Interview: Sweethearts Berlin mit Kate, Ruth und Isa

©Rebecca Crawford

Sweethearts Berlin ist ein Brunch-Restaurant in Berlin Neukölln, gegründet von drei Kaffee-& Food-Liebhaberinnen: Kate Bailey, Ruth Bartlett und Isa Jehle

Kate Bailey, Ruth Bartlett und Isa Jehle sind das Trio hinter dem kürzlich eröffneten Sweethearts Berlin, einem Brunch- und Frühstücks-Restaurant in Neukölln. Als ich den Ort zum ersten Mal besuchte, war ich beeindruckt von ihrer Liebe zum Detail, dem herzlichen Service, der neuartigen Herangehensweise an Gerichte (es gibt einen „Gabrielle Hamilton“-Teller auf der Speisekarte, inspiriert von der US-amerikanischen Köchin und Namensvetterin) und dem an Brooklyn erinnernden Spirit, der die Location durchdrang, als Freunde und Gäste das Restaurant mit Leben füllten – am Eröffnungswochenende ebenso wie den darauffolgenden. Wir haben sie gebeten, ihre Geschichte zu teilen und uns zu erzählen, wie alles begonnen hat:

Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

RB: Obwohl es zuvor schon verschiedene Treffen und Kooperationen gab, sind wir drei das erste Mal so wirklich auf einer Weihnachtsfeier zusammen gekommen. Kate war für das Essen verantwortlich, Isa für die Dekoration und ich für die Musik.

Was habt Ihr gemacht, bevor Ihr das Sweethearts Berlin eröffnet habt?

KB: Ich bin mit der Gastronomie verheiratet seit ich 13 Jahre alt bin, während ich gleichzeitig aber auch andere Sachen ausprobiert habe – Schreiben, Verlagswesen, Marketing und Verhaltensforschung. Derzeit konzentriere ich mich auf Little Joy (einen konzeptuellen Catering-Service), Hospitality Business Consulting, und natürlich das Sweethearts.

RB: Hatte ich eine Karrierelaufbahn? Interessantes Konzept! Ich habe bis jetzt weitgehend im Bereich 2D- und 3D-Design und in der Gastronomie gearbeitet; und letztendlich ist für mich beides zusammen gekommen.                              

IJ: Ich hege eine ziemlich leidenschaftliche Hassliebe zur Gastronomie und habe diese konsequent gepflegt. Es ist eine Beziehung, die ich seit 15 Jahren führe – jaaaa! Meine letzte Station diesbezüglich war die Hotelbar im Michelberger Hotel, wo ich Ruth kennengelernt habe. Ich bin allerdings fremdgegangen, als ich das Fair Fashion Label Folkdays mit aufgebaut habe – für das ich die letzten drei Jahren beschäftigt war – und während ich als Head of Finance für eines dieser klassischen Berliner Tech-Startups gearbeitet habe. Folkdays habe ich letzten Monat verlassen und konzentriere mich jetzt darauf, als Freelancer junge Firmen hinsichtlich ihrer Kommunikations- und Finanzierungsstrukturen und -prozesse zu beraten. Zu meinen aktuellen Kunden gehören neben anderen der Schuhmacher Korbinian Ludwig Heß und die Food-PR-Agentur Sheila. Mindestens so zeitraubend ist meine Leidenschaft dafür, die perfekten schwäbischen Spätzle zu kreieren: Das Geheimnis ist ein scharfes, feuchtes Messer, Leute. Ich bin nah dran!

Wer ist bei Euch wofür verantwortlich?

KB: Chefköchin und Restaurantbetrieb.

RB: Kreativer Kopf.

IJ: Alles Geschäftliche, Social Media und die Finanzen betreffende.

Was war bisher Euer schönster Moment seit dem Start vom Sweethearts Berlin?

KB: Am zweiten Tag, nachdem wir eröffnet hatten, hielt ich zum ersten Mal inne: Ich setzte mich auf die Bühne und sah den Leuten dabei zu, wie sie aßen und ihr Essen fotografierten; Ruth und Isa servierten Getränke, die Angestellten redeten mit den Gästen, die Köche riefen die Bestellungen aus und lachten, unser Barista gönnte sich gerade einen Espresso und ich dachte: „Dieser Ort und diese Leute, das alles ist ein Privileg und ich möchte jede Sekunde genießen.“       

RB: Vielleicht – und ich denke dabei auch an die Eröffnungstage – als die  Gäste auf uns zukamen, um die großartige Atmosphäre im Sweethearts zu kommentieren. Für mich ist das die Kombination aus  all der harten Arbeit hinter den Kulissen – von uns und unseren fantastischen Mitarbeitern – und all den Dingen dieses Business, die harmonisch zusammenkommen.                            

