Ausblick: art berlin 2017

Installationsansicht Art Berlin, Manfred Pernice, © Stefan Korte / Galerie Jahn und Jahn | Imi Knoebel, Untitled, 1974, Courtesy of Galerie Jahn und Jahn GmbH

Zur art berlin zeigen sich die Galerien der Hauptstadt von ihrer besten Seite. Was ist neu und wer zeigt wo? Julia hat den Überblick

Aus der 2005 von einer Gruppe Berliner Galeristen gegründeten abc (art berlin contemporary) wird jetzt nach dem Zusammenschluss mit der Art Cologne die art berlin. Vom 14. bis 17. September zeigen 112 nationale und internationale Galerien aus 16 Ländern ihre Positionen und entwickeln damit den Grundgedanken des ursprünglichen Formats weiter. Um den Kunstbetrieb langfristig zu stärken und ihn wirtschaftlich stabil zu halten, wird entgegen der ursprünglichen Idee (nur ein Künstler, keine klassische Standarchitektur) auf Altbewährtes zurückgegriffen. Die Hauptstadt hat nun ihre eigene Messe.

Während der Pressekonferenz bestärkten sich die beiden Zugpferde der Initiativen, Maike Cruse, Direktorin der ehemaligen abc und des Gallery Weekends, und Daniel Hug, Direktor der Art Cologne, darin, dass der Zusammenschluss das Beste aus beiden Welten zusammenbringt. Das Rheinland ist mit seiner ökonomischen Stabilität der adäquate Gegenpol zum experimentellen Berlin, das die größte Dichte an Galerien in Europa verzeichnen kann.

 

Dass es jedoch für kleine und mittelgroße Kunstbetriebe von Jahr zu Jahr schwieriger ist, zu bestehen, zeigen die nicht enden wollenden Nachrichten über Schließungen, was die Branche zwingt, um- und neu zu denken. Und so finden sich in den Hallen gute und vor allem zeitgemäße Positionen, die der manchmal aufkommenden Quotendebatte komplett den Wind aus den Segeln nehmen: das Internet-Phänomen Amalia Ullmann bei Deborah Schamoni, das laut der New York Times “Nicht It-Girl” Emily Sundblad bei der Galerie Neu und die gefeierte amerikanische Porträtmalerin Alice Neel bei Aurel Scheibler. Erfreulicher Neuzugang: Gillmeier Rech, die seit 2013 Ausdauer beweisen und unter anderem den 1984 in Bogen geborenen Künstler Max Schmidtlein zeigen.

Beeindruckend motiviert sind die Beteiligten am Morgen der Preview gewesen. Gelobt wurde das Engagement von Outset Germany Switzerland, die zum zweiten Mal einen Ankauf für ein Museum möglich machen: Dieses Jahr geht eine Arbeit von Julien Charriere und Julius von Bismarck der Galerie Sies & Höke an das Sprengel Museum in Hannover. Fernab der Hallen am Gleisdreieck erwarten die Besucher darüber hinaus in den Folgetagen weitere Highlights: Zusammen mit niche Berlin wird ein hochkarätiges Programm geboten, das Atelierbesuche (zum Beispiel bei Thomás Saraceno, Karin Sander und Gregor Hildebrandt), Performances und Panel Diskussionen beinhaltet. Um den Freitagabend herum eröffnen zahlreiche Galerien, sehenswert sind demnach Sprüth Magers mit Barbara Kruger/Llyn Foulkes/Jon Rafman, Galerie Barbara Weiss mit Harun Farocki, Helga Maria Klosterfelde Edition mit Fiete Stolte und die Galerie Konrad Fischer feiert 50-jähriges Bestehen.

Die Kunstmesse art berlin findet von Donnerstag bis Sonntag, 14. bis 17. September, in der STATION BERLIN, Luckenwalder Straße 4 – 6, 10963 Berlin statt.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite von art berlin hier, sowie auf Facebook und Instagram (@artberlinfair).

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.