Gleichzeitig erkannte Rudofsky Mode erstmals als gleichberechtigte Disziplin innerhalb von Kunst und Design an: „[…] ihre überlegene Ausdruckskraft durch Form, Farbe, Rhythmus – sie muss getragen werden, um lebendig zu sein – ihre intime Beziehung zur eigentlichen Herkunft und dem Maßstab aller ästhetischer Beurteilungen, dem menschlichen Körper, sollte sie zur höchsten Errungenschaft unter den Künsten machen“.

 

Mit dem Wechsel hin zu „Mode“ im Titel der aktuellen Ausstellung knüpfen die Kuratoren nahtlos an diese Wende an. Erfüllte Kleidung zu Anfang des 20. Jahrhunderts in erster Linie noch die funktionale Aufgabe des Kleidens im Kontext von Geschlecht, Klasse und Beruf, ist Mode inzwischen vor allem als Selbstausdruck eine Reaktion auf kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen. So wie Kunst, Design, Musik und Film steht sie im engen Austausch mit ihrer Zeit, die sie abbildet und kommentiert. Mode dient mehr denn je als Identifikationsfläche und symbolisiert dabei immer noch Zugehörigkeit. Kleidungsstücke transportieren ein kollektives Lebensgefühl, Image, ja sogar Charakterzüge und Überzeugungen in einer Zeit zunehmenden Individualismus. Wenn wir unsere Konsumentscheidungen und Kleidungsgewohnheiten hinterfragen, gibt Items Auskunft darüber, warum wir so sind, wie wir sind, und führt uns schließlich zurück zu uns selbst.

“Items: Is Fashion Modern?” wird noch bis zum 28. Januar 2018 im MoMA in New York gezeigt. Auf Medium.com werden weiterführende Artikel rund um das Thema veröffentlicht. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es hier

Mode, Kunst und Pop-Kultur bilden den Kosmos; das geschriebene Wort die Materie, in der sie alles zusammenbringt. Nach ihrem Studium zieht sie 2014 von Leipzig nach Berlin. Dort arbeitet Lola seitdem als PR Consultant und freie Journalistin für Publikationen wie L'Officiel, i-D und Material Magazine.