Rückblick: London Fashion Week Herbst / Winter 2017

©Collage / Oriane Baud

Die London Fashion Week Fall/Winter 2017 liegt hinter uns. Veronika Heilbrunner verrät uns alle Details in ihrem neuesten Review

Nach der London Fashion Week (LFW) meine Gedanken zu sammeln ist jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung. Das gilt für mich, wie für das gesamte hey woman! Team gleichermaßen, da es inmitten der Shows der Fashion Week Milan immer ein Weilchen dauert einen Artikel zu schreiben. Dazu kommt der Jet-Lag den ich aus New York mitgebracht habe. Und natürlich bin ich jedes Mal wieder völlig überwältigt von all der Kreativität und Vielfalt, die diese intensiven drei Tage London mit sich bringen. Ein Juwel nach dem anderen! Dieses Mal war ich umso mehr hingerissen, da ich am ersten Tag der LFW die Hochzeit einer guten Freundin in München miterleben durfte. Vielleicht liegt es am “love high”, doch statt einem Favoriten hatte ich gleich sechs Lieblinge, und zwar:  J.W.Anderson, Simone Rocha, Mary Katrantzou, Erdem, Christopher Kane und Burberry!

Beste Insider Show: Halpern

Wer wissen möchte welchen Einfluss Sarah Mower hat, dem sei diese kleine Show auf der Regent Street ans Herz gelegt. Erst vor kurzem hat Michael Halpern begonnen für Donatella Versace Couture Kollektionen zu designen, doch diese Präsentation legte den Fokus auf einen minimalen/maximalen Mix von Klassikern. Die Kinnladen der kleinen erlesenen Gästeliste, darunter Elisabeth TNT, Mark Holgate und Holli Rogers, um nur einige zu nennen, klappten reihenweise herunter. Es war eine Party Kollektion vom Anfang bis zum Ende, denn Halpern ließ sich dabei von der Mode des Studio 54 inspirieren: Cher, Donna Jordan und Bob Mackie.

Lili Sumner in ihrem großartigen Pailletten-Jumpsuit, Stephen Galloway und seine perfekte Performance, Sabine Getty mit ihren funkelnden Schmuckstücken, Terry de Havilland mit Schuhen, Sam McKnight verantwortete das Hairstyling, Mimi Xu spielte die Musik und Patti Wilson sorgte für die seelische Unterstützung – ein All-Star Team sozusagen. Und obwohl ich mit einem kleinen Hochzeits-Kater inklusive New York Jetlag anreiste, war die Stimmung so gut, dass ich danach nur noch tanzen wollte.

Beste Location: Burberry Makers House

Burberry hat den riesigen Erfolg der letzten Saison wiederholt und die „direkt zum Kunden“ Show inmitten einer Ausstellung von Skulpturen des britischen Künstlers Henry Moore präsentiert. Ausgestellt wurden mehr als  40 seiner Werke – von monumentalen Bronzefiguren bis hin zu Zeichnungen und Maquetten: all das, um den 40. Geburtstag Henry Moore Foundation zu feiern.

Wie Christopher Bailey sagt, war er von dem Bildhauer inspiriert seitdem er denken kann. Und in dieser digital und physisch gleichzeitig erhältlichen Kollektion, zeigt er so viel des starken Einflusses den Moore’s Arbeiten auf ihn hatten. Vor allem das Finale hat mich umgehauen. Alle 78 Models, Frauen und Männer, machten ihre Runde und jeder von ihnen steuerte ein Stück Henry Moore bei. Eine tolle Weise das ready-to-buy Konzept zu untermalen.

Das Makers House ist bis zum 27. Februar für die Öffentlichkeit zugänglich und wird nicht nur die Kollektion und die besagten Kunstwerke ausstellen, sondern ebenfalls Events, Performances und Workshops anbieten – vom Pop-up Restaurant “Thomas” inklusive Menü aus britischen Klassikern mit saisonalen Produkten mal abgesehen. Bei meinem re-see wollte ich tatsächlich kaum weggehen.

