Ausstellung: Willem de Rooij „Whiteout“ in den KW

Left: Jeroen de Rijke/Willem de Rooij, I’m Coming Home in Forty Days (still), 1997, 16mm film. KW Institute for Contemporary Art, Berlin. ©The artist and Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York | Right: Exhibition Flyer KW Institute for Contemporary Art, Berlin

Das KW Institute for Contemporary Art zeigt mit Whiteout das Werk von Willem de Rooij vom 14. September bis 17. Dezember 2017

Die Berlin Art Week steht in den Startlöchern. Neben den rund 200 teilnehmenden Galerien, Privatsammlungen, den beiden Messen art berlin und Positions Berlin präsentieren auch die Museen und Kultureinrichtungen der Hauptstadt vom 13. bis 17. September 2017 ein eindrucksvolles Programm. Ein genauerer Blick lohnt sich vor allem auf die KW, in denen der niederländische Künstler Willem de Rooij die Problematik der Repräsentation in Bildern behandelt. In Zeiten von Fake News und Co. ist das Thema so aktuell wie nie.

Whiteout beschreibt ein meteorologisches Phänomen in Polargebieten, das zur Beeinträchtigung der Orientierung bis hin zu Schwindel führen kann: So weit das Auge reicht dehnt sich die schneebedeckte Fläche unter einer diffusen, weiß strahlenden Atmosphäre bis in die Unendlichkeit, der Horizont verschmilzt zu einem konturenlosen Terrain. Im Englischen bezeichnet der Begriff aber auch die weiße Flüssigkeit, mit deren Hilfe sich Texte und Bilder ausbessern und somit in ihrer Bedeutung verändern lassen, auch bekannt als Tipp-Ex. Insofern führt de Rooij mit dem Titel seiner Ausstellung in den KW geradewegs an die Basis seiner Betrachtung heran.

Im Zentrum von Whiteout stehen jüngere sowie zentrale Arbeiten von de Rooij aus den vergangenen zwanzig Jahren, die gemeinsam mit Jeroen de Rijke unter dem Namen de Rijke/de Rooij zwischen 1994 und 2006 entstanden sind. Ausgehend vom 16mm-Film I’m Coming Home in Fourty Days, der 1997 während der Umsegelung eines Eisbergs in der Diskobucht von Ilulissat im westlichen Grönland aufgenommen wurde, operieren beide Künstler mit der physikalischen wie sinntragenden Größe Zeit. Nach de Rijkes Tod im Jahr 2006 kehrte de Rooij 2014 erneut nach Ilulissat zurück, wo er das Geheul tausender Schlittenhunde aufnahm. Die Installation Ilulissat fängt diese über jegliche Dimensionen hinweg stattfindende Verständigung auf zwölf Lautsprechern ein. In den Hallen der KW treffen beide Arbeiten nun erstmals in einem Dialog über das Erkennen, Wiedererkennen und Erinnern zusammen.

Seit jeher gilt de Rooijs Aufmerksamkeit dem künstlerischen und medialen Bild als Container von Information und Bedeutung. In einem Interview sagte er einmal, er konsumiere Bilder wie andere Menschen Texte. Die Anordnung, Zirkulation und Vervielfältigung von Fotografie, Video, Ton, Skulptur und Text spielen in seinem Oeuvre ebenso eine Rolle wie die Lesbarkeit und Deutung von Bildern innerhalb der Dynamik der politischen und sozialen Kommunikation. Die beiden Installationen verdichten sich zu einem Destillat von Ilulissat, das die Klischees von Grönland bewusst auflöst. Statt eines malerischen Sehnsuchtsortes eröffnet sich eine dunkelgraue Eislandschaft, die durch den Bruch mit der medial vorgeprägten Erinnerung zu einer bedeutungslosen Coolheit gerinnt. Eine Verschiebung, die den Betrachter orientierungslos werden lässt und Zweifel am Bild per se hervorruft.

So geht es in der Praxis von Willem de Rooij, salopp ausgedrückt, immer auch um die Macht und Ohnmacht der Bilder. Die Ausstellung in den KW deckt ihre Inkonsistenz sowie kulturelle und individuelle Lesart auf und schärft unseren Blick dafür, wie essenziell das Infragestellen, Überdenken und Kontextualisieren von Bildern heutzutage geworden ist.

„Whiteout“ von Willem de Rooij ist vom 14. September bis 17. Dezember 2017 in den KW Institute for Contemporary Art in Berlin zu sehen. Das Opening findet im Rahmen der Berlin Art Week am Mittwoch, 13. September, um 19 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite hier oder auf dem eigenen Instagram Account (@kwinstitutefcontemporaryart) hier.

Mode, Kunst und Pop-Kultur bilden den Kosmos; das geschriebene Wort die Materie, in der sie alles zusammenbringt. Nach ihrem Studium zieht sie 2014 von Leipzig nach Berlin. Dort arbeitet Lola seitdem als PR Consultant und freie Journalistin für Publikationen wie L'Officiel, i-D und Material Magazine.