Selfmade Experts: Nazifa Movsumova über Modern Society

Nazifa Movsumova ist die Inhaberin von Modern Society in London. Im Interview spricht sie über den angesagten Concept Store und ihren persönlichen Werdegang

London ist ein Nährboden für kreative Konzepte, Geschäfte und Unternehmen. Doch die Kunst, sich dauerhaft durchzusetzen, beherrscht nicht jeder. Nazifa Movsumova (35) ist dies mit ihrem Concept Store Modern Society gelungen, der im Stadtteil Shoreditch zu finden ist.

Seit 2015 führt sie mit ihrem Team das Geschäft mit einer fein kuratierten Auswahl an Mode, Accessoires und Dekor sowie einem damit verbundenen Café. Durch einen unternehmerischen und ganzheitlichen Anspruch mit jeder Menge Feinsinn gehört Modern Society zu den Geheimtipps unter den Londoner Boutiquen. Regelmäßig stellen in den Räumlichkeiten auch Künstler ihre Werke aus, so wie die in Berlin ansässige Kreative Sarah Illenberger, die kürzlich erst ihre Fotografien dort zeigte.

Im Sommer 2016 wurde das gleichnamige Inhouse-Label ins Leben gerufen, dass sich abseits von Saisons weiterentwickelt und sich über ein Unisex-Konzept definiert. Kollaborationen mit anderen Labels gehören mit zum Konzept von Modern Society – so wie die jüngste Zusammenarbeit mit dem Schmucklabel Alighieri. Denn der stetige Austausch mit anderen Kreativen ist etwas was Nazifa Movsumova liebt und sie immer motiviert hat. Sie selbst ist erst über Umwege wie Investment Banking, Jura, Kunst und einen Job als Analystin im Luxusmarkt in der Modebranche angekommen. Heute finden sich in ihrem Concept Store aufstrebende Labels wie Rejina Pyo, Re/Done oder Schmuckdesignerin Anissa Kermiche, doch auch Besonderes wie japanisches Porzellan von Hasami oder feine Pyjamas von Desmond & Dempsey und das bulgarische Schuhlabel By Far.

Wir durften der Selfmade-Modeunternehmerin Nazifa Movsumova einige Fragen stellen.

Aktuelles Modern Society Lookbook mit Model Polina Sova fotografiert von Juliette Cassidy

Erinnerst du dich daran, wann du zum ersten Mal die Idee für dein Unternehmen hattest?

Die Idee zu Modern Society ist nicht über Nacht geboren, sie hat sich langsam und organisch entwickelt. Ich wollte schon immer irgendwann ein eigenes Unternehmen führen, also habe ich in meinen 20ern verschiedene Laufbahnen eingeschlagen, um die Richtung zu finden, die ich mit meinem Start-up einschlagen möchte. Die Idee, den Flagship Store von Modern Society in der Redchurch Street zu eröffnen, entstand nachdem ich zwei Jahre lang Pop-up Stores veranstaltet hatte.

Gab es einen bestimmten Moment, der dich hat realisieren lassen, dass du jetzt deinen eigenen Weg gehen willst (und deinen bisherigen Job kündigen möchtest)?

Ich bin keine impulsive Person, wenn es um meine Arbeit geht. Die meisten meiner Entscheidungen sind sehr rational und logisch, Modern Society war sehr gut durchdacht. Ich neige dazu, gründlich über jegliche Zweifel nachzudenken und Lösungen auszuarbeiten, bevor ich mich an etwas heranwage.

Mit welchen Herausforderungen hast du gerechnet? Und wie bist du mit ihnen umgegangen?

