Women We Love: Mafalda Millies

© Jessica Barthel

Mafalda Millies hat ursprünglich Politik studiert – heute lebt sie als erfolgreiche Art Direktorin in New York

Vor ein paar Jahren saß ich mit Maffi (jetzt 28 Jahre jung) bei einem Freund in der Küche – da erzählte sie mir noch, dass sie gar nicht so genau wisse, was sie nach ihrem Politikstudium machen wolle. Vor einer Weile traf ich sie in New York, wo sie mittlerweile lebt, und bin ganz begeistert: so ein Allroundtalent! Nachdem sie, ihren Abschluss frisch in der Tasche, einen erfolgreichen Kurzfilm gedreht hat, ist sie bei einem Musiklabel gelandet, für das sie die Kreativkampagnen entwickelt. Und on top hat sie als Art Direktorin gemeinsam mit Roya Sachs eine Performance verwirklicht, die auf einem experimentellen Ballettstück des Malers und Bildhauers Oskar Schlemmer beruht. Aber lassen wir Mafalda Millies selbst zu Wort kommen! Im Folgenden erzählt sie von ihrem Werdegang.

Ich bin Regisseurin und Art Direktorin und lebe in New York City. Als Kreativ Direktorin arbeite ich bei C3 Management einer Musikmanagement Firma mit Sitz in NYC, L.A., Nashville und Austin – bei der etwa The Strokes, NAS, Future, The Head and the Heart und MS MR unter Vertrag sind. Meine Aufgabe ist es, das komplette kreative Konzept für die Kampagnen der Alben unserer Künstler zu entwickeln wie auch ihre Musikvideos zu drehen; jüngst war das Wrong Victory von MS MR.

Gerade habe ich auch die Art Direktion für eine kontemporäre Performance, die von Oskar Schlemmers Triadisches Ballett (1922) inspiriert ist, übernommen, in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Roya Sachs. Virtually There zeigt auf, wie Technologien und neue Medien unsere zeitgenössische Kultur beeinflussen und einen mentalen wie physikalischen Wandel einläuten. Das originale Ballettstück hat den Einfluss, den die Kultur der Maschinen und die industrielle Revolution seinerzeit auf die Gesellschaft hatten, untersucht und über eine neue Art der Synthese, die sich zwischen Mensch und Maschine entwickelt hat, reflektiert. So ähnlich stellt Virtually There die Geburt einer neuen harmonischen Co-Abhängigkeit zwischen Menschheit und digitaler Welt dar.

Direkt nachdem ich meinen Master an der University of Texas in Austin abgeschlossen hatte, habe ich bei dem Kurzfilm Darknet Delivery Regie geführt, der schließlich auf dem South by Southwest Festival gezeigt wurde. Während ich auf dem Festival in Austin war, wurde mir das C3 Management Team vorgestellt, das gerade jemanden mit einem Background in Sachen Film suchte, der gern die Kreativ Direktion übernehmen wollte und sich für Musik begeistert. Ich habe direkt zugesagt.

Das Virtually There Projekt hingegen kam zustande, als meine Zimmergenossin Roya Sachs und ich unsere gemeinsame Liebe für das Bauhaus entdeckten – und insbesondere Oskar Schlemmers Beitrag dazu. Unser beider Hintergrund ist multidisziplinär geprägt und wir zwei begeistern uns für generell alle Arten der künstlerischen Zusammenarbeit. Von Schlemmers Kooperation inspiriert, verbindet unsere Performance den Bereich Technologie mit Kunst, Design, Musik und Tanz, indem wir Künstler und kreative Vordenker aller Coleur eingeladen haben, verschiedene Teile der Produktion zu übernehmen.

An der Performance haben mitgearbeitet: Choreographie von Karole Armitage, der Ikone  und ‚Punk Ballerina‘; Kostüme vom berühmten brasilianischen Designerduo Campana Brothers; Inszenierung von den Künstlern der Whitney Bienniale, Kate Gilmore und Heather Rowe; Musik vom französischen Underground Komponisten Charles Derenne; und die Kreativ Produktion stammt von den technologischen Vorreitern von MATTE Projects.  

Ich bin in einem sehr kreativen Zuhause aufgewachsen. Meine Mutter ist eine Sammlerin von  absolut allem und jede Ecke in unserem Haus wirkt wie ein kleines Stillleben, bis hin zu so mondänen Aspekten wie dass der Aschenbecher mit dem Lampenschirm am anderen Ende des Raumes korrespondiert. So bizarr und anstrengend zwangsneurotisch mir das als Heranwachsende vorkam, bin ich fest davon überzeugt, dass es mir ein natürliches Gefühl für und die Freude am Einrichten, Kombinieren und Anordnen vermittelt hat.  

