Rückblick: London Fashion Week Frühjahr / Sommer 2018

©Collage / Oriane Baud

London ist die zweite Destination des Fashion-Week-Monats und Veronika’s persönliches Highlight. Alle Erlebnisse und Eindrücke im Überblick

Lieblingsshow: Christopher Kane

Wenn es einen Designer gibt, der es schafft innerhalb einer dreiminütigen Show all diese Sachen, die man unbedingt haben möchte, unter einen Hut zu bringen, dann ist das für mich Christopher Kane. Er kombinierte romantische und coole Komponenten, zeigte knallharte Looks in Pastelltönen und nerdige mit Kristallsteinchen verzierte Outfits. Der Weg der Models verlief in Form eines Sechsecks, vorbei an den Gästen, die in der Mitte saßen, und es fühlte sich an, als befinde man sich im Untergrund des Tate Modern – und man hatte dort definitiv keinen Handy-Empfang. Das Licht warf riesige Schatten auf die Wände, was der Schau genau die richtige Portion an Unheimlichkeit verlieh und den perfekten Kontrast zur Schönheit der Kollektion bildete. Natürlich gingen bestimmte Styles Hand in Hand mit diesem “creepy” Gefühl: Seidenkleider wurden anstatt mit leichten Tüchern mit übergroßen Krawatten im Stil der 70er-Jahre gepaart, ein Gummi-Regenmantel wurde mit einem harmlosen Blümchenprint versehen und ein gerafftes T-Shirt-Kleid erinnerte an ein Operationshemd wegen der Öffnung am Rücken – nur, dass diese mit Bändern zusammengehalten wurde.

Meine absoluten Favoriten waren jene Teile, die mit Spitze und Kristallen verziert waren und die großartige Abendmode, die allem Anschein nach aus Tüll, Gummi und Makramee gefertigt war und mit diesem ganz speziellen Schuhen kombiniert wurde: skurrile Neopren-Sandalen. BOOM.

Lieblingsstimmung: Erdem

Seine Shows beginnen eigentlich schon in dem Moment, in dem man die Location betritt – und das spärlich beleuchtete Old Selfridges Hotel ist ein fantastisch gewählter Ort für das stets so kreative Setting von Erdem gewesen. Dieses Mal fühlte es sich an, als sei man in einer Cocktail Lounge eines dieser super eleganten Privatclubs aus den 50er Jahren – dabei denke ich an das hölzerne Klavier, die mit Samt bezogenen Sofas, die Messinglampe in Form einer Palme und sogar die halbvollen Martini-Gläser.

Nachdem ich neben all diesen wunderbaren englischen It-Girls wie Alexa Chung, Laura Bailey, Daisy Lowe und Erin O’Connor Platz nehmen durfte, die ich alle schon lange bewundere und mich glücklich schätzen kann, sie zu kennen und zum Teil sogar als Freunde zu bezeichnen, wäre es wohl gar nicht möglich gewesen, diese Show nicht zu lieben. Und ich war nicht die einzige, die total angetan war. Die Begeisterung war quasi omnipräsent und wurde mit jedem Look größer: Pastellfarben, Lampenschirm-Formen, Verzierungen und Bänder in königlichem Rot sowie Cardigans mit Argyle-Muster. Erdem hat sich eindeutig von der preisgekrönten Serie The Crown inspirieren lassen, die ich total mochte und nur zwei Abende brauchte, um alle Folgen anzuschauen.

Lieblingslocation: Simone Rocha

Als ich vom British Fashion Council (siehe Video unten) gefragt wurde, was mir am besten daran gefällt, in London zu sein, haben sie sich natürlich mein einprägsamstes Zitat ausgesucht. Und so trivial es auch klingen mag, es ist einfach die Wahrheit: “Ich fühle mich wie Harry Potter!” Ich liebe diese mittelalterliche Ästhetik dieser großartigen Stadt mit all den Gebäuden, die aussehen wie Lebkuchenhäuser. Die Show von Simone Rocha fand genau in einer solchen Location statt.

Anstatt einfach nur traumhafte Kleidungsstücke zu kreieren, gewähren die Designer uns Mode-Leuten mit jeder Show auch einen Einblick in zahlreiche schöne Beispiele für die britische Kultur. Dafür bin ich total dankbar. Zusätzlich zu den romantischen Träumen aus Tüll, Seide und flauschigen Materialien, gab es bei Simone Rocha aber auch minimalistische Seidenkleider in schwarz und weiß, die mir jedes Mal ins Auge stachen, wenn ich es hinbekam, meinen Blick von diesem schönen Gebäude namens Middle Temple Hall wieder zurück auf den Laufsteg zu lenken.

Lieblingslook: J.W. Anderson

Ich würde sagen es ist ziemlich genial, wenn es ein Designer schafft, futuristischen Formen, Materialien, Accessoires und sogar Farben solch eine Einfachheit und Leichtigkeit zu verleihen, sodass man sich gar nicht mehr fragt, wie und wo man die Sachen überhaupt tragen soll, sondern nur noch wissen will, wie schnell man sie haben kann (darf ich bitte?). J.W. Andersons Kollektion wirkte so frisch. Auf mich machte es den Eindruck, als hätte der Designer ein neues Selbstbewusstsein erlangt, denn zum ersten Mal versuchte er nicht, mit unzähligen kleinen Details zu beeindrucken.

Lieblingsdinner: Off-White x Mytheresa

Wenn der absolut coolste DJ, der nebenbei auch noch Designer ist (ja, die Rede ist von dir, Virgil Abloh!), gemeinsam mit einem Luxushändler ein Dinner gibt, kann man ganz sicher zu sein, mit einer komplett gemischten Truppe zusammen zu sitzen. Dasselbe könnte man auch über das Setting sagen: geschmackvolle Blumen-Installationen aus rosa Rosen trafen auf die rohe, fabrikartig wirkende Kulisse des tollen Restaurants St. John (ein Insider-Tipp). Dabei darf man nicht vergessen, auch die Bar im Badezimmer zu erwähnen, wo es Vodka-Shots gab …

Lieblingspräsentation: Burberry

Die britische Mega-Marke hatte für ihre “See now, buy now”-Show das neu renovierte Old Sessions House eingenommen, die Kollektion war nur ein paar Minuten später schon online erhältlich. Meine Favoriten waren die Gummi-Mäntel (ja, schon wieder), die Spitzen-Kleider, die über Oversize-T-Shirts getragen wurden, die handgestrickten Socken und ganz besonders die karierten Regenmäntel. Dank der Kollaboration mit Gosha Rubchinskiy hat Christopher Bailey das typische Muster des Traditionshauses wieder aufgegriffen. Nach der Show bin ich durch das Old Sessions House spaziert und habe die wunderbare Ausstellung englischer Fotografien genossen, die von Alasdair McLellan und Christopher Bailey kuratiert wurde. Noch bis zum 2. Oktober ist sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Soundtrack der Stunde: Pet Shop Boys

Zum ersten Mal seit langem gab es bei Burberry nicht diesen übermäßig romantischen Singer-/Songwriter-Moment. Stattdessen lief “Go West” von den Pet Shop Boys. Diejenigen, die meine Instagram-Stories anschauen, werden das sicherlich schon gesehen haben.

Weitere Eindrücke:

Die London Fashion Week für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 fand vom 14. bis zum 19. September 2017 statt. Weitere Informationen sind auf der Webseite hier zu finden.

Außerdem gibt es weitere Bilder und Eindrücke von den aktuellen Modewochen auch auf Veronika’s Instagram Account (@veronikaheilbrunner) hier oder auf unserem eigenen Account (@heywomancom) hier.

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.