IJ: Der Abend nach dem ersten Wochenende, als ich mich zu Hause hingesetzt habe, um mich durch die Kommentare auf Social Media zu klicken – so viel Anerkennung und L.I.E.B.E. Mir war es selbst immer ein wichtiges Anliegen, weibliche Führungskräfte, die ihr Ding machen, zu unterstützen und jetzt auf einmal bekommen wir so viel zurück. So schließt sich der Kreis!

Was waren mögliche Hindernisse, mit denen Ihr rechnen musstet? Und wie seid Ihr mit ihnen umgegangen?

KB: Immer an mich selbst zu glauben – habe ich einfach! Abstand nehmen von Menschen, die nicht an das glauben konnten, was ich gesehen habe – zwei habe ich immerhin gefunden. Und der Rest war, das zu tun, was ich kannte – aber das war kaum ein Hindernis.   

RB: Komischerweise, oder auch nicht – je nachdem, wie man es betrachtet – habe ich von Anfang an nur sehr wenige Hindernisse gesehen. Ich musste während meiner ganzen Karriere immer wieder dafür kämpfen, die Freiheit zu haben, eigene Ideen zu realisieren und mich zu verwirklichen. Isa und Kate haben mir jedoch immer den Raum gelassen und mich aktiv dazu ermutigt, dem zu folgen, was ich für unsere kollektive Vision bin und am besten kann.

IJ: Eigentlich lief bis jetzt alles sehr reibungslos. Wir kannten uns vorab ja schon seit geraumer Zeit und wussten, worauf wir uns einlassen. Außerdem hatten wir so viele helfende Hände – selbst mein Dad hat sich mitten in der Nacht die Zeit genommen mit uns zu Facetimen, um uns zu erklären, wie man einen Dimmschalter installiert. Aber wie es dann trotzdem so ist – natürlich bin ich einen Tag vor der Eröffnung ausgeflippt, weil ich gedacht habe: Oh Gott, was ist, wenn einfach niemand auftaucht? Nun, das ist nicht passiert…

Hattet Ihr einen Mentor? Oder wer war Eure größte Inspiration, um dieses Projekt zu realisieren?

KB: Ernährungstechnisch definitiv Gabrielle Hamilton, sie bleibt der Inbegriff von Stärke für mich – sie verteidigt die Einfachheit. Außerdem inspiriert mich eine feministische Gemeinde namens TYCI, die in Glasgow ansässig ist. Sie ist zu einer Zeit in mein Leben gekommen, als ich glauben wollte und musste, dass Frauen dieselben Rechte haben wie Männer, wenn es darum geht, ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Ansonsten bin ich Tag für Tag von Ruth und Isa beeindruckt – mir wird schwindelig, wenn ich sie beim Arbeiten beobachte.

RB: Anderen Menschen dabei zu helfen, ihr eigenes Unternehmen zu realisieren hat mir gezeigt, was richtig ist und was nicht. Soviele Kleinigkeiten, die es mir ermöglicht haben, all das Wissen zu absorbieren und meine eigene Service- und Design-Sprache speziell für die Gastronomie zu kreieren. Puh, kann ich wirklich sagen, dass meine täglichen Geschäftspartner meine größte Inspiration sind, oder ist das zu abartig? Nein, tut mir leid, aber das sind sie!

IJ: Ich bin stolz, Kimon Haars als lieben Freund und Mentor nennen zu können. Immer wenn eine geschäftliche Entscheidung ansteht, helfen mir die kostbaren Gespräche mit ihm dabei, das wirklich Essentielle einer Situation zu erkennen und eine fundierte Entscheidung zu treffen. Das ist einer der wichtigsten Ratschläge, den ich all denjenigen geben möchte, die ihn hören wollen: Holt Euch einen Mentor! Jemand, der Euer Potenzial erkennt und Euch hilft, es auszuschöpfen. Klingt kitschig, ist aber ach so wahr!

Wo seht Ihr das Projekt in den nächsten fünf Jahren?

KB: Noch immer am Leben. Ich liebe es einfach und möchte es um mich haben, bis ich sterbe.

RB: Junge, Junge! Können wir erst einmal die ersten sechs Monate überstehen und dann beantworte ich Dir diese Frage? Wir haben bis dahin auch noch so viele Ideen auf den Tisch zu “legen” (intendiertes Wortspiel). Aber allgemein hoffe ich, dass es immer noch dasselbe sein wird – mit einer Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

IJ: „Serving mean Käsespätzle* and feeling feelings since 2016 – Sweethearts Berlin“, in fünf Jahren möchte ich das auf einem Schild über unserer Theke sehen.

*(Anm. der Red.: Für diejenigen, die weniger mit der traditionellen, deutschen Küche vertraut sind, Käsespätzle sind ein Eiernudeln- und Käsegericht, das Du unbedingt probieren solltest!)


Sweethearts Berlin

Mittelweg 50
12053 Berlin
U-Bahn Station: U8 Leinestraße

Mon – Son 10:00 – 18:00

Webseite: sweetheartsberlin.com
Instagram @sweethearts.berlin
Facebook @sweetheartsberlin


Übersetzung: Stephanie Johne

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.