Review: Paris Fashion Week Herbst / Winter 2017

©Collage / Oriane Baud

Die Pariser Fashion Week Herbst/Winter 2017 ist vorbei und damit ein Monat Fashion Week-Marathon: Veronika Heilbrunner erinnert an die besten Modemomente

Normalerweise ist die Pariser Fashion Week immer mit ein bisschen Sonne gesegnet – zusammen mit der Gewissheit, dass das der letzte Fashion Week Stop für diese Saison ist. Dieses Mal wollten Wind und Regen aber einfach nicht enden und die Kommunikation zu meinem Team im Berliner hey woman! HQ bestand hauptsächlich aus unglücklichen Botschaften, wie „Nasse Füße sind Trend“ oder „Mein schlimmster Mode Faux-Pas: Regenschirm vergessen.“

Aber – nachdem, was in letzter Zeit gefühlt allmählich zu viele „News Alerts“ in Bezug auf Neuerungen diverser Designer, Modehäuser und Konzepte waren – hat die Pariser Fashion Week endlich aufgehört, sich allzu sehr um „Formalien“ zu drehen und angefangen, sich wieder durch und durch der Kleidung zu widmen.

Bevor es zu meinen Lieblingsmomenten geht, gibt es hier einen kurzes Video eines klassischen Fashion Week Morgen in Paris, eingefangen von Hugo Jozwicki:

Lieblingsshow: Loewe

Diese Show hat mich mit mehr als „nur“ bemerkenswerter Mode überzeugt. Schon die Einladung schürte Vorfreude und Spannung: Ein besticktes Taschentuch mit dem Sprichwort: „you can’t take it with you“.

Selbst die Erfahrung, den eigenen Platz zu finden, glich einem Hitchcock-esquen Thriller, weil J.W. Anderson beschlossen hatte, den Ort des Geschehens – der sich mitten im UNESCO-Hauptquartiers befand – in totale Dunkelheit zu tauchen. Ich konnte buchstäblich nicht meine Hand vor Augen sehen, geschweige denn meinen Sitz finden, ohne die Taschenlampe meines Telefons einzuschalten. Unnötig zu erwähnen, dass dies wahrscheinlich die glamouröseste Version von Blair Witch Project war, die jemals realisiert wurde.

Einmal sitzend hatte ich gerade noch die Chance die beleuchtete Orchideen-Wanddekoration zu bestaunen, als die Lichter ausgingen. Während ich nach gefühlt einer Stunde endlich den ersten Tunes lauschte, traf es mich – ein Look nach dem anderen: eine ultra-romantische, schulterfreie Polkadot-Robe in Kombination mit schwarzen Stiefeln und einer Blanket Pouch Bag, ein perfekter, Logo bedeckter Norweger Pullover, ein cooles Seiden-Patchwork-Kleid und eine meisterlich schlichte, schwarze Satin-Sandale mit süßer, kristallener Schleife. Es war die perfekte Kombination aus weiblichen und rustikalen Elementen – und einem Hauch originellem, spanischem Einfluss in seiner coolsten zeitgenössischen Version, so hat es sich zumindest für mich angefühlt.

Und jetzt die Pointe: Ich wünschte, ich hätte einfach alles mitnehmen können… !

Best Look: Valentino

Als langjähriger Fan der luxuriösen Kreationen des italienischen Couture-Hauses ist es keine Überraschung, dass ich mich in edle Stoffe wie Spitze, Seide und Samt verliebt habe, die Pierpaolo Piccoli an diesem stürmischen Sonntagnachmittag – ja, die Sonne schien, es regnete und hagelte, und das alles im Rahmen der einstündigen Show – präsentierte. Aber die gesamte Komposition hat mich total umgehauen: Die Models sahen aus wie wunderschöne Boheme-Hexen mit dunklen Augen, dunkelroten Lippen, viel Schmuck (besonders die roten Perlen Choker haben es mir angetan), lässig gewellten, langen Haaren durchzogen von schmalen, geflochtenen Zöpfen und – um noch einen draufzusetzen – klobigen, beinahe antik anmutenden Hiking Boots.

Best Casting: Dries van Noten

Das geheime Wissen des Designers darüber, wie Frauen wirklich aussehen wollen, offenbarte sich in einem Model-Cast, der nicht spannender hätte sein können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder einzelne Gast der Show damit einen langjährigen Lieblings-Walk in einem super coolen Look gesehen hat, der gleichzeitig die 100. Show des Designers feierte. Herzlichen Glückwunsch, Dries! Und vielen Dank für die Rückkehr von so wunderbaren Frauen wie Minnie Driver, Delfine Bafort, Nataša Vojnovic, Kati Nescher (mit neuer Haarfarbe!), Guinevere van Seenus, Nadja Auermann und Hannelore Knuts, um nur einige zu nennen.

Beste Kollektion: Acne Studios

Nach mehreren Saisons im noblen Hôtel Potocki zeigte das schwedische Modeunternehmen dieses Mal in einer neuen, zentralen und eher cleanen Location. Im Nachhinein glaube ich, beschreibt das auch die Kollektion am besten: fokussiert, komprimiert, ultra-cool und back-to-the-roots – wie Leinenkleider in „speziellen“ Farben, badass Leder in Matrix-artigen Hosen und langen Mantel-Kombinationen, Kord mit sensationellem Flower-Print, großartig seltsame Cowboystiefel, flippig abstrakte Korbtaschen und einfach toller Strick. Meine Wunschliste ist etwa einen Meter lang und ich hätte mir gewünscht, dass mein Re-See Termin nie endet.

