Meine Welt: Victoria Sekrier

©Collage / Catarina Marques Teles

Victoria Sekrier ist Fashion Editor, Stylistin und Ex-Model, lebt in London und inspiriert uns mit ihrem Instagram Account

Folgende Szene spielte sich im letzten Februar 2016 ab: Ich saß mit meiner Reisebegleitung am Abend der Oscarverleihung im Innenhof des Chateau Marmont in Los Angeles für ein Early Dinner (Jet Lag sei Dank) und während die verbleibende Stunde vor Beginn der Feierlichkeiten verstrich, füllte sich der Raum mit Menschen, die direkt und indirekt mit dem großen Spektakel zu tun hatten.

Eine fiel sofort durch ihre große, schmale Statur und den zurückhaltenden nachtblauen Overall auf: Victoria Sekrier. Wie sich herausstellte, folgte ich ihr schon eine ganze Weile auf Instagram. An dem Abend hatte auch sie großen Anlass zur Freude: Die Schauspielerin Alicia Vikander hatte eine Auszeichnung als “Beste Nebendarstellerin” für ihre Rolle in The Danish Girl bekommen. Sie trug eine gelbe Robe von Louis Vuitton, die (Ihr ahnt es) ihre Stylistin Victoria für sie ausgesucht hatte.

Jetzt, knapp ein Jahr später, versorgt uns das 29-jährige Ex-Model, das in London lebt, weiterhin mit wunderbaren Eindrücken aus ihrem lebhaften Alltag, so dass ich sie hier endlich mit unserem Fragebogen zu Wort kommen lassen kann. Über ihre Quelle der Inspiration sagt sie: “Ich habe zwei Ansätze. Entweder schaue ich zurück in meine Kindheit, auf meinen eigenen Hintergrund und meine bisherige Lebenserfahrung. Oder ich schaue auf wirklich banale Dinge, die unser alltägliches Leben umgeben, und auf welche die meisten Leute nicht so sehr achten. Ich bin ein großer Fan von Normcore.”

Dein Stil in drei Worten?

Unangestrengt. Uniformmäßig. Maskulin.

Deine erste modische Erinnerung?

Eine Mischung aus den maßangefertigten Zweiteilern meiner Mutter und den Goldkronen auf den Zähnen der Menschen. Zu Sowjetzeiten in Russland war es für Männer wie Frauen total normal, Goldzähne zu tragen, weil es kein Porzellan für die Zahnmedizin gab. Diese beiden Dinge einander gegenübergestellt sind beeindruckend und einschüchternd zugleich.

Dein perfektes Frühstück?

Pancakes

Der Song, der Dich zum Tanzen bringt?

Down in Mexico von The Coasters

Das Buch, das Du immer wieder liest?

Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow. Und Siddhartha von Hermann Hesse.

Held Deiner Kindheit?

Mein großer Bruder, der immer wieder neue Arten der Unterhaltung gefunden hat und der stets auf mich zählen kann.

Schmuck, den Du jeden Tag trägst?

Das ist ein Paar ungleicher Ohrringe von Sophie Bille Brahe.

Designer, von denen Du Großes erwartest?

Simon Porte Jacquemus (von Jacquemus).

Der Designer, in den Du Dich von Kopf bis Fuß kleiden möchtest, wenn Du eine alte Omi bist?

Eine Mischung aus Dries Van Noten und The Row.

Deine Lieblingsfarbe?

Weiß – weil es so pur ist.

Dein stiltypisches Schuhwerk?

Kommt auf die Jahreszeit an. Im Herbst und Winter trage ich Turnschuhe, die Sk8-Hi von Vans. Im Frühling und Sommer flache Mules von Rosetta Getty in schwarz oder weiß.

Dein Traumauto?

Ich habe immer gedacht, dass ein Leichenwagen ein GROSSARTIGES Transportmittel für Stylisten wäre – aufgrund der großen Kapazitäten. Aber das ist natürlich ziemlich morbide.

Dein Lieblingstier?

Windhunde. Oder Deutsche Doggen wegen ihrer imposanten Größe und weil sie so anmutig sind.

Deine Lieblingsblume?

Weiße Pfingsrosen

Die Top 3 auf Deiner Wunschliste?

Ich habe nur To-Do-Listen  

Der Film, der Dich am meisten inspiriert hat?

Alle Filme von Andrei Tarkowski inspirieren mich.

Deine Fashion-Ikone?

Das ist vermutlich Fran Lebowitz.

Dein Lieblingserholungs-Spot?

Überall, wo es heiß ist und ich nicht viel machen muss.

Dein Lieblingsrestaurant?

Artusi. Es liegt in meiner Londoner Nachbarschaft in Peckham.

Dein Lieblingsgeschäft?

The Apartment by The Line

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Ich will mich mit der Frage nicht verrückt machen. Bisher hat sich noch keine meiner Vorhersagungen erfüllt und stattdessen war mein Leben voller glücklicher Zufälle und Fügungen. Es ist viel aufregender zu genießen, wo man gerade steht als darüber nachzudenken, was vor einem in der Zukunft liegt.

Letztes kulturelles Ereignis, das Dich umgehauen hat?

Pipilotti Rist im New Museum in New York war bewegend und aufschlussreich.

Deine drei Lieblingsmagazine (off- und online)?

System Magazine, Double Magazine, Self Service Magazine

Weitere Bilder und Impressionen gibt es auf ihrem Instagram Account hier.

Übersetzung: Nella Beljan (Q&A)

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.