Kolumne: #Earthing – Zurück zur Natur

Sein Leben auf natürliche Weise zu entschleunigen, ist in. Unsere Autorin Christine Korte hat Tipps, wie das in und um Berlin am besten geht

Während der diesjährigen Fashion Week in Paris gab es neben den neuesten Laufstegtrends für Frühjahr/Sommer 2018 weiteren Gesprächs-Stoff, der die Modeprofis und Influencer umtrieb: die Heilkraft der Natur. Ein Gegenpol zum urbanen Erlebnis des Fashion-Marathons von New York, über London und Mailand bis nach Paris. Heute bewegen sich die Fashion-Week-Besucher aber nicht nur im Eiltempo durch die Großstädte von einer Schau zur nächsten, sondern werden mit ihren Smartphones zum digitalen Sprachrohr der Designer. In Sekundenschnelle können wir über die Instagram-Accounts der Frowers die neuesten Trends miterleben, per Insta-Stories werden wir sogar auf die VIP-Events rund um die Schauen mitgenommen. Nicht nur in der Modebranche hat die Digitalisierung unser Leben verändert. Sie ist einerseits demokratisch, transparent und frei, andererseits scheint sie so schnelllebig wie der Schall zu sein. Fortschritt ist zunächst einmal positiv, aber natürlich bringt er auch eine gewisse Unsicherheit gegenüber der Zukunft mit sich. Arbeit, Dating und der Informationsaustausch – die Digitalisierung definiert gängige gesellschaftliche Normen neu, und es gilt, sich ihnen anzupassen.  

In einer Welt, die Zeit und regionale Grenzen fast völlig ausblendet, liegt der Wunsch daher nahe, sich im Einklang mit der Natur, oder anders gesagt, sich selbst, den eigenen Körper im Hier und Jetzt zu spüren. Ein Phänomen, das im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche nicht neu ist. So entstand die Epoche der Romantik nicht zuletzt auch als Antwort auf die Industrialisierung. Die Romantiker setzten ihre individualistische Grundhaltung einem System entgegen, das den Menschen nur auf seine Effizienz als Arbeiter reduzierte. Im Einklang von Mensch und Natur fanden sie die höchste Form der Erkenntnis des eigenen Ichs.

Heute begeben wir uns wieder verstärkt auf diese Erkenntnis-Suche. Ein Beispiel aus England ist die sogenannte Sisterhood. Ihre Anführerin Chloe Isidora lädt regelmäßig Gleichgesinnte zu Treffen in die Wälder außerhalb Londons ein. Hier werden schamanische Riten, Meditation, Gesang, gemeinschaftliches Kochen und Töpfern praktiziert. Sie sollen uns zurück zum eigenen Ich bringen – ein Weg dafür sind etwa die sogenannten Womb Circles. Dieses Ritual soll Frauen durch Meditation dazu verhelfen, eine Verbindung zu ihrer Gebärmutter herzustellen. „Wir werden in eine maskuline Welt geboren, in der es darum geht, Dinge zu erreichen und zielorientiert zu sein“, sagte Chloe Isidora gegenüber der Zeit Online und ruft dazu auf, das Göttliche der Weiblichkeit wieder zu entdecken.

Auch Schauspielerin Gwyneth Paltrow propagiert mit ihrem Blog die Rückkehr zur Natur und zur eigenen Weiblichkeit. Sie bietet nicht nur den richtigen Spirit, sondern gleich auch die richtigen Tools dafür zum Verkauf an: sei es nun das Jade-Egg, mit dem wir unseren Beckenboden trainieren, oder die Wollmatte, mit der wir auch barfuß geschützt in urbanen Parkanlagen oder gar im Büro sitzen können. Laut Clinton Ober, CEO von EarthFX, soll das nämlich positive Auswirkungen auf unsere Blutzirkulation haben, bei Schlafstörungen helfen und uns im Allgemeinen von Alltagsängsten befreien.

Der Schamanismus der Sisterhood und der Kommerz bei Goop: Wir müssen uns weder dem Glauben anschließen, dass Zielstrebigkeit eine ausschließlich männliche Eigenschaft ist, noch losziehen und eine teure Matratze kaufen, um zu erkennen, dass die Natur etwas Heilendes in sich birgt. Dieser Gedanke ist so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst.

So formulierte bereits Sebastian Kneipp, dem wir das Stolzieren durch eiskalte Wasserbecken verdanken, sehr treffend: „Die Natur ist die beste Apotheke.“ Sie kann uns aufladen und stärken, sich den Veränderungen des Fortschritts mutig zu stellen.

Gerade die herbstliche Jahreszeit bietet dafür genügend Spielraum. Einzige Voraussetzung: Get unplugged und lasst das Smartphone zuhause!

Hier sind unsere besten Tipps, die uns zurück in die Natur bringen:

  • Pilze sammeln in der Schorfheide

In den Wäldern der Schorfheide kann man bis in den Spätherbst Pilze sammeln. Pfifferlinge, Steinpilze, Maronen sowie Birken- und Butterpilze findet man hier an. Wer sich nicht auf seine eigene Nase verlassen möchte, kann sich dort  am 4. November einer geführten Pilztour anschließen.

Web: www.schorfheide.de

  • Kranich- und Gänsezug in Linum

Die Kranichsaison in Linum dauert noch bis zum 5. November. Hier sammeln sich die Vögel und bereiten sich auf ihren Flug in den Süden vor. Die Storchenschmiede Linum bietet Führungen an, um an dem Naturschauspiel Teil zu haben, ohne dabei die Tiere zu stören.

Web: www.berlin.nabu.de

  • Barfußpark Beelitz

Gönnt euren Füßen eine Auszeit und erfahrt die Kraft des Barfußlaufens. Im Barfußpark Beelitz geht das ganz ohne schützende Wollmatte. An einem Tagesausflug könnt ihr über drei Kilometer Wegstrecke zurücklegen und euch dabei mit dem Boden der Natur vereinen. Von weich bis holprig ist alles dabei – eure Fußsohlen werden umgarnt und herausgefordert.

Web: www.derbarfusspark.de

  • Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Steglitz

Pflanzenkunde nur eine S-Bahn-Strecke entfernt. Der Botanischer Garten in Berlin-Steglitz zählt mit 43 Hektar Fläche und etwa 22.000 unterschiedlichen Pflanzen zu den größten und artenreichsten der Welt. Er  wurde 1910 nach Plänen des Architekten Alfred Körner fertiggestellt.

Web: www.bgbm.org

  • Baumhaus am Schlachtensee

Mal eine andere Perspektive auf die Dinge bekommen? Im Urban Treehouse in Berlin Zehlendorf ist das sicher möglich. Der Garten, der nahegelegene Schlachtensee und der Wald holen einen an einem (verlängerten) Wochenende vom Alltagsstress runter.

Web: www.suite030.com/de/suites/view/55

Autorin: CHRISTINE KORTE