Beste Party: Chloé

Auch wenn es ein trauriger Moment für mich war, zu sehen, dass Clare Waight Keller nach dem erfolgreichen Aufleben des Looks, den echte #ChloeGirls tragen wollen, die Marke wieder verlassen hat – die Abschiedsparty in der wunderschönen Monnaie de Paris am Rive Gauche neben der Seine war lustig!

Solange Knowles trat mit einer Band ganz in Weiss auf, Chloé-Präsident Geoffroy de la Bourdonnaye trug einen riesigen Chloé-Pin-Button von der Logowand am Hemd, Aymeline Valade und Mimi Xu waren auf dem Dancefloor, und was Clare betrifft … nun, ich konnte nicht aufhören, mir darüber den Kopf zu zerbrechen, wo sie wohl als nächstes hingehen wird! Jetzt wissen wir, dass es Givenchy ist – bekannt gegeben noch während ich diese Zeilen schrieb! Wie auch immer, ich brauche definitiv einen ihrer modifizierten grungy-check-shirt-instead-of-a-coat-with-T-strap-shoes Looks aus ihrer letzten Show für die Marke!

Bestes Set: Chanel

Es gibt ein deutsches Sprichwort, dem Karl Lagerfeld eine gänzlich neue Bedeutung verliehen hat: anstatt „den Vogel abzuschießen“ – was im übertragenen Sinne bedeutet, dass er es wieder einmal auf den Punkt getroffen hat, wortwörtlich aber so viel heißt wie „den Vogel zu erschießen“ – schoss er eine Rakete ab. Natürlich war die Rakete in Chanel typischen Weiß mit dem schwarzen Logo gestrichen. Und ja, beim Finale ist sie abgehoben. Zu jedermanns Erleichterung ging sie jedoch nicht durch die Decke. Einfach genial! Das gleiche gilt für die auffälligen, zweifarbigen Glitzerstiefel, die Raketen- und Planeten-Pins, die kristallenen Stirnbänder und die zig tollen Tweedjacken, Mäntel und (ja!) Cycling Shorts.

Fun Dinner: Ralph Laurens & Aizels 15ter Geburtstag

Es gab harte Konkurrenz in dieser Kategorie, deshalb habe ich mich für zwei Gewinner entschieden.

Super schick, gemütlich, lecker und einfach genial: So lässt sich die Einladung von der italienischen PR-Prinzessin und It-Girl Margherita Cardelli in Ralph Laurens Restaurant The Polo Bar in Saint-Germain beschreiben. Meine persönlichen Highlights waren das Akustik-Set von der wunderschönen Joséphine de la Baume, die mit ihrem Bruder Femme Fatale von Velvet Underground für die Gastgeberin Tatiana Casiraghi performte, sowie die Anwesenheit von Vogue Paris Astrologin Julie Patriat, die für jeden einzelnen Gast in die Sterne und Zukunft geschaut hat.

Power-Woman Aizel lud das Who is Who aus Business, Mode und Gesellschaft ein, um das 15-jährige Bestehen ihres Unternehmens, das berühmte amerikanische Designer wie Oscar de la Renta und Marc Jacobs nach Moskau holt, zu feiern – nicht zu vergessen ihren Geburtstag, wie Christian Louboutin in seiner Rede verriet! Dieses sehr fröhliche Abendessen endete spät in der Nacht und nach noch mehr Reden – wie beim beliebtesten Treffpunkt der Modeszene in Paris, dem Caviar Kaspia, nicht anders zu erwarten war.

Location Gewinner: Louis Vuitton

Als der super erfahrene Fahrer, den ich für den letzten, extrem verrückten Tag voller Shows engagiert hatte (die Pariser Fashion Week war um einen Tag verkürzt worden, weswegen gleich drei Mega-Brands zeitnah nacheinander zeigten), mich in der etwas abgelegenen Rue Saint-Honoré anstatt näher an der eigentlichen Location der letzten Show des Tages – Louvres berühmter Cour Marly – aussteigen ließ, habe ich mir nicht viel dabei gedacht. Ich ziehe es ohnehin gerne vor, den Verkehr zu meiden und das letzte Stück zu Fuß zu gehen. Aber das war unerwartet: Ich wusste, dass ich durch die Pyramiden des Louvre zum Ort des Geschehens komme, konnte aber partout den Eingang nicht finden – dank Tausenden Fans, die vor den Absperrungen ausharrten. Zuerst fand ich das lustig, fast wie bei einem riesigen Konzert. Aber als ich merkte, dass es kein Durchkommen gibt, geriet ich in Panik (ich glaube, das passiert jedem einmal während der Fashion Week, oder???).

Sobald ich drinnen war – dank freundlicher Street-Style-Fotografen – sah ich die Sonne vor einem rosa Himmel im unteren Treppenhaus untergehen und dachte nur, wie unwirklich das alles war. Vielen Dank, Nicolas Ghesquiere, für die Wahl einer solch’ ikonischen Location.  Es war ein ziemlich harter Wettbewerb zwischen den wunderbaren Kleidern und den schönen Statuen des 18. Jahrhunderts.

Weitere modische Eindrücke gibt es hier:

©filmed by Hugo Jozwicki

Weitere Eindrücke was abends passiert ist hier:

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.