Filmtipp: Rückkehr nach Montauk

(l.) Still "Rückkehr von Montauk" © Franziska Strauss | (r.) Film Poster

Volker Schlöndorff ist auf den Spuren von Max Frisch: Rückkehr nach Montauk, mit Nina Hoss in der Hauptrolle, ist unser heutiger Filmtipp

In dieser Woche wäre der Autor Max Frisch 106 Jahre alt geworden, kaum zu glauben, dass schon so viel Zeit verstrichen ist und die Aktualität seiner Inhalte und Publikationen noch heute so greifbar ist. Unangefochtenes Lieblingsbuch und selten so prägend war Homo Faber (1957) für mich. Ich wage sogar zu behaupten, dass meine Begeisterung für Literatur genau hier ihren Ursprung fand. Mehrfach habe ich es gelesen. Das Exemplar, mit unzähligen Notizen, ist noch aus meiner Schulzeit und sicher eines der Gegenstände, das ich retten würde, wenn all mein Hab und Gut von einer Minute auf die andere zu verschwinden drohen würde. Auch die Verfilmung aus dem Jahr 1991 mit Julie Delpy, Sam Shepard und Barbara Sukowa in den überzeugenden Hauptrollen habe ich mehrfach gesehen und ich krame die DVD immer mal wieder hervor, wenn ich für 90 Minuten in eine andere Welt abtauchen möchte.

Nun gibt es eine weitere Verfilmung, auch wenn man das streng genommen eigentlich gar nicht so nennen darf. Frischs Freund und Regisseur Volker Schlöndorff, der durch Werke wie Die Blechtrommel (1979) und Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974) bekannt wurde und großen Erfolg einheimste, wagt sich nun mit Rückkehr nach Montauk an die Anlehnung des ähnlich betitelten Buches. Er sagt selbst: „Rückkehr nach Montauk ist weder eine Verfilmung des Buches von Max Frisch noch eine Reisebeschreibung, sondern basiert auf einem Originaldrehbuch von Colm Tóibín und mir und ist dem Andenken an Max Frisch gewidmet.“

So ganz stimmt die Handlung demnach nicht mit der von Montauk überein, aber der Tenor des Inhalts ist vergleichbar. Es dreht sich um die eine Liebe im Leben, die nicht funktionieren sollte. Und so wurde Frisch damals fast belächelt als er in Montauk (1975) schließlich komplett die Hosen runter ließ und seine Frauengeschichten ein wenig zu transparent verarbeitete. So transparent, dass sich die im Film vorkommenden Frauen in ihrer Privatsphäre verletzt fühlten und ein Sturm der Entrüstung ausbrach. Aber das ist vielleicht gerade das Tolle an ihm: Fast klischeehaft wird die Persona des Schriftstellers gelebt, die oft nur im Leid und der Bedrücktheit in der Lage ist, Großes zu schaffen. Um sich selbst kreisend, bis zum Schwindelgefühl darauf bedacht, vor allem sich selbst zu reflektieren und das eigene Umfeld fast als ein dem Theaterspiel ähnelndes Setting zu instrumentalisieren.

Und der Film? Ja, der ist in Ordnung. Nicht „wow“. An manchen Stellen vielleicht ein wenig hölzern und manchmal nimmt man den beiden Protagonisten Nina Hoss und Stellan Skarsgård ihre Liebe einfach nicht ab. Einzeln für sich isoliert spielen sie allerdings großartig, nur im Duett leider nicht. Das macht aber nichts, denn am Ende (Spoiler-Alert!) gehen sie trotzdem getrennte Wege.

Seit dem 11. Mai 2017 wird der Film in deutschen Kinos ausgestrahlt.

Max Frisch

Montauk: Eine Erzählung, € 8 via Amazon

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.