Label to Watch: Cecilie Bahnsen

Die dänische Designerin Cecilie Bahnsen perfektioniert Rüschen, Organza und die Neue Weiblichkeit. Wir trafen sie zum Interview

Cecilie Bahnsen ist eine wahre Künstlerin, Meisterin ihres Handwerks und Visionärin. Nach ihrem Abschluss an der Danish Design School, hat sie ihren MA für Fashion Womenswear der London’s Royal School of Art gemacht und für Erdem, John Galliano and Christian Dior gearbeitet. Als Gewinnerin des DANSK Design Talent Award in 2016 wurde sie mit ihrem namensgleichen Label auch zu einer der Finalistinnen des diesjährigen LVMH Prize gekürt.

Die 32-Jährige hat ihr Label mit Sitz in Kopenhagen erst im Juni 2015 gegründet. Sie kreiert locker-leichte und zugleich skulpturale Stücke für Frauen, immer kombiniert mit Socken und Turnschuhen oder derben Stiefeln. So entstehen kraftvoll-zarte Looks, stets von einer poetischen Grundstimmung unterlegt. Die dänische Designerin arbeitet mit traditionellen Techniken wie das Quilten und Patchwork und ihr gelingt es, zeitgemäße, anspruchsvolle und dennoch unkomplizierte Stücke zu erschaffen.

Oder um es mit den Worten von Cecilie Bahnsen auszudrücken: „Es ist in Ordnung, wenn Frauen ihre ‚Weiblichkeit‘ auf welche Art auch immer ausdrücken möchten. ‚Girly‘ zu wirken und Rüschen oder Schleifen zu tragen, heißt nicht, man wäre albern oder oberflächlich. Ganz im Gegenteil – es zeugt von starker Persönlichkeit und weiblicher Kraft. Mädchenhaftigkeit kann man mit Bedeutungsvollem paaren, um etwas wirklich Elegantes zu entwickeln.“

Hier das ganze Interview mit der wunderbaren Cecilie Bahnsen. Voilà.

Gibt es ein besonderes Erlebnis, das Dich zur Mode gebracht hat?

Ich war schon als Kind an Mode interessiert und habe mich selbst angekleidet und eher als maskulin oder feminin gewertete Elemente auf die seltsamste und sehr spielerische Art zusammengebracht.

Vermutlich bildete dies den Anfang, um meinen persönlichen Stil zu entwickeln, der sich später noch weiter definiert hat – insbesondere an der Kunstschule und bei meiner Arbeit in London und Paris. Paris hat mich letztlich auch zur High Fashion gebracht. Es war diese Liebe zum Handwerk, zu Details, Materialien und zum Design, die mich dort inspiriert und zum richtigen Designer haben wachsen lassen.

Deine Liebe zum Detail wie auch zum Handwerklichen ist ganz offensichtlich, dennoch wirken alle Deine Stücke sehr locker, leicht und zugleich künstlerisch. Entspricht dies auch Deinen Ansatz zum Design?

Mit ist es wichtig, dass das Design ein Stück hervorbringt, das der Kunde sofort liebt und anziehen möchte. Auch wenn die kunstvollen Stickereien, der Stoff oder die Fertigung des Materials aufwendig sind, ist es wichtig, dass die Looks letztendlich immer entspannt und mühelos wirken – und dass es einfach Spaß macht, sie überzustreifen.

Ich denke viel über die Stoffe und die Fertigung des Materials nach: dass sie miteinander harmonieren und funktionieren und die Silhouette unterstützen, und zwar auf ganz einfache Art.

Was inspiriert Dich in Deinem Alltag? Oder reist Du lieber, um Ideen zu sammeln?

Mein Studio liegt in Kopenhagen und dort finde ich sehr viel Inspiration. Die Kopenhagener besitzen einen unangestrengten Stil. Die Hauptlektion, die ich von ihnen gelernt habe, ist, dass man sich gut fühlt in dem, was man trägt – dass der Look nicht die eigene Persönlichkeit übertüncht.

Dänemark verfügt über eine traditionsreiche Designgeschichte; Handwerk und Details erfahren große Wertschätzung. Die Liebe zum Material hat dem Dänischen Design wohl zu seinem Kultstatus verholfen. Aber ich denke, die meisten Leute unterschätzen, wie provokativ manche dieser klassischen Designs zu jener Zeit ihrer Entstehung waren. Das ist etwas, was ich wirklich interessant finde.

Wir versuchen unsere skandinavischen Wurzeln in der simpel gehaltenen Zusammenstellung unserer Kollektionen zu reflektieren, in der Qualität unserer Kleidung und ihrem Fertigungsprozess, in der zurückhaltenden Farbpalette und in unserer Begeisterung für Innovatives, der wir immer noch ein wenig Poesie einverleiben.

Meines Erachtens nach ist es auch ziemlich wichtig zu reisen, um sich inspirieren zu lassen und um von seinen gewohnten Mustern abzuweichen, um einen guten Designprozess in Gang zu bringen. Diesen Oktober bin ich in Japan und ich freue mich sehr darauf.

Welches Buch oder welche kulturelle Erfahrung hat Dich in jüngster Zeit beeindruckt?

Ich liebe die Filme von Sofia Coppola und ihre starken, weibliche Charaktere. Meine jüngste Faszination gebührt also ganz klar The Beguiled. Und auch dieser Film zeigt wieder eine fantastisch feminine Note, begleitet von so dunklen Tönen.