Momente zum Erinnern: Roksanda’s trifft auf Nicoll-Blue

Roksanda / ©Vogue.com

In Erinnerung an Designer Richard Nicoll, der letztes Jahr im Alter von 39 verstarb, kreierte der The British Fashion Council eine völlig neue Pantone Farbe in seinen Ehren. Eine sehr schöne Widmung an den Central Saint Martins Absolventen, der für seine Schwäche für die Farbe Blau bekannt war. Roksanda, die eine enge Freundin des verstorbenen Modeschöpfers war, schickte ihr erstes Model in einem Nicoll Gesamt-Look auf den Laufsteg samt Klavierklänge im Hintergrund. Nicht nur die hinterbliebene Mutter des Designers war von diesem schönen Moment sichtlich gerührt.

Bester Look: Mary Katranzou

Mit identischen Looks, die sich nur farblich voneinander unterschieden, haute mich Mary völlig vom Hocker. Extra-cool: die feinen, langen, wunderbar bestickten Roben, welche in einer Kombination mit Samthosen und bedruckten Hosenanzügen präsentiert wurden.

Lieblingsdinner: Erdem im Old Selfridges Hotel

Nachdem Erdems Show nun bereits seit einigen Saisons im hinteren Teil des riesigen Kaufhauses stattfindet, unternahm Sebastian Manes von Selfridges nun den nächsten Schritt und hostete ein wunderschönes Dinner, um die tolle Kollektion zu feiern, die kurz zuvor auf dem Runway präsentiert worden war. Und nur um einige Lieblingselemente vor Augen zu haben, denke man an oriental inspirierten Jacquard, bedruckten Samt und leichten Brokat – all das in bunten Farben und weichen Formen.

Die gedimmt beleuchteten Räumlichkeiten waren mit außergewöhnlichen Blumen-Installationen dekoriert, welche die Floristin Simone Gooch (alias Fjura) verantwortete. Sie passten perfekt zur den ornamentierten Gläsern und einem türkischen Drei-Gänge-Menü zu Ehren der Wurzeln des Designers.

Erdem hieß Gäste wie Natalie Massenet, Alexa Chung, Tim Blanks und Thomas Persson (ex-Acne Paper and currently of Luncheon magazine) willkommen – um nur einige Sternchen der hochkarätigen doch intim gehaltenen Gästeliste zu nennen. Tatsache ist: “Ich habe noch nie auf dem Runway gegessen.” Und ich persönlich war nie zuvor bei einem Fashion Dinner, dessen Geschirr nach dem Essen so sauber aussahen (denn die Speisen waren so köstlich, dass die Teller förmlich leer geputzt wurden). Am Ende nahm wirklich jeder eine Rose oder sogar ein kleines Bouquet mit nach Hause.

Bestes Event: Fund Fair im Roundhouse

Diese schlichtweg bezaubernde Veranstaltung wurde von den Supermodels Natalia Vodianova und Karlie Kloss gehalten und stellt wieder einmal mein absolutes Lieblingsevent der LFW dar. Schönheiten Erin O’Connor und Liv Tyler saßen an Glücksspielautomaten, die von Brands wie Net-a-Porter, Louis Vuitton oder Stella McCartney gesponsert wurden, und luden die Gäste ein, ihre Wertmünzen aufs Spiel zu setzen – Definitiv ein Who’s Who der Luxusbranche.

Wie gut das Konzept funktionierte, zeigte sich am Ende: als wir gingen, konnten wir unsere Chips nicht eintauschen, denn sie waren alle weg! Ich persönlich habe meine Chips für eine Tarot Karten Session (inklusive Kristallkugel) am Fendi-Stand verspielt, doch das bleibt unter uns.. Insgesamt erzielte das Event mehr als £470,000 für Natalias Naked Heart Foundation, die ein Netzwerk und Unterstützung für Familien entwickelt, deren Kinder besondere Bedürfnisse haben. Darüber nachzudenken, päppelt mein müdes Ich gleich wieder auf.

Hier einige weitere Favoriten:

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.