Rückblick: New York Fashion Week Herbst / Winter 2017

©Collage / Oriane Baud

Die New York Fashion Week Fall / Winter 2017 ist vorbei und Veronika Heilbrunner blickt zurück auf die besten Momente bei Calvin Klein, Marc Jacobs und The Row

Zugegebenermaßen, verpassten die aktuellen politischen Entwicklungen meiner üblichen „New York: new year, new season, new everything“ Aufregung einen kleinen Dämpfer. Nichtsdestotrotz, hatte ich große Erwartungen im Hinblick auf die Möglichkeiten der Mode, drängende Themen stark zu machen. Darum kam es mir auch nicht in den Sinn, Schauen zu meiden. Vielmehr wollte ich den amerikanischen Modemachern, den Big Players und den Jungdesignern gleichermaßen, meine volle Unterstützung beipflichten.

Als ich Daniel Marks Anfrage erhielt während der NYFW bei der einmonatigen #TiedTogether Aktion von BoF mitzumachen, wurde ich nochmals darin bestätigt, dass wir in einer Branche der Träume und der Kreativität arbeiten, doch haben wir es auch mit einer sehr mächtigen Industrie zu tun. Und so wollte auch ich, ausgestattet mit einem weißen Bandana, meinen Support zeigen.

In diesem Augenblick begann meine Suche nach dem weißen Bandana – leider ohne Erfolg, da ich einen Großteil der Zeit im Flieger verbrachte. Glücklicherweise war das hey woman! Team in Berlin erfolgreich, und als ich schließlich in meinem Hotel ankam und die Calvin Klein Einladung öffnete, steckte darin ein wunderschönes Bandana, in schneeweiß und noch dazu extra-large (denn schließlich befand ich mich in den USA). Doch damit hörte die Fashion-Glückssträhne nicht auf, lest selbst:

Most talked about: Calvin Klein

Unter uns, der Hauptgrund weshalb ich diese Saison nach New York gereist bin, war Raf Simons Debüt bei Calvin Klein. Das Wetter hielt die Stadt auf Trab und kam mit perfektem Timing pünktlich zur Fashionweek. Zum Glück verlief dennoch alles reibungslos. Die Erwartungen waren hoch und noch dazu versprachen die kürzlich veröffentlichten Kampagnenmotive eine wunderschöne Schau. Mein absoluter Favorit war Abbey Lee, in eine US-Flagge gehüllt. Ein Sterling Ruby Kunstwerk bildete die Kulisse, und dazu hatte ich den perfekten Sitzplatz mit Blick auf die wunderbare Abbey ergattert – Besser ging es nicht.

Rafs Frontrow war eine umwerfende Kombination aus cool und klassisch: von Brooke Shields (die aufgeregt feststellte, dass ihr Gesicht auf den Denim Labels platziert war – danke für diese Insider-Information, Laura Brown!) bis hin zu Asap Rocky, Sofia Coppola, Gwyneth Paltrow, Julianne Moore, Lauren Hutton und Stranger Things Schauspieltalent Millie Bobby Brown, um nur einige Namen zu nennen. Eine Freundin schrieb mir im Nachhinein, dass sie in einer Instagram Story sogar Tom Ford unter den Gästen ausmachen konnte…

 

Wie zu erwarten waren die Looks, durch und durch Raf Simons. Es dürfte also niemanden verwundern, dass ich mich Hals über Kopf in alle Men’s Looks verliebte. Insbesondere die robusten Cowboy Stiefel in braun mit silberner Spitze haben mich umgehauen. Ebenso die „Denim meets schwarzes Leder“ Looks, die an Robert Mapplethorpes Stil erinnerten – nur stimmig, zumal die Arbeiten des Fotografen schon in vergangenen Tagen zu Rafs großen Inspirationsquellen zählten.

