Women We Love: Roberta Benteler

Roberta Benteler ist die Frau hinter dem Onlineshop Avenue32. Eine Powerfrau über ihren Werdegang

Piffi aka Roberta Benteler ist und war quasi eine Liebe auf den ersten Blick. Über Freundinnen haben wir uns damals in London auf ein Blind Date im Electric House getroffen und am hellichten Tag komplett die Zeit vergessen. Damals war ihr Onlineshop Avenue32, den sie zusammen mit ihrer Schwester Maya betreibt, quasi noch in den Kinderschuhen. Mich beeindruckte damals schon ihr revolutionärer Ansatz, doch bitte genau eher die kleineren und experimentellen Labels (in Kombi mit den etablierten) zu fördern, als immer das nächste große Ding sein zu wollen. Dass das viel Zeit und Geduld erfordert und die Motivation, bei jedem, der es hören will, Aufklärarbeit zu leisten, verstand ich nicht erst nach zwei Kannen grünem Tee ganz von selbst.

Seitdem ich eine ganze Ecke Zeit verstrichen und jedes Mal, wenn wir uns sehen, ist es noch wie an diesem Morgen in England. Heute kommt sie hier zu Wort und erzählt ihre Geschichte nochmal von ganz von vorn:

Die Idee zu Avenue 32 entstand während ich für eine junge Londoner Designerin arbeitete. Zu der Zeit war ich schon begeisterter Onlineshopping-Fan, leider war es zu der Zeit fast unmöglich, junge Designer wie Christopher Kane oder Erdem online oder offline zu kaufen. Vorher habe ich ein paar Jahre in London und New York im Private Equity Sektor gearbeitet, mit dem Ziel, irgendwann in die Strategy bei LVMH zu wechseln.

Durch meine Arbeit bei der jungen Designerin wurde mir klar, dass das nicht nur für mich als Kundin, sondern auch für die Designer wahnsinnig frustrierend war, dass es schwer war, sie in den Läden zu finden – also beschloss ich eine Online-Plattform zu gründen, die neben den großen Namen auch junge und unbekannte Designer kuratiert. Avenue32 steht in erster Linie fürs Entdecken – von neuen Designern, von etablierten Designern, in die man sich neu verliebt, weil Avenue32 die Teile hat, die sonst niemand hat etc.

Mit Avenue32 hab ich nicht nur meinen Traum verwirklicht, sondern auch meinen Traumjob geschaffen – aber das beste ist die Arbeit mit unserem fantastischen Team, es ist meine zweite Familie geworden. Gleich danach kommt das Entdecken von neuen Brands auf Reisen oder während der Modewochen.

Der größte Erfolg ist für mich ein so starkes und motiviertes Team zusammengebracht zu haben. Ein wahnsinniger Erfolgsmoment war aber auch der Tag, an dem wir (noch nicht ein Jahr alt) von der britischen Vogue auf den 2. Platz der 100 besten Online Retailer gewählt wurden, gleich nach Net-A-Porter.

Mein Vater war und ist mein wichtigster Mentor, wenn es um das Geschäftliche geht. Er ist selbst Unternehmer und gibt mir viel Rat zu Themen wie Leadership, Unternehmenskultur und Strategie. Was den Mode-/Kreativteil angeht, habe ich Maria Lemos, Gründerin des Showrooms Rainbowwave, viel zu verdanken, da sie immer für uns gekämpft hat und wir es ohne ihre Ratschläge und ihr Vertrauen sehr schwer gehabt hätten.

Bei ihr habe ich zum Beispiel auch gelernt, was wichtig ist, wenn man Labels für den Shop aussucht: Bei mir muss es eine emotionale Reaktion sein, sowas wie Liebe auf den ersten Blick. Für das Rationale ist Stephen unser Fashion Director, zuständig. Ich glaube, deshalb sind wir so ein gutes Team. In der nächsten Saison sollte man also diese Labels besonders im Auge behalten: Thomas Tait, Y/Project, Annelie Schubert, Charlotte Chesnais und Koché!

Der Standort London spielt eine wichtige Rolle. Hier ist die Geburtsstätte der Europäischen Ecom Branche, was soviel heißt wie die Präsenz einer idealen Infrastruktur mit Software Firmen, Fotostudios, aber auch erfahrener Arbeitskräfte. Obendrein ist London auch in Punkto Mode mittlerweile eine der wichtgsten Städte und der größte Teil unserer Designer residiert hier. Und so schwer das für mein deutsches Herz ist: Die deutsche Mode ist mir im Gegensatz zu alledem einfach zu seriös. Es fehlt mir das Verspielte, das Verrückte…

Und ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, in einer anderen Stadt zu leben. Ich habe viel Zeit in Städten wie Paris, Madrid, Barcelona und New York verbracht, aber keine hab ich so geliebt wie London. Ich bin jetzt seit fast 20 Jahren hier und liebe die Stadt mehr und mehr. Sie ist einzigartig, indem sie zugleich wunderbar traditionell und irre kreativ ist. Hier findet also mein erfüllendes Berufsleben statt; wenn ich nicht arbeite, was selten ist, tue ich alles, um soviel Zeit wie möglich mit Freunden und Familie zu verbringen!

Ich liebe es, meine Eltern in Salzburg zu besuchen und das ganze Wochenende im Wald mit den Hunden zu verbringen und nur Boyfriend Jeans, Turnschuhe und Kaschmirpullis meines Vaters zu tragen. Das Anti Fashion Programm, sozusagen. Außerdem koche ich wahnsinnig gern.

Wenn ich dann mal eine Minute habe, mir über die Zukunft Gedanken zu machen, zum Beispiel, wie das alles so in fünf Jahren aussieht (was für sich für mich an diesem Punkt wie eine absolute Ewigkeit  anfühlt), steht wohl erstmal auf der Agenda: Break-Even, externes Investment und ein Warehouse in den USA. Entgegen aller Skepsis würde ich trotzdem jedem, der gründen möchte, mit auf den Weg geben: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!”

Fotos: Juliane Späte
©Alex de Brabant

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.