Shop the Look: Rot

Die Farbe Rot kann auf viele verschiedene Weisen gedeutet werden, ein Outfit jedenfalls wird mit ihr immer zum Hingucker

Fast jeden Morgen startet es wieder aufs Neue, mein altes Spiel: Welche Blautöne aus meinem unerschöpflichen Fundus an blauen Klamotten lassen sich wohl am besten kombinieren? Ein sicheres Geschäft, denn ich bin mir bewusst, dass mir Blau steht und wenig Risiko darin besteht, es hier und da mal mit schwarz, beige, grau oder wollweiß aufzubrechen. Und da liegt der Hund begraben, denn (memo to self) sichere Geschäfte sind herrlich, stets zielführend, aber auch oftmals irrsinnig langweilig!

Umso erstaunter war ich von mir selbst, als ich dieses Jahr bei gleich zwei Anlässen schnurstracks zum roten Total-Look griff, mich auch in die Daunenjacke und den Kaschmir-Pullover von Closed verliebte und im Zuge dessen nicht drum herumkam, mir selbst, ob dieses geglückten Experiments im Geiste anerkennend auf die Schulter zu klopfen. Denn im Grunde geht es hier ja um das größere Ganze, aka sich aus der eigenen Komfortzone herauszubewegen. Rot ist auffallend, gar alarmierend und trägt überhaupt nicht dazu bei, unbemerkt zu bleiben.

Das menschliche Auge reagiert, ganz im Gegensatz zu anderen Lebewesen, äußerst sensibel auf die Farbe Rot, die oftmals mit Gefahr assoziiert und auf Warnsignalen eingesetzt wird. In besonderen Reizsituationen “sieht man rot”. Zum anderen steht Rot aber auch für den genauen Gegensatz: Liebe, Wärme und als Farbe des Bluts für das Leben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir uns immer wieder in den roten Haaren von Botticellis Venus verlieren, Thomas Mann mit der Farbe in Tod in Venedig jongliert, wir von roten Lippen angezogen werden und den “roten Faden” als Metapher für Stabilität in unseren Sprachgebrauch aufgenommen haben.