Women We Love: Caroline de Maigret

©Lina Zangers

Caroline de Maigret ist Musikproduzentin, Model und Autorin des Kultbuchs How to Be Parisian Wherever You Are. Wir haben sie zum Interview getroffen

Wer liebt sie nicht, die richtig guten Geschichtenerzähler dieser Erde? Caroline de Maigret, so viel ist klar, zählt definitiv zu ihnen, denn sie bringt einfach jeden zum Lachen. Ganz egal, ob man die Gelegenheit hat, sie persönlich auf ein Gespräch zu treffen (so wie ich, was unbedingt zu empfehlen ist), ihr bei einem Vortrag zuhören darf, sich bei ihrem “unregelmäßigen Newsletter” angemeldet hat oder ihr einfach nur auf Instagram folgt.

Ich habe tatsächlich eine meiner kostbaren Interviewfragen darauf verschwendet (möchte man sagen), sie danach zu fragen, wo um Himmels Willen sie dieses oder jenes Teil gefunden hat. Ihre Antwort bestand aus diesem wundervollen, lauthalsen Lachen, bei dem sie natürlich auch ihre Haare schwungvoll zurückwirft, und das einen komplett vergessen lässt, dass man gerade noch eine Mission hatte – in diesem Fall war das, sehr gute, noch nie dagewesene Statements von ihr zu erhalten… was natürlich auch vollends gelungen ist.  

Caroline de Maigret & Veronika Heilbrunner / ©Lina Zangers

Caroline de Maigret – das wäre definitiv meine Antwort, wenn im Jahrbuch die Frage käme, welche Person ich gern wäre. Denn abgesehen davon, dass sie super gut aussieht und diese unfassbar lässige “je ne sais quoi”- Attitüde hat, führt sie ihr eigenes Musiklabel, arbeitet als Musikproduzentin, hat das Buch How to Be Parisian Wherever You Are: Love, Style, and Bad Habits verfasst (das sie schlagartig zur Kultautorin machte) und on top ist sie auch noch Fotografin.

Als würde dies nicht schon genug sein, arbeitet sie seit Jahren mit Chanel zusammen – bereits 1998 ist sie für Karl Lagerfeld und seine Frühjahr / Sommer Show in der Opéra Bastille gelaufen. Caroline de Maigret ist mehr als nur ein Gesicht  – sie ist Sprecherin und Markenbotschafterin bzw. Ambassador für Chanel, und ich liebe einfach nur, wie sie ihren wunderbaren Humor in diese renommierte, prestigeträchtige Position miteinbringt.

Das erklärt auch unsere Aufregung – und hier spreche ich für das gesamte hey woman! Team – als Caroline unsere Einladung für das Chanel Gabrielle Bag Launch Dinner im Soho House Berlin angenommen hat. Und wie groß war erst die Freude, dass sie auch für den Talk, der zuvor stattfinden sollte, zusagte. Alle Nervosität, die mich wegen des Interviews beschlich, verschwand augenblicklich – denn neben Caroline de Maigret gibt es einfach nicht diese merkwürdigen, unangenehmen Momente der Stille.

Die wunderbaren Dinge, die ich von dieser charmanten Frau, unserer #WOMANweLOVE, erfahren habe, möchte ich natürlich nicht für mich behalten, sondern mit Euch teilen. Also los geht’s.

Caroline de Maigret / ©Lina Zangers

Wie sieht eine Stilikone, die für ihren ziemlich entspannten Look bekannt ist, eigentlich “nach der Arbeit” aus?

Caroline de Maigret: Ich sehe dann noch exakt genauso aus wie jetzt. Ich mag es simpel. Das bin wirklich ich. Der öffentliche und private Mensch sind bei mir dieselbe Person.

Gibt es ein Kleidungsstück, das Dich an einem schlechten Tag so richtig aufbaut?

CdM: Ich habe immer ein starkes Teil, das meinen Look cooler wirken lässt und das vielleicht auch ein wenig interessanter ist, statt nur lässig und entspannt zu wirken. Das hilft übrigens, um gegen den faulen Menschen in mir anzukämpfen.

Wie sieht ein normaler Tag in Deinem Leben aus?

CdM: Die Sache ist die, gerade schreibe ich an meinem neuen Buch. Dementsprechend bin ich derzeit nicht auf Fotoshoots, und wenn ich nicht gerade schreibe, verbringe ich die Zeit mit meinem Sohn, oder natürlich mit meinem Freund.

Ich wache morgens richtig früh auf, für mich jedenfalls früh, und zwar um 7:15 Uhr und bringe mein Kind zur Schule. Zuerst beantworte ich meine E-Mails und beginne dann zu schreiben. Ich mache als Kreativdirektorin viele Videos, parallel zum Schreiben. Und all das mache ich am liebsten am Morgen, weil ich dann ziemlich fokussiert arbeite. Der Kopf ist einfach offen für alles.

Mittags habe ich meist ein Geschäftsessen – oder ich treffe meine Freunde zum Lunch. So sehe ich sie auch am häufigsten. Denn abends oder nachts, wenn ich nicht gerade auswärts arbeite, bin ich immer zuhause bei meiner Familie. Ich finde es hart, in den Abendstunden mein Zuhause, meine Familie zu verlassen. Am späten Nachmittag produziere ich viel Musik. Ich arbeite also ziemlich viel.

Stimmt, das hört sich so an, als würdest Du viel arbeiten.

CdM: Ja, aber ich mache nur Sachen, die Spaß machen.

Du scheinst Deine Hobbys zum Beruf gemacht zu haben, was natürlich fantastisch ist. Darfst Du schon über Dein neues Buch sprechen?

