Buchtipp: „The Germans“ von Nina Zywietz und Silke Wichert

© Collage / Oriane Baud | Portraits (v.l.) Nina Zywietz ©Pedro Beraldo & Silke Wichert ©Marcela Pimienta | Cover © The Germans – Stil Und Ikonen Einer Nation

„The Germans“ ist das neue Buch von Kreativdirektorin Nina Zywietz und Journalistin Silke Wichert – Ein Interview

Bauhaus, Techno, Birkenstocks und Claudia Schiffer: Was ist denn nun eigentlich “deutsch”? Für jeden, der hier geboren und aufgewachsen ist, ist das natürlich etwas in Nuancen komplett anderes. Und ich, für meinen Teil, bin sicher eine der ganz großen Befürworterinnen des “Früher war alles besser”, schwelge dann in den Erinnerungen an “Das Traumschiff” oder an die Zeiten in der Kölner Universitätsbibliothek, in denen ich stundenlang ohne Smartphone konzentriert mit Notizen auf Papier meine Ordner füllte. Meine tolle Freundin Nina Zywietz hat nun mit der Journalistin Silke Wichert ein Buch zu dem Thema zusammengetragen und lässt zu dieser kollektiven Nostalgie Experten zu Wort kommen. Es dreht sich um Tennis, den Otto-Katalog und FKK-Reiseführer der DDR:

1. Wie seid ihr auf die Idee zu dem Buch gekommen?

Wir haben beide länger im Ausland gelebt, da bekommt man einen anderen Blick auf die Heimat. Außerdem wurden wir häufig Dinge gefragt wie: Warum kleidet sich die Merkel nicht modischer? Warum sind die Hosenanzüge nicht wenigstens von Boss? Warum ist Public Viewing bei euch so ein riesen Ding? Vielen fiel zu Deutschland auch immer gleich Techno ein obwohl der Sound ja eben nicht hier entstand. So begannen wir, uns mit dem Thema zu beschäftigen und zu überlegen, welchen Stil die Deutschen haben und warum er so ist und nicht anders.

2. Was ist für euch persönlich “typisch deutsch”?

Das haben wir die Auslandskorrespondenten der The New York Times, des Guardians oder der La Vanguardia gefragt. Eine Antwort war: “In Deutschland sollte man davon ausgehen, dass Dinge verboten sind außer sie sind ausdrücklich erlaubt.” Das trifft es schon mal ziemlich gut.

3. Was hat die 80er und 90er so besonders gemacht?

Wir sind in der Zeit sozialisiert worden und natürlich ist für uns ein Bild aus “Wetten, dass…?”, wo die Spannbreite auf der Couch von Brigitte Nielsen über Peter O’Toole bis Sabine Christiansen reicht, untrennbar mit dem Samstagabend unserer Jugend verbunden. Gleichzeitig prägten diese Sendung und Thomas Gottschalk aber auch das Bild der deutschen TV-Unterhaltung im Ausland. Wir wollten aber nicht nur die “Vintage-Germans” zeigen. Im Buch gibt es auch viele aktuelle Bilder und Bezüge.

4. Was ist eure Lieblingsanekdote/-geschichte aus dem Buch?

Die Designerin Ayzit Bostan schreibt über “Becoming German”. Sie beschreibt wie es sich anfühlte, nach 44 Jahren einen deutschen Pass zu bekommen. Der Sohn des Parfummagnaten Herbert Frommen erinnert sich an ein Bild aus der deutschen Boomzeit des Parfums als Jil Sander bei ihm zu Hause auf der Couch saß während er daneben mit Verpackungen von Davidoff Cool Water, Joop! und Jil Sander spielte. Der Mann, der den einzigen FKK-Reiseführer der DDR verfasste die persönlichen Anekdoten sind unschlagbar.

5. Gibt es ein deutsches “Phänomen”, das sich durch alle Bereiche zieht?

Häufig erkennen wir etwas erst an, wenn es im Ausland Erfolg hatte, oder stehen bestimmten Dingen viel kritischer gegenüber als das andere tun. Die Scorpions etwa werden hier häufig auf peinliche Mauerfall-Barden reduziert, während Barack Obama so sehr Fan ist, dass er bei einem Deutschlandbesuch anfragte, ob sie nicht vielleicht auftreten könnten. Birkenstocks werden nicht hier, sondern regelmäßig in New York oder London wiederentdeckt. Vor ein paar Jahren wollte sogar Marc Jacobs eine Variante entwerfen, die Marke lehnte ab. Begründung: “Er wollte an die Sohle ran.” Bodenständiger geht’s nicht!

© THE GERMANS - STIL UND IKONEN EINER NATION von Silke Wichert & Nina Zywietz, erschienen bei teNeues, € 39,90

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Das Buch kann auf der Seite von teNeues hier erworben werden.
Eindrücke aus Nina Zywietzs Leben gibt es auf ihrem Instagram Account hier und aus Silke Wicherts Leben hier.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.