Das wichtigste war, in einer Stadt wie London den richtigen Ort zu finden, und unser Store in der Redchurch Street ist damals gerade genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Mein Vermieter war sehr gütig, von Anfang an eine aufstrebende Marke zu glauben und mir den Zuschlag zu geben. Diese Kombination war fast magisch und hat mich so gut wie keinen Stress gekostet. Aus dem Nichts eine Marke und ein Team aufzubauen – das waren definitiv die größten Hürden, die viele Überlegungen erforderten. Diese Themen beschäftigen mich auch jetzt noch täglich während mein Unternehmen wächst. Ich tendiere dazu, relativ realistisch zu sein, was meine Stärken und Schwächen angeht, also baue ich mein Team auf der Grundlage auf, was sie besser können als ich. Wir ergänzen uns perfekt. Ich hatte großes Glück, ein Team zu finden, das genauso für die Marke brennt wie ich, was ausschlaggebend dafür war, Modern Society dorthin zu bringen, wo wir heute stehen.

Welchen Moment im Laufe der vergangenen Jahre hast du bisher am meisten geschätzt?

Mein Tag ist perfekt, wenn ich Leute sehe, die den Laden betreten und die Atmosphäre von Modern Society genießen. Das ist ein kostbares Gefühl.

Konntest du dich an jemand bestimmtes wenden, während du an dem Konzept für Modern Society gearbeitet hast oder hat dich jemand dabei positiv beeinflusst?

Ich habe ein sehr enges Verhältnis zu meiner Familie, also wende ich mich immer an sie, wenn ich Inspiration oder einen Rat brauche. Im Allgemeinen lasse ich mich jedoch immer von den Leuten inspirieren, mit denen ich arbeite – sei es ihre Arbeitsethik, ihr Mut, ihre Intelligenz, ihre Vision, ihre Kreativität oder ihr Humor. Ich bin definitiv jemand, der das Glas als halb voll ansieht, statt als halb leer, deshalb sehe ich Musen in allen Personen, die mich umgeben.

Bist du gut darin, um Hilfe zu bitten? Und an wen wendest du dich dann?

In London gibt es eine große kreative Community, in der man immer einen Ansprechpartner findet. Ich liebe es, um Hilfe zu bitten, Ideen einzuleiten und auch selbst Ratschläge anzubieten. Seit ich mein eigenes Unternehmen gegründet habe, habe ich unglaublich viele Menschen getroffen, mit denen ich an verschiedenen Projekten arbeite oder bei denen ich hoffe, in Zukunft mit ihnen arbeiten zu können, sobald sie richtigen Ideen da sind.

Welche Rolle spielt Instagram für dein Unternehmen?

Instagram ist heutzutage essenziell, um den Einzelhandel voranzutreiben. Es ist eine großartige Plattform, um neue Marken zu finden und ein Mittel unsere Reichweite auszubauen. Außerdem betritt Instagram nun eine ganz neue, aufregende Dimension, in der man Produkte sofort kaufen kann. Das wird ein ganz neues Kapitel in Hinsicht darauf sein, wie Einzelhandel funktioniert.

Wo soll dein Unternehmen in fünf Jahren sein?

Es gibt eine Menge Möglichkeiten für eine Expansion, sei es der internationale Markt, unser eigenes Label oder online. Ich kann nicht sicher sagen, wo Modern Society in fünf Jahren sein wird, aber ich liebe auch die Überraschungen, die auf einen zukommen, wenn man ein Unternehmen aufzieht. Ich sage “Ja” zu den Dingen, die sich richtig anfühlen und finanziell Sinn ergeben. Davon abgesehen wird die Marke organisch wachsen. Ich möchte sie nicht einschränken, indem ich auch nur eine einzige Richtung vorgebe.

Wer mehr über Modern Society erfahren möchte, kann auf der Webseite hier oder auf Instagram (@modern_society_london) vorbeischauen.

Modern Society
33 Redchurch St
London, E2 7DJ

Madeleine ist Modejournalistin. Für Mode begeistert sie sich, seit sie denken kann – besonders für Kaschmirpullover und Schmuck. Nach fünf Jahren im Moderessort der deutschen Vogue in München beschloss sie, eine neue Herausforderung anzunehmen und nach Berlin zu ziehen. Als Fashion Editor bei hey woman! kann sie ihre Leidenschaften für Styling, Creative Direction und das Schreiben vereinen. Madeleine imitiert gerne Schweizer Akzente und versucht sich als Köchin.

©Phillip Schlegel