Women We Love: Lucia Santina Ribisi

© Collage / Julia Zierer

Früh da zu sein, sogar noch bevor alle anderen es mitbekommen, ist ein Aspekt meines Berufes, der mich bei Laune hält – so sehr ich das Internet wirklich in manchen Momenten verfluche und (in Anflügen von grandiosem Übermut) mit dem Gedanken spiele, ihm irgendwann komplett den Rücken zuzukehren. Lucia Ribisi ist eine dieser Personen, die mich nicht nur unglaublich inspirieren, sondern in mir auch die Liebe zur digitalen Welt wieder neu aufflammen lassen.

Während meiner ersten Wochen als Consultant bei L’Officiel bekam ich vom Editor-at-Large Joachim Bessing den Auftrag, mich mit Lucia Ribisi in Berlin zu treffen. Sie sei a. eine Empfehlung von der wunderbaren Alexa Karolinski und b. gerade zufällig in Berlin. Es war allerdings Sommer, beide, Lucia und ich, mit nackten Beinen und kurzen Röcken vom Sog der Stadt erfasst, da schafften wir es einfach nicht, uns auch physisch zu treffen. Doch auch mit ihr zu sprechen gestaltete sich als schwierig, da es für amerikanische Handys nur begrenzt Zugang zu den WLANs dieser Welt gab und so telefonierten wir das erste Mal miteinander, als in einem entlegenen Winkel Südfrankreichs die Technik mit uns gütig sein wollte.

Wir sprachen über den Plan, dass sie während ihrer Europareise ein Videotagebuch führen sollte. Ohne richtige Kamera, ohne klares Skript. „Fahr bitte einfach weiter und filme das, was dir auffällt. Um den Edit kümmern wir uns später“, war mein „Briefing“ für sie. Große Freude am anderen Ende der Facetime Konversation, es folgten Updates via SMS. In der intensiven Reisephase, und auch nach Ankunft in ihrer Heimat Los Angeles, hielt sie mich auf dem Laufenden. „Gott, bin ich froh, wieder zu Hause zu sein“, jauchzte sie ins Telefon, als sie wahrscheinlich an irgendeinem Pool in Beverly Hills stand. Oder sich auf den Weg zu ihrem neuen Praktikumsplatz machte.

Die ersten beiden Diaries stellten wir live, exakt so, wie sie mir diese geschickt hatte: ungefiltert. Und irgendwann trudelte eine Mail von Saint Laurent in mein Mailfach mit der Info, dass Lucia an der Surf Sound Collection mitgewirkt hatte. Ich gratulierte ihr natürlich, so wie sie mir zu meinem Geburtstag ein Foto mit einer Torte schickte, die nicht mehr Lucia hätte sein können.

Manchmal fasse ich es nicht, dass dieses Bündel an guter Energie, so wertvoll an Gedanken, die aus ihrem Kopf kommen, erst 18 Jahre alt sein soll. Sie bleibt in Hedi Slimanes Dunstkreis und drehte jetzt zur Show in Lalaland seine dafür konzipierten Trailer. Ein kurzer Ausflug in die Welt der Luxusmode, so fühlt es sich an. Bleibt bei allem dennoch die Zuversicht, dass sie eh mit dem weitermachen wird, was ihr wichtig ist. Die Teenvogue nahm sie auf in die Gruppe der “Power Girls”, die “New Faces of Feminisim”. Die Signatur in ihren Mails, “Teen Artist”, könnte treffender nicht sein. Mit Spannung bleibt also zu erwarten, was da noch kommt.

“Last year I was presented with a lot of wonderful gifts, this year is about doing something valuable with them”, sagt sie auf Instagram mit bezeichnender Bescheidenheit, ein Ergebnis wunderbar guter Erziehung, wie mir scheint. Und wer die Geduld nicht hat, darauf zu warten, was sie als nächstes Tolles kreiert, kann zwischendurch einen Blick in meinen Alltime Lieblingsfilm Lost in Translation werfen. Da spielt ihr Papa Giovanni Ribisi nämlich den Rockstar-Freund von Scarlett Johansson. Und dann macht am Ende doch alles Sinn.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.