Deine Modehelden oder persönlichen Stilikonen?

Ich fände ich es ganz fabelhaft, wenn ich die komplette Mädchen-Besetzung von The Virgin Suicides von Sofia Coppola hätte einkleiden dürfen. Es liegt so eine sanfte Kraft in ihrem Auftreten und ich liebe es, wie sich dies in der Gruppe noch verstärkt. So gehen wir übrigens auch das Styling für unsere Shows an. Jeder einzelne Look ist stark, aber es ist genau so wichtig, dass die Looks und das Styling gemeinsam so kohärent und powerful wie möglich wirken.

Als Lee Radizwill danach gefragt wird, ob die Liebe zum Schönen angeboren sei, antwortete sie: “Ich glaube, es gibt diesen Samen. Wenn man den in sich trägt und über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügt. Menschen, die das Schöne lieben – we are a tribe.“ Denkst Du auch, dass es eine bestimmte internationale Community oder Bewegung gibt, der Du angehörst? Und wenn ja, wie würdest Du die beschreiben?

Wir können gerade die Rückkehr einer unverfroren mädchenhaften Weiblichkeit beobachten, als Teil eines viel größeren kulturellen Wandels, wie Frauen sich selbst sehen und wertschätzen. Das Ganze wird begleitet von einer neuen Welle des Feminismus, die großen Einfluss hat.

Ich mag es, das Feminine wieder an vorderster Front der Modewelt zu sehen. Und dass es in Ordnung ist, wenn Frauen ihre ‚Weiblichkeit‘ auf welche Art auch immer ausdrücken möchten. ‚Girly’ zu wirken und Rüschen oder Schleifen zu tragen, heißt nicht, man wäre albern oder oberflächlich. Ganz im Gegenteil – es zeugt von einer starken Persönlichkeit und weiblicher Kraft. Es zeigt, dass man Mädchenhaftigkeit mit etwas Bedeutungsvollen paaren kann, um etwas wirklich Elegantes zu entwickeln.

Ich finde es gut, wenn meine Designs eine schamlose, aber anspruchsvolle Weiblichkeit ausdrücken. Das findet seinen Ausdruck in wunderschönen skulpturalen Silhouetten, cleveren Schnitten, feinen Stickereien und Detailarbeiten.

Wie entwickelst Du Deine aufwendigen Kollektionen?

Eine für mich typische Herangehensweise ist die Kombination traditioneller Techniken und innovativem Textildesigns. Das bildet immer das Herzstück der Kollektionen. Ich entwickle meine Textilien für jede einzelne Kollektion neu, und zwar in Zusammenarbeit mit Manufakturen in Italien, und verwende viele traditionelle Techniken wie das Quilten, Patchwork und Applikationsarbeiten.

Ich liebe es, transparente und feste Stoffe zu layern, um etwas Modernes und ziemlich Verführerisches zugleich zu kreieren. Ich mag es, mit simplen und femininen Silhouetten zu spielen und wenn sie eine Art Leinwand für feine Stickereien bilden und unerwartete Stoffkombinationen sowie sowohl die Struktur als auch das Handwerkliche unterstützen.

Für SS18 hatte ich die einmalige Gelegenheit, den Ort der Show – die gallery Nicolai Wallner – zu kennen, noch bevor wir überhaupt mit der Kollektion begonnen hatten. Die wunderschön hellen Räume und Farben der Kunstwerke definieren tatsächlich Farben und Stoffqualität der Kollektion. Jedes einzelne Stück der Kollektion funktioniert als Einzelstück und sogar als wunderschöne Skulptur.  Das bildete Startpunkt Referenzrahmen der Kollektion.

Hast Du schon mal ernsthaft überlegt, eine Unisex-Kollektion zu entwerfen?

Nein, aber mich fasziniert die Kinderkleidung aus der Zeit von Eduard VII. Ich liebe die Proportionen und den exzessiven Einsatz von Details, dementsprechend werde ich vielleicht irgendwann eine Kinderlinie herausbringen, bei der man sich bei den Einzelheiten austoben kann.

Und zu guter Letzt: Hättest Du noch eine Illustration, persönliche Zeichnung oder kleine Kritzelei für uns?

Cecilie Bahnsen Sketch for hey woman!

Vielen Dank, liebe Cecilie!

Weitere Eindrücke von Cecilies Arbeit gibt es auf ihrem Instagram Account(@ceciliebahnsen) hier und auf ihrer Internetseite hier.

Nella Beljan

Nella Beljan ist eine deutsche Kulturjournalistin und Lektorin mit kroatischen Wurzeln. Nach ihrem Studium in London und Bielefeld lebt sie seit 2003 in Berlin. Nach sieben Jahren in der Stadt hat sie, direkt nach Abschluss ihrer Doppelpromotion mit Doktor phil. und Docteur en Lettres, das Fräulein Magazin mitentwickelt und das Ressort Stil betreut. Nella ist bei Cee Cee die Schlusslektorin. Als deutsche Textchefin von Freunde von Freunden wechselte sie zu hey woman!. Sie arbeitet darüber hinaus als Konzepterin, Texterin und Übersetzerin an Corporate Publishing-Produktionen, u.a. für Aesop und modissa.