Meine Welt: Diet Prada

Der Instagram Account Diet Prada wächst rasant. Das anonyme Duo dahinter deckt auf, wer, wo, wie und wann beim Designen abgeguckt hat

Diet Prada ist das, was man als Instagram-Phänomen bezeichnet. Während der Account Anfang Oktober noch 30.000 Follower zählte, sind es Ende November bereits 120.000. Darunter auch prominente Gesichter wie Naomi Campbell, die bekennender Fan ist oder auch Ex-Givenchy-Designer Riccardo Tisci. Die Köpfe hinter Diet Prada sind Modekenner und stellen “Copycats“ an den Pranger. Mit einem fundierten Wissen über die letzten Dekaden und was über den Catwalk ging, entlarven sie Kopierer und jene Designer, die es ein wenig zu genau mit der Inspiration und Hommage meinen. Jede Woche kommen Tausende Follower hinzu und eine Diskussion wird mit jedem Post ausgelöst. Doch wer tatsächlich hinter Diet Prada steht, ist bis heute nicht bekannt. Ganz bewusst wollen die Gründer anonym bleiben. So viel steht fest: Es handelt sich um ein Duo, irgendwo in den USA, ausgestattet mit einem exzellenten Wissen rund um Modegeschichte und Fashion Design sowie einem ausgeprägten Erinnerungsvermögen.

Bereits 2014 und ursprünglich aus Spaß gegründet, fielen den beiden Entwürfe aktueller Kollektionen ins Auge, die ganz klar kopiert oder zu stark inspiriert waren von großen Designs aus den letzten Jahren. Die Idee, öffentlich das zu vergleichen, worüber keiner sprechen möchte oder was bereits in Vergessenheit geraten ist, war der Start. Zwei Augen sehen viel, vier noch mehr und mittlerweile sind es Tausende – je größer ihre Gefolgschaft wird, desto mehr Personen schicken ihnen nun Hinweise und nehmen an der öffentlichen Diskussion teil. Mit ihren entlarvenden Posts sind sie eine erfrischende Abwechslung in der Modewelt, in der alle nett zueinander oder sonst lieber still sind, sollten sie sich nicht mögen.

Journalisten, die sich öffentlich äußern, müssen mit einem Ausschluss bei Fashionshows oder Benachteiligungen rechnen. Klare Statements, Kritik, das gibt es selten. Diet Prada nimmt vor allem große Labels und Modeschaffende unter die Lupe, deren Aufgabe es ist, neue Designs zu kreieren, nicht zu kopieren. Ausgeschlossen von ihrem scharfen Blick sind Firmen wie Zara und H&M, deren Businessmodell darauf basiert, aktuelle Kollektionen nachzuahmen.

In den letzten Monaten wurde das Duo immer wieder dazu befragt, wo der Unterschied zwischen tatsächlicher Kopie und Inspiration denn wohl läge. In einem Interview mit dem Magazin The Cut antworteten sie: “Wir finden, dass es wirklich von Herzen kommen muss, wenn es sich um eine Hommage handeln soll, am besten nennt man dabei explizit die Inspiration. Kopien haben immer einen kommerziellen Beigeschmack. Man weiß einfach, dass die jeweiligen Labels nur das T-Shirt oder das Kleid mit den Puffärmeln entworfen haben, weil sie gesehen haben, dass andere Brands damit erfolgreich sind und sie auch auf diesen Zug mit aufspringen wollen.”

Ein Grund für Diet Pradas rasanten Aufstieg in den letzten Monaten dürfte ihre besondere Verbindung zu Gucci sein. Der Account entdeckte starke Ähnlichkeiten zwischen der Resort-Kollektion und den Entwürfen des legendären New Yorker Designers Dapper Dan. Wer den Account bis dahin nicht kannte, wurde hier hellhörig, inklusive dem Label selbst. Alessandro Michele zeigte sich souverän und verbündete sich mit Diet Prada. Kurzum legte er während der Frühjahr/Sommer 2018 Show den offiziellen Gucci Account mit seinen Instagram-Stories dem kritischen Duo in die Hände. „Sie haben uns eingeladen, die Kollektion zu analysieren und ihre Referenzen auszumachen. Wir finden ihre Transparenz erfrischend … so soll es laufen“, äußerte sich Diet Prada.

Wie Gucci erging es zahlreichen Designern in den vergangenen Monaten. Vor allem der in New York ansässige Designer Vaquera brauchte starke Nerven – immer wieder wurden Parallelen gefunden, sei es zu Entwürfen von Chanel oder Kenzo Homme und Yohji Yamamoto, beide aus dem Jahr 1993. Auch J.W. Anderson geriet in Bedrängnis, als zwischen der legendären Hermès Torque Bag und seiner Pierce Bag eine unübersehbare Ähnlichkeit erkannt wurde. Ende November entbrannte eine neue Diskussion um eine Tasche (mit ecuadorianischen Merkmalen) des spanischen Luxushaus Loewe, welches unter der Leitung von J.W. Anderson steht. Es bleibt spannend …

Es ist eine positive Entwicklung, dass Instagram Accounts als ernstzunehmende Kontrollinstanzen fungieren können. Das funktioniert deswegen so gut, weil dieses Medium demokratisch ist und jedem eine Stimme geben kann, losgelöst von finanziellen Rahmenbedingungen. Heutzutage können nur die wenigsten Medien solche Kritiken an Modehäusern wie Konzernen äußern – aus Angst vor Einbußen im Anzeigengeschäft. Diet Prada ist unabhängig, der größte Luxus in diesen Zeiten. Hinzu kommt, dass sie verstanden haben, wie sie ihre Stimme und Anhängerschaft nutzen können. Und ganz nebenbei sind ihre spitzzüngigen Kommentare auch noch sehr unterhaltend. Wir sind gespannt was noch kommen mag.

Diet Prada ist nicht nur auf Instagram (@diet_prada) zu finden, sondern betreibt auch eine Webseite hier.