Review: Copenhagen Fashion Summit 2017

©Catarina Marques Teles

Die Copenhagen Fashion Summit 2017 fand vergangene Woche unter dem Motto Commitment to Change statt. Ein Rückblick

Commitment to Change. Unter diesem Motto startete vergangene Woche die diesjährige Copenhagen Fashion Summit 2017 in den modernen, doch festlichen Räumen des Kopenhagener Konzerthauses. Es ist die bereits fünfte Ausgabe der wohl bedeutendsten Konferenzen über Nachhaltigkeit in der Modeindustrie. Denn das sich etwas ändern muss, ist allen Anwesenden bewusst und so verwundert es nicht, dass William McDonough, Mitbegründer der Bewegung Cradle to Cradle (C2C) und Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, mit den Worten „weniger schlecht ist nicht gleich gut“ das diesjährige neunstündige Gipfeltreffen eröffnete.

Mit Gästen wie Miroslava Duma (Gründerin und Geschäftsführerin von Fashion Tech Labs Venture Inc.), Livia Firth (Gründerin und Kreativdirektorin von Eco Age), Mark Langer (Geschäftsführer von Hugo Boss) und Cecilia Strömblad Brännsten (Circular Lead der H&M Group) führten Amber Valletta (model, actress & entrepreneur) und Tyler Brûlé (Chefredakteur Monocle & Gründer & Vorsitzender Winkreative) durch das straffe Programm.

Der Vormittag des Gipfeltreffens widmete sich dem Thema Kreisförmigkeit und der Frage, wie Unternehmen sich umstrukturieren müssen, um ihren Produktionskreis zu schließen.

Am inspirierendsten zu diesem Thema war vor allem der Panel-Talk mit Eileen Fisher. Unter dem Thema „Innovation mit der nächsten Generation“ erzählte die Gründerin, wie wichtig Kreisförmigkeit für alle Unternehmen sei und wie man jetzt neue Strategien und Technologien entwickeln müsse, um kommenden Generationen neue Wege aufzuzeigen.

Die Runde um Moderator Peder Michael Pruzan-Jorgensen (Senior-Vizepräsident von BSR) mit Martijn Hagman (Finanzvorstand von Tommy Hilfiger Global und PVH Europe), Miroslava Duma und David Roberts (Serien-Entrepreneur und Vordenker von Singularity University), war der wohl interessanteste und äußerst konkrete Panel. Es ging um die Frage, wie man in nachhaltiges Wachstum investiert. In diesem Zusammenhang erzählt Miroslava Duma unter anderem, wie Fashion Tech Labs in ein Unternehmen in San Francisco investiert, das im Labor Leder und Pelz herstellt, ohne Tiere zu verletzen. Oder von einem italienischen Unternehmen, das nach zweijähriger Testphase, aus weggeworfenen Orangenschalen Fasern herstellt und damit ein „Wegwerfprodukt“ recycelt und in etwas ganz Neues umwandelt. Die Liste war lang und für mich waren es die wohl greifbarsten Beispiele dafür, wie Technologie die Industrie nachhaltiger gestalten kann.

Der Kritik, es wurde die vergangenen Jahre nicht genügend interagiert, versuchte das Komitee dieses Jahr mit sogenannten Breakout Sessions und Lunch Sessions entgegenzuwirken. Wer sich zuvor für diese registriert hatte, konnte zwischen verschiedenen Schwerpunkten wählen, um einen spezifischen Eindruck über bestimmte Themen zu erlangen und in den direkten Dialog mit den beteiligten Sprechern zu treten. Von Circular Design bis hin zu Supply Chain Transparency waren die Themen breit gefächert.

Was das diesjährige Gipfeltreffen jedoch von den vorherigen unterscheidet, ist die Veröffentlichung des ersten datenbasierten Berichts der Modeindustrie: Pulse of the Fashion Industry. Ein Dokument, das zum ersten Mal gesammelte Fakten der Industrie darstellt und auswertet. Obgleich es sich hierbei um nicht-verifizierte Daten handelt und lediglich einen sehr kleinen Teil darstellt, wird der Versuch gewagt, einen ganzen Wirtschaftszweig zusammenzufassen.

 

Das sich am Ende einige große Firmen mit dem Launch des Call to Action for a Circular Fashion System dazu verpflichtet haben ihr Unternehmen in den kommenden Jahren nachhaltig umzustrukturieren, ist wahrscheinlich der wohl größte Erfolg der Copenhagen Fashion Summit 2017. Eva Kruse, Geschäftsführerin der Global Fashion Agenda, sagte: „Ich freue mich sehr, dass einige der international führenden und größten Unternehmen unseren Call to Action for a Circular Fashion System unterzeichnet haben. Ich nehme das als eindeutiges Zeichen dafür, dass sich die Industrie nicht nur über die Erfordernis eines Wandels und eines geschlossenen Kreislaufsystems bewusst ist, sondern auch bereit ist zu handeln.“

Mit vielen Eindrücken und einem Austausch zwischen Unternehmen, Wirtschaft und Politik, ist das Gipfeltreffen als Plattform zu verstehen, auf der Ideen und Anregungen ausgetauscht und Innovationen vorgestellt werden. Denn wie mit vielen Dingen im Leben, sind die Kommunikation und der Austausch die stärksten Medien, um Veränderungen zu bewirken.

Wer sich den gesamten Talk anschauen möchte, kann das hier tun:

Pulse of the Fashion Industry wurde von der Global Fashion Agenda in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group erstellt und kann hier heruntergeladen werden. Es ist ein ausbaufähiges Dokument, das zunächst eine Basis für kommende Analysen und Daten bilden soll.

Alle weiteren Informationen gibt es hier auf der Webseite.