Erwähnte ich bereits, dass auch die Musik großartig war? Mein Lieblingssong war natürlich This Is Not America von David Bowie. Ich war ganz begeistert von Rafs Interpretation des “all-American” Stils von Calvin Klein – und das vor allem in diesen verrückten Tagen.

Lieblingslook: Marc Jacobs

Aus persönlichen Gründen (sprich: Hochzeiten finden nur einmal im Leben statt – hoffentlich!), musste ich für die letzten Schauen aussetzen. Da Jacobs bekannt dafür ist die NYFW immer ein überraschendes Ende zu verleihen, stellte es für mich offensichtlich eine modische Tragödie dar seine Show zu verpassen. Doch als die ersten Bilder in meinen Feed rollten (Gott sei Dank gibt es das Internet!) besserte sich meine Stimmung schlagartig und ich kam kaum mehr heraus aus dem Grinsen: Retro 70s Ghetto Looks in ausgewaschenen Farben mit Fake Fur Kragen, Hoodies, Glitzerkleider und einer großen Portion Kord.

Der Künstler Urs Fischer designte den Goldschmuck, den auch Marc trug, als er sich am Ende der Schau verbeugte. Und um den weisen Tim Blanks und seinen BoF-Artikel über den Social Media Ban und die ungewöhnlich minimalistische Ausrichtung der Show zu zitieren: „[…] vielleicht sollte es uns daran erinnern, dass Hip Hop von Kids kam, die gar nichts hatten, doch ihr Schicksal auf geniale Weise selbst in die Hand nahmen – der beständigen Gleichgültigkeit der weißen Mehrheitsgesellschaft zum Trotz. Und nun passiert es wieder“.

Lieblingsshow: The Row

Eine der wenigen Shows die mich immer daran erinnert, weshalb ich überhaupt anfing in der Fashion Branche zu arbeiten. Mary-Kate und Ashley Olsens unglaubliches Talent – Kleidung bis zum Anschlag zu reduzieren – ist einfach faszinierend und schlägt zu Recht maximal große Wellen in der Modelandschaft. Imme wieder.

Dieses Mal fand die Schau in schicken Räumlichkeiten in Manhattan’s Spring Street statt. Den ankommenden Gästen wurde amerikanischer Kaffee serviert und auf den Sitzplätzen stand, verpackt in schwarzem Leinenstoff, ein wunderbares Frühstück bereit. Wenn man mich fragt, die perfekte Grundlage für die klassischen (und dafür umso tolleren) Schnitte und Materialien in der bekannten signature Farbpalette: dunkel und neutral, dazwischen einige Weißtöne (die weiße Robe an Giedre war besonders umwerfend!) und ein intensiver Look in rot.

Dieses Mal gab es keinerlei Taschen zu bestaunen, doch ich konnte mich an super coolen Stiefeln nicht sattsehen. Der dunkle 90s Country Soundtrack, machte die Szenerie perfekt und gab dem Ganzen eine verruchte Note. Wer würde nach einer solchen Show keine #therowwoman sein wollen?

Allover Social Media: Yeezy

Eine weitere Show, die ich aus bereits genannten Grünen verpasste. Allerdings, in diesem Fall kein großes Problem. Denn auf dem Weg zum Flughafen – und sogar bis das Boarding beendet war – sah ich zahlreiche Fotos vom Laufsteg: vielfach und aus allen möglichen Winkeln, dazu eine ganze Menge Backstage-Materlia. Genau wie man es von einer Kollektion von Kanye West erwarten würde.

Was ich nicht erwartet hatte, war die große Wirkung, die diese Bilder auf mich hatten. Bereits seit dem Yeezy Season One Debüt bewunderte ich die bestens kuratierten Streetstyle Looks, doch dieses mal haute es mich wirklich vom Hocker. Die Coolness und Einfachheit der Looks waren eine Sache, doch auch die unangestrengte Erscheinung der gut durchdachten Kombination sogenannter Basics gab dem Ganzen eine besondere Note. Für das hey woman! Team bitte sechs mal den ersten Look – unsere neue Uniform!

