Label to Watch: Racil

Das Label Racil steht ohne Zweifel für “Power Dressing”. Im Interview erzählt Designerin Racil Chalhoub von ihrer Leidenschaft für Mode

Racil Chalhoub wurde in Beirut geboren, ist in Paris aufgewachsen und wohnt jetzt in London, wo sie seit 2015 ihr gleichnamiges Label betreibt. Zuvor hat sie in ihrer Heimat einen eigenen Concept Store mit Café geleitet und war als Einkäuferin viel unterwegs. Im Mittelpunkt ihrer Kollektionen steht der Tuxedo für Frauen – naheliegend, dass man ihr den Beitrag zum „Power Dressing“ danken muss. Auf Matchesfashion.com gibt es nun ein spannendes Video, ein Interview mit ihr und den Großteil ihrer Designs zu kaufen. Das haben wir zum Anlass genommen, ihr ein paar Fragen zu stellen:

Wie hat bei dir alles angefangen und wie hast du schließlich dein eigenes Label gegründet? Hattest du einen Mentor?

Ich habe Modedesign & Marketing in London studiert und schon immer davon geträumt, mein eigenes Label zu haben. Nach dem Studium eröffnete ich meinen eigenen Concept Store in Beirut – ein Ort, der Mode und Essen unter dem Dach eines authentischen libanesischen Hauses zusammenbrachte. Ich war acht Jahre lang komplett selbst verantwortlich für den Einkauf, das Merchandising und das Modemanagement. Ich glaube, all diese Erfahrungen wachsen zu einem tiefgreifenden Wissen und Verständnis der Branche und dann ging es darum, alles anzuwenden, was ich gelernt und womit ich mich in all den Jahren beschäftigt hatte. Wann auch immer ich Hilfe oder Feedback gebraucht habe, habe ich mit Beratern zusammengearbeitet – aber ich habe mir die Zeit genommen, alles gründlich vorzubereiten, bevor ich die Marke gelauncht habe.

In welchem Ausmaß spiegeln sich dein persönlicher Geschmack und Stil in den Designs von Racil wider?

In dem Label steckt definitiv sehr viel von mir, egal ob nun in den Details oder in der Aussagekraft der Silhouetten. Ich entwerfe alles selbst und würde niemals etwas kreieren, von dem ich nicht denke, dass es tragbar ist – und wenn es nicht von mir getragen werden würde, dann von einer der Frauen die ich kenne. Ich bin selbst Kundin meines Labels und eine Frau, die für andere Frauen designt, das versuche ich immer im Hinterkopf zu behalten.

Wie stehst du selbst zu Anzügen?

Ich finde Anzüge sehr wandelbar. Ich glaube, sie bilden einen der wenigen Looks, den man quasi in nahtlosem Übergang vom Frühstück direkt auch an einem glamourösen Abend tragen kann. Ich liebe es, meine Anzüge für den Alltag mit Sportschuhen und einem T-Shirt im Vintage-Stil zu tragen. Später wechsle ich dann die Schuhe, ziehe Ohrringe an und trage Lippenstift – und schon bin ich fertig für den Abend, es fühlt sich mühelos an.

Wie sieht dein Tag typischerweise aus?

Ich wache um 6.45 Uhr auf und das erste, was ich tue, ist zur Küche zu gehen und mir einen Kaffee zu machen. Dann setze ich mich ins Wohnzimmer, lese ein wenig und informiere mich über Neuigkeiten und Nachrichten, danach mache Frühstück und beantworte all meine E-Mails, bevor ich mich fertig mache und ins Studio gehe. Manchmal versuche ich auch, noch ein kleines Workout in meiner Morgenroutine unterzubringen. Falls ich irgendwelche Meetings außerhalb des Studios habe, versuche ich diese an den Anfang oder das Ende des Tages zu legen – denn sobald ich erst einmal im Studio angekommen bin, komme ich dort nicht mehr wirklich weg. Ich verbringe dort den kompletten Tag, esse meistens an meinem Schreibtisch, arbeite mit meinem Development-Team und führe fast täglich Gespräche mit den Zuständigen für Produktion und Sales sowie mit meinem Studio-Manager. Gegen 19 oder 20 Uhr gehe ich nach Hause oder verabrede mich noch mit Freunden für ein kleines After-Work-Treffen in Notting Hill.

Wo siehst du dein Label in fünf Jahren?

Ich hoffe, dass sich Racil bis dahin in eine Lifestyle-Marke entwickelt hat, bei der Smokings den Kern der DNA bilden. Ich würde gern die Bandbreite an Produkten ausweiten und hoffentlich habe ich auch wieder eine Boutique, um die Ästhetik und Stimmung von Racil widerzuspiegeln – ich habe es sehr geliebt, meinen eigenen Concept Store zu führen.

Alle Kollektionen und mehr Informationen über das Label sind auf der Webseite von Racil hier zu finden.

Mehr Impressionen und Looks gibt es auf Instagram (@_racil_).

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.