Neu im Team: Mode Redakteurin Madeleine Abeltshauser

Mode Redakteurin Madeleine Abeltshauser ist neues Teammitglied bei hey woman!

Im September habe ich Urlaub gemacht. 31 Tage. Das ist prinzipiell nichts Ungewöhnliches, abgesehen vielleicht von der Dauer, und dass ich es tat.

Während ich also Urlaub machte, Tipps und Tricks entgegennahm, um sehr schnell sehr braun zu werden, Eis schleckte (zweimal am Tag), mir Gedanken über Altes und Neues machte, fand parallel ein Marathon statt, #Fashionmonth – in New York und London, Mailand und Paris. Und während meine Batterie sich stetig auflud, sollte sich die meiner Kollegen und Freunde in den kommenden vier Wochen auf Reservemodus umstellen.

Benebelt verließ ich Ende August München mit schwerem Koffer und Gemüt. Aller Anfang ist schwer und während ich mit gebrochenem Herzen versuchte zu rekonstruieren, weshalb ich jetzt nochmal genau Schluss gemacht hatte, erlegte ich mir selbst ein Modeverbot auf (keine Vogue-Runway-App, eine neue Herangehensweise an Instagram Posts und Stories: Augen zu und weiterscrollen, das Arbeitshandy war abgegeben, mein privater E-Mail-Account unspektakulär). 31 Tage.

In der Tat: eine ausgeklügelte Maßnahme, um meinen Trennungsschmerz zu lindern. Aber auch, um mich freizumachen, um etwas zu erfahren, das es schon lange nicht mehr gab: Freizeit. Durchatmen, rebooten, stillstehen – all diese Dinge wollte ich tun, die einem schlaue Menschen raten, wenn sie hören, man wechsle den Job.

Die ersten paar Tage klappte es ganz gut. Empfang und Wi-Fi gab es nicht, Land war nicht in Sicht, es hat bestimmt geholfen. Ich checkte nachts automatisch E-Mails (zwecklos), ich ertappte mich bei dem erfolglosen Versuch, diverse Apps zu öffnen, ich wartete auf Nachrichten. Irgendwas. Aber niemand meldete sich. Und dann passierte es wirklich, dass die Tage verstrichen, die Orte an mir vorbei schipperten und die komplette New York Fashion Week auch. Es fiel mir nicht auf, echt nicht. Zum ersten Mal seit vielen Jahren spielte es keine Rolle, und das war schön.

London Fashion Week. Ich reiste weiter, wartete, wartete, wartete. Und eines Nachts eroberte ich das Internet zurück, ich warf meine selbst auferlegten Prinzipien über Bord. Ich klickte mich durch New York und London. Aber ich tat es bewusst, mit Zeit ohne Rush. Ich freute mich über Calvin Kleins Seidenblusen und fransige Taschen, über romantische Kleider von Brock Collection genauso wie über den Wäscheklammer-Verschluss bei Christopher Kanes rotem Mantel (war das gewollt?) und Simone Rochas perfekte Location für ihre Kollektion. So entschied ich, meine radikale Maßnahme doch super flexibel zu gestalten, darin war ich schließlich besonders gut.

Eine Woche später begann Mailand. Halbzeit.

Mein Wechsel von Print zu Digital war keine Entscheidung für oder gegen etwas. Es war der Wunsch nach einem Schritt in eine neue Richtung und die Neugier darauf, sich aus seiner absoluten comfort zone herauszuwagen. Auch um zu justieren, nachzufühlen wo man selbst gerade steht. Für eine große Marke arbeiten zu dürfen, beinhaltet auch immer ein bisschen geschützt zu sein, zu diesem Standpunkt kam ich während meiner Überlegungsphase Monate zuvor.

Ich schenkte mir emotional Mailand und ließ es sein (nachts konsumierte ich heimlich Insta-Stories.) Im Nachhinein freute ich mich über Cannelloni als Ohrhänger und Küken-Prints auf Kleidern bei Dolce & Gabbana. Was Urlaub so alles mit einem macht. Zum Piepen.

Mein erster echter Modekontakt fand kurz danach statt. Nach Wochen war ich zum ersten Mal wieder in einer Großstadt. Während meine Arbeitskollegen, Bekannte und Freunde sich die Füße wund liefen in Paris, sich die absurdesten Konstellationen von Personen kennenlernten (ich hatte alles im Blick, war ja keine Mode), streunte ich durch Madrids Straßen und freute mich über ein Wiedersehen mit Kleidungsstücken, die ich bis Mitte des Jahres für diverse Shootings auf der Stange hängen hatte. Ich erzählte fleißig den Verkäufern im Laden, dass ich das ja alles schon kennen würde. Das Interesse an mir klang rasch ab, nachdem ihnen dämmerte: Ich würde definitiv nichts kaufen. Nicht jetzt, noch nicht!

Ende Paris war ich wieder voll drin (Céline doll, Balenciaga witzig, Saint Laurent wow). Aber ich überlegte auch, wie wohl weitere zwei Monate ohne Job aussehen könnten. Ich hatte Freizeit entdeckt. Schließlich freute ich mich über so viele verschiedene Aktivitäten am Nachmittag, die rein gar nichts mit Arbeit zu tun hatten. Verständnislosigkeit bei meinem Partner, der nicht begreifen konnte, was daran herrlich war, mitten am Tag zum zweiten Mal abgeschleppt zu werden.

Anfang Oktober. Ich packte meine Koffer für den Herbst. Der Gedanke an all die Sachen, die ich in Madrid gesehen hatte, kam wieder. War ich denn irre gewesen, nichts zu kaufen? Ich erinnerte mich an meine Wunschliste für Herbst/Winter und addierte in Gedanken neue persönliche Must-haves (Isabel Marant, Loewe, Marc Jacobs). Und ich ärgerte mich über mein schrecklich absehbares Farbschema (schwarz, weiß, manchmal sogar rot).

Nach 9000 Kilometern war mein Abschiedsschmerz der Vorfreude gewichen. Mein neues Leben war fast da, Ideen, Erwartungen und Vorfreude schon lange. Aber das wollte ich ja schließlich.

Jetzt bin ich da. Und es ist schön.