Women We Love: Jeanne Tremsal, Le Petit Royal

©Julia Zierer

Es geht hier in diesem Text natürlich schon auch um das Le Petit Royal, dem neuen Restaurant im Berliner Westen. Nach dem Grill Royal in Mitte, dem Pauly Saal und dem Dottir ist es das vierte Projekt von Stefan Landwehr und Boris Radczun. Hier stimmt natürlich alles: die detailgetreue und liebevolle Inneneinrichtung, die Speisekarte, die Auswahl der Weine, der Mix an Gästen.

Doch dann treffe ich Jeanne Tremsal, die Quereinsteigerin, die den Anlaufpunkt hier in der Grolmanstraße leitet. Während ich versuche, das Interview am Nachmittag mit dem Handy aufzunehmen, müssen wir ein paar Mal unterbrechen. Die Mitarbeiter wollen Entscheidungen, eine Freundin, die um die Ecke wohnt, kommt vorbei und bestellt einen Tisch für den nächsten Tag. Hektisch für die eine, die gewünschte Herausforderung für die andere. Bis es zu diesem neuen Lebensabschnitt kam, war Jeanne Schauspielerin. Mit einer kurzen Unterbrechung, in der sie in einer Galerie gearbeitet und gemerkt hat: “Ah, das kann ich also auch.” Der erste Schritt in Richtung Horizonterweiterung war getan.

Wir philosophieren eine Weile darüber, wie hilfreich es ist, sich im Leben mit einem gewissen eigenen Werkzeugkasten an “Skills” anzueignen, der einen in jeder Lebenslage trägt. Sie habe einst mit ihrem Cousin, der Koch ist und in Paris lebt, diesen Traum gehabt, irgendwann ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Er in der Küche, sie am Empfang und Schreibtisch. Mitten in den ersten konkreten Vorbereitungen sein Anruf: “Du, ich pack das nicht”, und kurze Zeit später das Angebot von Stefan und Boris, doch einfach hier mitzumachen. Seitdem steht das gewohnte Leben Kopf, erst Baustelle, dann Opening, heute von morgens um 9 bis abends teilweise 3 Uhr nachts.

An den Wochenenden steht sie da, lächelnd, entspannt in High Heels. Lernt täglich dazu, was es heißt, Chefin zu sein. Ansagen zu machen, das Team an männlichen Mitarbeitern zu leiten, das im Zweifel sogar noch mehr Erfahrung in der Gastronomiebranche hat als sie. “Als Schauspielerin lernst du, dich anzupassen. Immer nett zu sein, bloß nicht die eigene Meinung am Set sagen, sonst bist du direkt die Diva. Das ist hier natürlich jetzt ganz anders.”

Wenn um 18 Uhr dann die ersten Gäste kommen, zieht sie sich um und schlüpft mit der Uniform quasi in die neue Rolle. “Ich habe gemerkt, dass ich nicht ständig eine Kamera vor meinem Gesicht brauche, um glücklich zu sein”, erklärt sie und als ich sie dann am gleichen Abend in Aktion sehe, während der Laden unter der Woche bummsvoll ist, weiß ich, was sie meint. “Ich bin sehr schnell gelangweilt von Dingen und ich liebe es, ins kalte Wasser zu springen. Hier kann ich neue Erfahrungen sammeln und in eine Welt eintauchen, die ich vorher so nicht kannte, die mich aber gereizt hat.”

Wie lange sie hier wohl bleiben wird, frage ich mich insgeheim, während wir reden. Die Antwort gibt sie, ohne, dass ich fragen muss: Am Wochenende sei sie auf dem Weg nach Wien, das erste Mal seit der Eröffnung vor ein paar Wochen raus aus Berlin. Da trifft sie einen Produzenten, der nächsten Sommer ihr Drehbuch, dass sie gemeinsam mit Christopher Roth geschrieben hat, verfilmen wird. Das Thema? Die letzten drei Jahre der umstrittenen Kommune des Aktionskünstlers Otto Muehl, und zwar aus der Sicht eines 13-jährigen Mädchens: “Es ging mir darum, zu beschreiben, wie es damals war, die Welt, wie ich sie kannte, ohne zu werten und ohne die Außenwelt zu kennen inklusive dem Moment, in dem man realisiert, dass das alles vielleicht doch nicht so paradiesisch war.” Die Rolle selbst spielen wird sie aber nicht, ebenso auch nicht ständig am Set sein. “Es soll ja am Ende auch Fiktion sein, dazu muss ich loslassen und es in die Hände der anderen Beteiligten geben”, sagt sie und verabschiedet sich freundlich, es gibt noch viel vorzubereiten, bis die Türen öffnen.

RESTAURANT UND BAR

GROLMANSTRASSE. 59, 10623 BERLIN
OFFICE@LEPETITROYAL.DE
030 33 00 60 750

MONTAG BIS SAMSTAG
AB 18:00 UHR

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.