Women We Love: Maria Koch

Maria Koch ist die Designerin von 032c Apparel. Wir trafen sie auf ein Interview in ihrer Wohnung in Berlin

Die Hyperaktivität von Toastie, der Foxterrier Hündin, die schon während der Begrüßung vor Freude mehrmals mit allen Vieren in die Luft hüpft, dann in Sekundenschnelle durch das Familiendomizil aka ultracooles Loft der Kochs und somit Herzstück der 032c-Gang sprintet, ergänzt sich auf fast magische Weise mit der Ruhe und Besonnenheit von Maria.

Maria Koch gehört zu den wenigen, ganz besonderen Frauen, die sich nicht mit zwei bis drei Adjektiven beschreiben lassen. Für mich ist sie eine wandelnde Kontradiktion.

Anmutig wie eine Königin aus einem Disney-Film erwartet sie uns morgens um 10 Uhr bereits halbfertig mit Make-up von Freundin und Superpro Natalie Franz im Esszimmer, das komplett mit lila Vorwerk-Teppichen bezogen ist. Mit einem mädchenhaften Lachen begrüßt sie uns und erst dann bemerke ich, dass sie eine 032c Apparel Jogginghose mit lauter 80er Grafik trägt. Beim geschätzt vierten Kaffee inklusive Zigarette erzählt sie mir, dass sie heute morgen so entspannt sei, weil Schulferien seien (ihr Sohn liegt leider nebenan krank im Bett) und bis jetzt „nur“ kurz mit dem Hund draußen war und Blumen besorgt hat. Preußische Tugenden nahe des abgerockten Kottbusser Tors im tiefsten Kreuzberg.

So oder vielleicht gerade deshalb ist ihr Look und das, was sie macht, so glaubwürdig und ECHT. Am besten gefiel mir beim Filmen der Moment, in dem Maria erklärt, woher dieser Streetwear-Hype kommt und warum heute zwar jeder modebewusste Mensch einen simplen Hoodie mit ausgesuchter Herkunft und expliziter Aussage tragen möchte, während sie selbst in Seidenbluse und sehr hohen Pumps von Gucci neben mir sitzt. Und alle im Team mussten anfangen zu lachen, weil es einfach zu gut war. Diese Frau ist nicht nur cooler als es die Polizei erlaubt, nein, sie ist unglaublich sympathisch und kann noch dazu über sich selbst lachen.

032c Apparel bringt seit einem Jahr alle sechs Wochen eine neue Capsule Kollektion heraus, die immer wieder erneut in Rekordzeit ausverkauft ist. Diese Teile gibt es direkt vor Ort im Ausstellungsraum der Redaktion, der sich auf dem Gelände der brutalistischen St. Agnes Kirche befindet, online auf der eigenen Seite von 032c und in weltweit 20 ausgewählten Stores, unter anderem bei Broken Arms, Lane Crawford, Selfridges, The Webster und Ssensezu kaufen. Zudem gibt es in unregelmäßigen Abständen Pop-up Shops – die nächste Station ist Seoul.

Mehr Aufschluss über diese #WOMANweLOVE geben diese selektierten O-Töne.

Veronika Heilbrunner: Wenn du ein Wochenende in Italien verbringen wirst, wie viele Koffer hast du dann dabei?

Maria Koch: Ich habe definitiv reduziert, trotzdem habe ich mindestens zwei Koffer dabei. Und auch wahnsinnig viel Kosmetik. Unglaublich viel. Ich nehme zum Beispiel fünf Nagellacke mit, weil ich ja noch nicht weiß, was ich anziehen werde und wie die Location und die Stimmung sein wird und ich möchte dann natürlich immer perfekt ausgestattet sein. Was natürlich nicht immer funktioniert.

Veronika Heilbrunner: Das klingt ganz nach dem klassischen Perfektionisten. Wie wirkt sich das auf den Design-Prozess aus? Verbesserst du oft etwas?

Maria Koch: Da ist es erstaunlicherweise andersrum. Wenn ich mir Gedanken mache, weiß ich immer sofort ganz genau welche Farbe es sein soll. Ich brauche gar keine Tests. Und dann gibt es immer riesige Debatten da drüben (gemeint ist das Büro von 032c, welches 20-Meter-Luftlinie entfernt liegt), wenn wir alle besprechen wie es sein sollte, da einige Leute es immer noch in kleiner oder in größer sehen wollen. Ich kann das schwer nachvollziehen, weil ich genau weiß, wie es aussehen soll. Da bin ich sehr kurz angebunden, strikt und muss gar keine Variante sehen.

Veronika Heilbrunner: Das finde ich beeindruckend. Ich würde mich damit sehr schwer tun.

Maria Koch: Mich ärgert es, wenn die anderen Recht haben, dass das, was ich so nicht nochmal extra sehen wollte, dann die stärkere Version ist. Aber das kommt nicht so oft vor.

Veronika Heilbrunner: Ist die Stadt Berlin für dich eine Inspiration? Oder glaubst du, dass die Plattform 032c und deine Art zu leben auch an einem ganz anderen Ort funktionieren würde?

Maria Koch: Absolut! Der Ort ist egal. Wir leben in Berlin, weil es uns ermöglicht unser Privatleben so mit dem Beruf zu verweben, dass es für uns gut funktioniert. Aber ich könnte mir genauso gut vorstellen, in Los Angeles oder in Frankfurt zu leben. Es sind einfach Städte, die ich aus verschiedenen Gründen mag. Ich brauche Berlin nicht als Identitätsgefühl für mich, aber ich mag es wahnsinnig gern, weil es mir das Set-up bietet, mit dem ich mich sehr gut fühle und weil es eben nicht so wahnsinnig schön ist. Ich könnte zum Beispiel nicht in Paris leben, weil ich dann immer das Gefühl hätte, Sachen enttarnen zu müssen. Also wenn alles so schön ist, dann werde ich bräsig. Ich mag es gerne, wenn ich zwischen Polen hin und her schwingen muss, wenn ich bewusst und aktiv feststellen muss „oh, das ist aber hässlich“ oder „oh, das ist aber grob“. Solche Städte sind für mich zu lauwarm.

Shop the Look:

Weitere Eindrücke und Informationen gibt es auf dem Instagram Account von Maria Koch hier, von 032c hier und auf der Webseite hier.

Fotos:Miriam MARLENE Waldner
Video: Katinka Omir
Haare & Make-up: Natalie Franz von Magic Stripes
PRODUKTIONSASSISTENZ: CATARINA MARQUES TELES

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.