Women We Love: Jenna Lyons von J.Crew

©Collage / Oriane Baud

Zeit für Nostalgie: Nach 26 Jahren wird Creative Director und Modeikone Jenna Lyons J.Crew zum Ende des Jahres verlassen

26 Jahre sind eine lange Zeit, im Leben allgemein und in der Modebranche schon überhaupt. Als dann diese Woche die Meldung veröffentlicht wurde, dass Jenna Lyons nach gefühlt ewiger Zeit J.Crew verlässt, gibt sich das Internet nostalgisch. Und getreu des von Gwyneth Paltrow erfundenen „concious uncouplings“ lassen beide Seiten verlauten, dass alle Beteiligten nach mehr als einem Vierteljahrhundert zusammen, bereit sind, getrennte Wege zu gehen.

 

Jenna gibt den kreativen Stab an Somsack Sikhounmuong ab, der vor zwei Jahren von der Schwesterfirma Madewell ins Unternehmen kam und in der letzten Zeit schon ganz dezent seine eigene Handschrift durchgesetzt hat. Die Symbiose vom neuen Mindset, das die Grundsätze der DNA der Marke beibehält, geht auf. Jenna Lyons genießt Ikonenstatus, weil sie so vieles richtig gemacht hat. Namhafte Moderedakteure/-innen posteten Anfang der Woche wahre Lobgesänge auf die 1969 in Boston geborene Amerikanerin. Angefangen habe es damit, dass sie in einem bodenlangen Ostrichfeder-Rock über den roten Teppich schritt und dazu einen Wollpullover trug gewaltig! Sie definierte den „Preppy Chic“ neu, eine in ihrer heimatlichen Kultur verankerte Art und Weise sich zu kleiden, geprägt von Vorreitern wie Ralph Lauren oder Tommy Hilfiger, die es zu der Zeit nicht schafften, die richtigen Stylisten anzuheuern, die die scheinbar klassischen Einzelteile der Kollektion etwas zugänglicher in Looks zu übersetzen. Der blaue Blazer wurde mit einem orangefarbenen Rundhals-Pullover aus Kaschmir kombiniert, dazu ein grün-weiß gestreifter Bleistift-Rock aus Seide. An die Ohren ein Paar glitzernde Chandeliers. Die Haare im Baby Hair Style leicht antoupiert, einen Hauch Rouge für Frische ins Gesicht fertig war der neu definierte Allrounder, in dem sich eine ganze Generation von weiblicher Kaufkraft wieder fand.

 

Auch im Privaten gab Jenna den Ton an: Eines Tages bekannte sie sich zu der Beziehung ihrer Lebensgefährtin Courtney Crangi, für die sie 2011 ihren Mann und Kind verließ. Und schau an, wie fortschrittlich das damals alles schon war. Eine Frau in Führungsposition, die tut, wonach ihr ist und damit auch noch sehr erfolgreich war. Sehr nett und „cool“ soll sie sein. Bei den Präsentationen zu den New Yorker Modewochen legte sie Wert darauf, immer auch selber anwesend zu sein, inmitten all der Pressevertreter war sie immer ansprechbar und nahm jegliches Kompliment gerne entgegen. Und so definierte keine andere die öffentliche Persona neu, die soviel guten Einfluss auf eine Marke haben konnte.

In den letzten beiden Jahren jedoch sanken die Einnahmen, ein Teil des Teams musste entlassen werden und die Firma war gezwungen, sich dem Jetzt anzupassen. Nur konsequent war es daher, diesen Cut zu machen. Sorgen muss man sich um die Superwoman wahrscheinlich aber nicht, wenn ihr Vertrag Ende 2017 ausläuft und nicht mehr verlängert wird. Ähnlich wie bei Natalie Massenet kann man kaum erwarten, an welcher anderen Stelle sie wieder auftauchen wird.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.