CdM: Es geht nicht um die Frauen von Paris oder das, was ‘Parisian’ ist (lacht laut… natürlich!). Es geht immer noch um mich, aber auf eine viel intimere Art und es ist eher… hm, ich darf noch nicht wirklich etwas zum Konzept sagen, aber es geht um Frauen.

Schreibst Du Tagebuch oder wie erinnerst Du Dich am besten?

CdM: Nun, ich horche tief in mich hinein, denke an Situationen und an die Momente, in denen ich mich wie eine Verrückte aufführe und wofür ich mich später selbst auslache. Ich bin wirklich durchgeknallt, und ich erinnere mich an diese Situationen, erzähle sie meinen Freunden, und dann bleiben sie auch wirklich im Gedächtnis haften. Und wie ich mich in diesen Momenten gefühlt habe und auch, wie ich diese Geschichten nacherzähle – das ist, was eben irgendwie hängen bleibt, und dieses Gefühl, diese Art des Erinnerns, möchte ich auch im Buch transportieren. Offenbar ist also für mich der wichtige Schritt vorm Schreiben, erstmal meinen Freunden die Geschichten zu erzählen.

Was würdest Du sagen, war der wichtigste Schritt in Deiner Karriere, der Dich dahin gebracht hat, wo Du heute bist?

CdM: Ich weiß, dass ich aus vielerlei Gründen hier sitze. Eines ist aber ganz sicher: Ich hätte niemals den Ansprüchen gerecht werden können oder in diese Schablone gepasst, wie die Models Mitte der 1990er Jahre auszusehen hatten. Das waren einfach perfekte Mädchen. Ich aber liebe das Essen zu sehr und ich hasse es, ins Fitnessstudio zu gehen. Und das ist auch, glaube ich, die simple Erklärung.

Am Anfang arbeitet man natürlich noch nicht so viel und dann begann damals in Europa die Wirtschaftskrise – oder viel mehr war das Teil einer weltweiten Entwicklung – und die Leute waren plötzlich auf der Suche nach echten Geschichten, sie suchten nach echten Menschen – und da stand ich. Die Leute sagten: “Oh, wow, diese Frau führt ein richtiges Leben, sie ist Musikproduzentin und Model, usw. Die hat etwas zu sagen.”

Ich denke, die Menschen hatten damals das große Bedürfnis nach Herzlichkeit, nach Aufrichtigkeit, und das war das sozusagen für mich der Moment der Stunde. Und ich glaube, ein wichtiger Aspekt ist auch, dass ich absolut mit mir im Reinen bin, mich absolut okay fühle inklusive all meiner vermeintlichen Makel und Unzulänglichkeiten.

Du wirkst sehr authentisch und das macht Dich noch schöner.

CdM: Ich glaube, es ist ein beruhigendes Gefühl, wenn man jemanden sieht, der erfolgreich ist trotz Augenringen, oder was auch immer. Andere Frauen fühlen sich dadurch ebenfalls besser.

Wie gehst Du insgesamt mit dem Erfolg um?

CdM: Wichtig ist, dass ich keine Person des normalen öffentlichen Lebens werden möchte, weshalb ich mich zum Beispiel weigere, Fernsehen zu machen. Instagram ist okay, und ich gebe auch Interviews für diverse Modeformate, aber man sieht mich ansonsten nicht im Fernsehen. Ich weigere mich auch, in super bekannten Magazinen aufzutauchen.

Ich bin nicht daran interessiert, berühmt zu werden. Ich möchte gern Erfolg haben mit dem, was ich mache und ich möchte die Möglichkeit haben, das zu tun, worauf ich Lust habe – und das ist das Schöne, das der Erfolg mit sich bringt. Das ist wirklich die größte Freude daran! Ich genieße das sehr, ich liebe es. Ich habe Freunde, die sehr berühmt sind, und ich hätte so absolut gar keine Lust, mit ihnen zu tauschen. Es ist nichts, was ich auch nur irgendwie attraktiv fände.

Wie hältst Du es mit Social Media?

CdM: Ich benutze Social Media, um Geschichten zu erzählen. Es sind meine eigenen Worte und keiner kann die irgendwie verdrehen. Wenn ich etwas poste, ist es genau das, was ich sagen will. Was Du aber nicht weißt, ist, wie mein Sohn aussieht. Oder mit wem ich gerade zu Abend esse, usw. Du weißt immer, wo ich bin – in welchem Land, in welcher Stadt. Und ich liebe es, meine Fotos von einem besonderen Ort, einer Ausstellung oder einem Event, zu dem ich gehe, zu teilen. Aber nicht den privaten Rest, sozusagen.

Und jetzt ein paar Fragen, um unser Interview mit dieser sprachgewandten Frau zum Ende zu führen. ;-)

Liest du viele Bücher?

CdM: Ja. Viele! (Anm. d. Red.: Auf dem Beistelltisch liegt das Buch von Haruki Murakami: Über Männer, die keine Frauen haben, und zwar auf französisch.)

Dein Lieblingslied?

CdM: Ann Wants to Dance von Papooz

Wer ist Deine Stilikone?

CdM: Charlotte Rampling. Sie spielt wirklich gut mit dem Paradox von Weiblich und Männlich, ist aber gleichzeitig auch sehr elegant und chic. Ihre Persönlichkeit bleibt klar erkennbar und das ist es auch, was mir daran so gut gefällt, wenn der Stil nicht die Persönlichkeit übertüncht.

Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?

CdM: Das wäre nicht wirklich ich, diese Frage zu beantworten. Ich plane nicht.

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Weitere Inspirationen gibt es auf Caroline de Maigrets Instagram Account (@carolinedemaigret) hier oder auf der eigenen Webseite CdMDiary hier.

Übersetzung: Nella Beljan

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.