Shopping: Cord

Alle Jahre wieder taucht Cord auf unserem Moderadar auf. Fashion Editor Madeleine hat die schönsten Teile und Looks ausgesucht

Mein Großvater Robert hatte eine Cordhose. Er trug sie gerne am Wochenende und war sehr zufrieden damit. Cordhosen gingen nie kaputt und wären was für kleine Jungs, erzählte er mir. Mit dem Hintergrund, dass ich damals gerne einer sein wollte, erschien es mir logisch auch eine zu brauchen. Ich musste warten. Meine Mutter fand es unmodisch. Jahre später und erst als Teenager sollte ich eine bekommen, als verkündet wurde, es sei nun Trend. Meine war von Eddie Pen und ich war schrecklich cool. Dann kamen Schlaghosen und mein Cordmodell musste ganz schnell weg.

Und jetzt, da ist es wieder soweit. Miuccia Prada hat Cord früh gefühlt. Bereits während des Winter Defilees der Männer, wo auch Damen für die Pre-Fall Kollektion mitliefen, war ungefähr jeder zweite Look mit dem Längsrippen-Gewebe versehen. Wenig später, während der Frauenschauen für Winter 2017/2018, präsentierte Marc Jacobs den wohl lässigsten Anzug in burgunder, Y/Project ließ mich über einen Mantel aus Cord nachdenken (soll ich?) und das Hosenmodell von Margaret Howell ist so gut wie meins. Mango und &Other Stories haben den Wink verstanden und ziehen nach.

Cord, das trägt man jetzt oder später, man trug es aber auch früher. Denn dieses Spiel geht schon lange. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Stoff von Adeligen während sportlicher Aktivitäten geschätzt. In Manchester wurden dann im Laufe des 18. Jahrhunderts mithilfe von Webstühlen große Mengen Cord produziert. Der Stoff war nun plötzlich massenhaft verfügbar – und günstig. So verlor das Gewebe an Glamour und fand seinen Weg in die Arbeiterschicht und -bekleidung. Manchesterhose, das sollte ihr Name für viele Jahre sein. Vergessen war die edle Herkunft des Wortes, das sich von „corde du roi“ beziehungsweise „cord of the king“ ableiten lässt.

 

Dann endlich wurde der Staub abgeklopft. Ab dem 19. Jahrhundert ging der langlebige und robuste Stoff mit der Pariser Bohème wieder in den Salon. Nun ja, und später wurde Cord von vielen ausprobiert: Hippies, Anarchisten, Politikern.

Von Zeit zu Zeit dürfen wir also immer mal wieder in die Cordhose schlüpfen – und diesen Winter auf jeden Fall. Wer die Cordhose nicht mag, für den bieten sich alternativ auch eine Cordjacke, ein Cordrock, eine Cordmütze sowie Cordshorts, Cordschuhe und so weiter an. Die Auswahl ist groß. Es würde Großvater Robert gefallen.

Runway Bilder: Vogue.com

Madeleine ist Modejournalistin. Für Mode begeistert sie sich, seit sie denken kann – besonders für Kaschmirpullover und Schmuck. Nach fünf Jahren im Moderessort der deutschen Vogue in München beschloss sie, eine neue Herausforderung anzunehmen und nach Berlin zu ziehen. Als Fashion Editor bei hey woman! kann sie ihre Leidenschaften für Styling, Creative Direction und das Schreiben vereinen. Madeleine imitiert gerne Schweizer Akzente und versucht sich als Köchin.

©Phillip Schlegel