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Women We Love: Dalad Kambhu

Dalad Kambhu & Rirkrit Tiravanija

Dalad Kambhu beschlagnahmt mit Rirkrit Tiravanija für zwei Wochen das Berliner Restaurant Dóttir – für die Idee des Food Sharings mit zeitgenössischer thailändischer Küche

Ein paar Minuten zu früh kam ich im Dóttir in Mitte an, die Tür stand weit offen. Es ist elf Uhr morgens, das Team des Restaurants ist mit ersten Erledigungen beschäftigt. Dalad Kambhu kommt auf ihrem Fahrrad angerast, komplett in weiß gekleidet. Wir bleiben vor der Tür, setzen uns auf zwei Stühle am Bordstein, damit mir die New Yorkerin mit thailändischen Wurzeln etwas mehr zu ihrem Pop-up-Projekt mit dem in Argentinien geborenen Künstler Rirkrit Tiravanija erzählen kann. Dieser ist leider noch in Dreharbeiten für einen Film eingespannt.

Wie hast Du Rirkrit kennengelernt?

Wir haben uns auf meiner ersten Reise nach Berlin kennengelernt. Ich war auf einer Rucksacktour mit Koffer in Italien unterwegs. Ich wollte in Italien sein, Pasta essen, aber gelangte irgendwie, irgendwann nach Berlin. Es war so grau und dunkel hier, dass ich mich nicht augenblicklich in die Stadt verliebte.

Während dieser Reise besuchte ich auch das Grill Royal auf einen Drink inklusive Dinner und ein wundervoller Mann namens Martin fragte mich, ob ich diesen großartigen Künstler mit thailändischen Wurzeln kennen würde, der Rirkrit hieße. Ich erwiderte, dass ich diesen Namen bereits viele Male gehört, ihn aber nie persönlich kennengelernt hätte. Später stellte mir Martin mit einem anderen Mann Rirkrit vor. Ich erfuhr später, dass es sich bei dem anderen Mann um Ólafur Elíasson handelte. Und wie sich herausstellte, kannte Rirkrit sogar meinen ersten Freund in der High School, damals war ich 15. Es sollte wohl so sein.

Wie kam es zu der Idee, hier ein Pop-up-Restaurant auf die Beine zu stellen?

Ich habe für Moritz vom Grill Royal ein Abendessen gekocht, er mochte es so sehr, dass als sie jemanden für die Küche brauchten – weil Victoria Eliasdóttir nach Hongkong ging – ich dachte: ‘Warum nicht Rirkrit und ich – wir kommen vorbei und versuchen es einfach?’ Und Rirkrit war einverstanden, also trafen wir uns einfach und probierten gemeinsam Rezepte aus und kamen dann auf dieses Menü [Deshalb empfehlen die Köche, als Gruppe das Pop-up-Restaurant zu besuchen, Anm. d. Red.]. Moritz war bei alldem eine große Hilfe.

Welche Idee steckt dahinter, sein Essen zu teilen? Was bedeutet Euch das persönlich?

Die Sache ist, dass dies in der sogenannten westlichen Welt ziemlich neu ist – sogar in Amerika. Okay, New York ist eine weltoffene Stadt und viele Kulturen üben ihren Einfluss aus, deshalb ist es in dieser Stadt wiederum nicht so ungewohnt.

Wenn Du in Thailand isst, hast Du hast etwas Reis in der Mitte Deines Tellers und die restlichen Speisen teilst Du Dir mit anderen, das ist völlig normal. Meist hast Du fünf Gerichte in der Mitte, von denen alle essen. Als wir uns das Dóttir anschauten, wollten wir es im “Thai Family Style” angehen und ich denke, das ist für Deutschland ein wenig neu – wie auch für Berlin.

©Instagram.com/dottir_restaurant

Warum ist das Dóttir der richtige Ort für dieses Projekt?

Ich bin ein großer Fan des Dóttir. Für mich zählt auch die Atmosphäre, wenn man auswärts zu Abend isst. Ich meine, man kann sich auch zuhause ein großartiges Essen zubereiten, aber wenn man ausgeht, bildet das Erlebnis bzw. die Atmosphäre im Restaurant ein weiteres wichtiges Element. Sie kann Dich in diesen einen Moment tragen, aber Du spürst, dass Du in Berlin bist. Es ist irgendwie romantisch und schön zugleich, und auch ein bisschen hipper.  

Wird es bei diesem einen Mal bleiben oder kannst Du Dir vorstellen, eine Dinnerserie daraus zu machen?

Kochen und Dining-Erebnisse zu kreieren sind meine große Leidenschaft. Bisher lieben es die Leute und das Feedback war wundervoll. Also ja, die Zusammenarbeit von Rirkrit und mir läuft ziemlich gut. Und wir kommen gemeinsam auf so wundervolle Dinge, dass es tatsächlich weitere Möglichkeiten für Zukünftiges eröffnet.

Du kommst aus New York, wie nimmst Du die Foodszene in Berlin wahr? Auf welche Art bereichert Euer Projekt sie?

Ich denke, Berlin bietet mehr Raum, um zu experimentieren und Fehler zu machen, auf seltsame Art. Aber es ist im Grunde gut, weil man deshalb weniger Angst hat, etwas anzupacken. Und das ist es, was mich daran interessiert.

Leider kann Rirkrit nicht bei dem Interview dabei sein, weil er an einem Film arbeitet, in dem Du ebenfalls auftrittst. Kannst Du uns mehr dazu erzählen?

Er filmt dieses Projekt und er hat mir gesagt, dass die Leute sich wünschen, dass ich das Catering übernehme und ob ich es machen wollte. Ich sagte ‘Klar!’, und dann sagte er: ‘Kannst Du auch im Film auftreten?’ Aus diesem Grund tauche ich eben kurz darin auf.

Was magst Du am meisten an Eurer Zusammenarbeit?

Es ist eine Mischung aus ihm und seinen großartigen, unerwarteten Ideen. Die Sachen, die er macht, sind ziemlich genial, all diese kleinen Dinge und Einfälle. Manchmal arbeitet man mit Leuten zusammen, die so viel Druck ausüben, dass man gar nicht mehr kreativ sein kann. Aber mit ihm, denke ich, bin ich immer noch kreativer.

Wie hast Du das Menü ausgesucht?

Nun, es ist zeitgenössische Küche. Ja, es ist auch eine sehr alte Art zu kochen, aber diese Tradition ist für mich eben eher zeitgenössisch. “Warum machen wir für unser Pop-up-Restaurant nicht zeitgenössisches Thai-Essen?”, fragte ich also. Und das führte auch dazu, dass wir zusammenkamen und begannen zu experimentieren mit gemeinsamen Gerichten.

Ich wollte zum Beispiel eigentlich Papaya Salat – aber wir wollen keine Papaya importieren, weil ich es so viel wie möglich vermeiden möchte, importierte Produkte (außer Gewürze und Kräuter) zu verwenden, deshalb sind auch so ziemlich alle Speisen von hier. Unsere Freundin Gisella aus New York sagte: “Ich liebe Kohlrabi!” Kohlrabi! Das ist es! Also versuchte ich, Kohlrabi zu verwenden und experimentierte damit herum, ihn auf verschiedene Arten zu schneiden, um zu sehen, wie er gut mit dem Dressing funktionieren würde. So fügte sich alles zusammen.

Dóttir
Mittelstraße 41 
10117 Berlin
030-3300 607 60

Instagram @dottir_restaurant

Übersetzung: Nella Beljan