Ausstellung: Camille Henrot im Palais de Tokyo

"Sunday Night" | Exhibition view of Days are Dogs, Carte Blanche to Camille Henrot, Palais de Tokyo (18.10.2017 – 07.01.2018) Courtesy of the artist and kamel mennour (Paris/London); König Galerie (Berlin); Metro Pictures (New York) © ADAGP, Paris 2017 Photo: Aurélien Mole

Camille Henrot widmet sich mit Days are Dogs einem simplen wie fundamentalen System in unserem Alltag: den sieben Wochentagen. Ein Must-See!

Hundstage, Hundewetter, bekannt wie ein bunter Hund, des Pudels Kern oder Underdog – ein Hundeleben bietet offensichtlich viel Fläche für Interpretationen. So wie diese Redewendungen erschaffen wurden, um Ordnung in die Welt zu bringen, ist auch die Woche ein Konstrukt, das uns Halt beschert. Wir nehmen es hin, ohne zu hinterfragen.

Die Dauer eines Jahres berechnet sich aus der Umlaufbahn der Erde um die Sonne, die Monate orientieren sich an der Position des Mondes und die 24 Stunden eines Tages beziehen sich auf die Erdrotation. Im Gegensatz dazu – die Woche, reine Fiktion, ein von Menschen erdachtes, weltumspannendes Gebilde. Die sieben Tage einer Woche sind die grundlegende Basis unseres Lebens und sagen uns, was wir zu tun haben und wie sich das anzufühlen hat. So sangen The Cure schon 1992 Friday I’m In Love, John Travolta hat das Saturday Night Fever, Sonntage sind für ausgiebiges Frühstücken und Faulenzen bestimmt und so mancher Mondayblues scheint schlimmer als jede Midlife Crisis. Zwischen Montag und Sonntag liegt eben manchmal ein ganzes Universum.

Im Falle von Days are Dogs tut sich innerhalb einer Woche genau genommen ein ganzes Panorama menschlichen Daseins und dessen Determiniertheit auf. Jenseits des klassisch christlichen Weltverständnisses widmet sich Camille Henrot im Palais de Tokyo tiefer greifenden Ursprüngen, die unsere Existenz bis heute in eine einfach nachvollziehbare Struktur bringen. Gegliedert in sieben Teile verhandelt jeder Raum ihrer Ausstellung einen Tag der Woche, an dem Konventionen, Emotionen und die individuelle Freiheit gegeneinander ausgespielt werden.

Das Palais de Tokyo gewährt der Künstlerin dafür freie Hand und so bespielt sie das gesamte Gebäude auf 13.000 Quadratmetern. Nur angemessen, wird Camille Henrot doch als französischer Exportschlager gehandelt. In den raumgreifenden Installationen sind unter anderem Zeichnungen, Fresken, Filmarbeiten und Bronzeskulpturen der Künstlerin zu sehen. Begleitet werden sie von weiteren Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Avery Singer, David Horvitz und Samara Scott sowie Texten von Ben Eastham, Orit Gat, Haidy Geismar, Miranda Lash und Chris Kraus. Unter den präsentierten Arbeiten ist auch der Film Grosse Fatigue zu sehen, inspiriert von einem Kurzfilm von Ray und Charles Eames, mit dem die 39-Jährige im Jahr 2013 den Silbernen Löwen der Venedig Biennale gewann.

Camille Henrot liebt den Clash, das Übermaß und Gleichzeitige, hat keine Angst vor dem Banalen und lässt Positionen und Konzepte mit großem Tosen aufeinanderprallen. Auswattiert mit anthropologischen, psychologischen, religiösen und literarischen Ansätzen erforscht sie die Urgründe des Seins in kosmischen Dimensionen. So triumphiert die „Priesterin des Chaos“ letzten Endes über die Komplexität der Welt: „Als solche ist meine Carte Blanche eine Meditation über Abhängigkeit und Freiheit. Darüber, wie es sich mit den Kompromissen und dem Abändern unserer Ideale leben lässt. Gleichzeitig erzählt sie davon, unseren Idealismus zu bewahren und auf Veränderung zu hoffen.“

“Days are Dogs” von Camille Henrot ist noch bis zum 7. Januar 2017 im Palais de Tokyo in Paris zu sehen. Alle Informationen gibt es hier.

Mode, Kunst und Pop-Kultur bilden den Kosmos; das geschriebene Wort die Materie, in der sie alles zusammenbringt. Nach ihrem Studium zieht sie 2014 von Leipzig nach Berlin. Dort arbeitet Lola seitdem als PR Consultant und freie Journalistin für Publikationen wie L'Officiel, i-D und Material Magazine.