Ein weiteres Highlight der Show: die berühmten drei Streifen des Adidas Logos und die kursiven Prints von Worten wie “Calabasas” oder “Lost Hills” (ganz besonders cool an Lauryn Hills Tochter Selah Marley), die für „street credibility“ und 90er Vibes sorgten. Und natürlich das wunderhübsche Mädchen, das ihr eigenes Hijab-Kopftuch trug während sie einen übergroßen Fake Fur Mantel präsentierte!

Lieblingsort: Sies Marjan

Das Hilton Hotel in Midtown ist sicherlich nicht der Ort an dem man eine Modenschau erwarten würde. Vor allem nicht, wenn es jemandes heißbegehrte dritte Show ist und man einen Teil der vielen Aufmerksamkeit dem tollen Gespür für den perfekten Show Space zu verdanken hat. Nachdem die beiden vorherigen Schauen in einem Wall Street Loft und einer Bibliothek stattfanden, entschied man sich nun für einen überraschend schönen Ballsaal im besagten Hotel. Das ganze erinnerte an eine riesengroße Ladurée Box, mit dem Unterschied, dass interessante und übergroße Belüftungsdrüsen die Decke des Raumes zierten.

Offensichtlich genau die Art von Kontrast, die der Designer Sander Lak zu schätzen weiß. Und ich ebenfalls! „Billig“ aussehende Stoffe wie Lurex und Glitter trafen auf farbintensiven Satin, das kunstvoll geschnitten und zu schönen Stoff-Skulpturen drapiert wurde, um in diesen die dynamische Schönheit zu entfalten – dazu die Kombination mit Schuhen, deren Sohlen so chunky waren, dass die Models darin kaum laufen konnten. Er hat diese Saison wirklich selbst übertroffen!

Lieblingscocktail: Edie Parker

Gemeinsam mit den System girls (aka power-duo Elizabeth von Guttman und Alexia Niedzielski), lud die wunderbare Designerin Brett Heyman dazu ein ihre Taschenkollektion in einer losgelösteren Kulisse zu bestaunen – und zwar in dem Penthouse auf dem Plaza Athénée, mit Blick auf den Sternenhimmel über Manhattan und dem Central Park. Das die Getränke und Snacks genauso vorzüglich waren wie die in der Schau vorgestellten Accessoires versteht sich von selbst. Ich verliebte mich ein wenig in die klassische Edie Parker Box Clutch, in schwarz, mit der metallic roten Aufschrift “yoga” in Metallica Font.

Lieblingsdinner: Zimmermann

Ich war gerade inmitten des New York Blizzards angekommen (mit einer Verspätung von nur zwei Stunden), als ich mit dem Who is Who der Stadt (und einigen hochkarätigen Gästen aus Australien) an einer Dinnerparty in intimer Runde teilnahm. Nicky Zimmermann lud uns in die privaten Räumlichkeiten über dem gemütlichen italienischen Restaurant, namens Casa Apicii, ein. Was sich anhört wie ein ziemlicher Kulturschock, erwies sich als meine schönste Nacht während der NYFW.

Lieblingspräsentation: Diane von Furstenberg

Jonathan Saunders präsentierte seine zweite Kollektion für das Label in den coolen Räumlichkeiten einer Galerie – und dieses Mal war wirklich etwas los. Ich war begeistert von seinem Farbspiel, den Proportionen, Motiven und Fellen (allesamt fake). Tatsächlich hat er sich selbst übertroffen. Die Gäste (darunter die sehr zufriedene Diane von Furstenberg selbst) genossen die “bewegte” Präsentation der Models die ein und aus liefen, während sie Champagner-Gläser festhielten und diskutierten welche Kleider sie zum späteren Dinner im Beatrice Inn tragen würden.

Weitere Impressionen:

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.