Ich würde sagen, was mich in meinem Werdegang am meisten beeinflusst hat, war meine Zeit in Austin, Texas, als ich an der University of Texas studiert habe. Die Menschen dort sind so unfassbar inspirierend, weltoffen und sie unterstützen einen. Es ist eine völlig andere Mentalität als alles, was ich bis dahin erlebt hatte. Dort zu leben hat mich ermutigt, das zu machen, was ich wirklich gern mache, ohne mich zu sehr zu sorgen oder mich selbst zu Ernst zu nehmen.

Was ich an meinem Job am meisten liebe ist, dass er so vielseitig ist! Mit Musikern und Künstlern zusammenzuarbeiten, die komplett unterschiedliche Vorstellungen, Visionen und Talente besitzen, ist unfassbar inspirierend. Es erlaubt mir, mit vielen unterschiedlichen Medien wie auch Industriezweigen (Musik, Kunst, Theater, Mode, Technologie, Philantropie und darüber hinaus) kreativ zu arbeiten. Ich liebe die Herausforderung, Welten miteinander zu verweben und etwas Einzigartiges und Erinnerungswürdiges zu erschaffen. Mein Tagesablauf variiert also je nach Projekt. Mein Tag kann daraus bestehen, aufzuschreiben, wie Musikvideos und Konzerte aufbereitet werden sollen, Locations zu scouten, beim Kostümdesign mit Künstlern zusammenzuarbeiten, Konzepte für Logos zu entwickeln, Künstler für das Artwork unserer Alben zu finden, Regie zu führen…

Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich eine so großartige Truppe von unfassbar kreativen Freunden um mich habe und mit ihnen zusammenarbeiten darf. Konzepte zu entwickeln, zu kuratieren und Virtually There mit Roya im letzten Jahr auf die Beine zu stellen, das war eine unglaublich bereichernde Erfahrung für mich.

Ich kann wirklich nicht mehr ohne meine talentierte Freundin, die Regisseurin Bettina Santo Domingo, zusammenarbeiten, mit der ich jeden Tag brainstorme und mit der ich das Kollektiv namens STARECASE betreibe. Ich liebe es auch, mit Alexandra Cronan zusammenzuarbeiten, einer Stylistin mit Schwerpunkt Musik. Auch meine brillante Freundin Annina Pfuel, eine Designerin, die hauptsächlich für Opern arbeitet, die aber die außergewöhnlichsten und einzigartigen Kostüme für die Kurzfilme und Musikvideos gemacht hat, bei denen ich Regie geführt habe die Pelzanzüge in Wrong Victory von der Band MS MR, zum Beispiel, hat sie aus 50 Perücken von Hand genäht. Mit der Sängerin Lizzy Plapinger von MS MR zu arbeiten, ist ebenfalls die reinste Freude; ich verehre ihre künstlerische Vorstellungskraft dermaßen und absolut.

Darüber hinaus bin ich immer noch sehr verliebt in New York. Morgens zur Arbeit zu gehen und zu sehen, wie die Stadt erwacht, freut mich noch immer jeden Tag aufs Neue. Die Weltoffenheit und der Enthusiasmus allerorten (und jedermanns ureigener Tatendrang) hat mich definitv ermutigt, die Herausforderung anzunehmen und auch mir weniger geläufige Medien und Industriezweige zu erkunden. Ich denke, dass Virtually There in einer anderen Stadt auch nicht dieselbe Unterstützung erfahren hätte. Es ist solch ein Kind der Leidenschaft und die Leute sind in das Projekt eingestiegen, weil sie die Idee so super fanden, auch wenn es das Risiko barg, dass man man auf die Fähigkeiten eines jeden Einzelnen vertrauen musste, der mit involviert war.

Wenn ich in die Zukunft blicke, würde ich mich sogar gern noch mehr in interaktive Projekte, in denen Video, Sound, Performance, Kunst und Technologie zusammenkommen, involvieren; Leute zu diesen Kollektiverfahrungen einladen und, hoffentlich, damit einen neuen Dialog kultivieren.

Die Performance wird von Performa Visionaries ausgerichtet und feiert diesen Samstag, den 19. November 2017 im Mana Contemporary Premiere. Tickets kann man hier kaufen. Ein Shuttle Service ab bzw. zu den Milk Studios in Manhattan ist eingerichtet.

Mehr über Mafalda Millies gibt es hier.

Milk Studios

450 W 15th St 8th fl
New York NY 10011

Mana Contemporary

888 Newark Ave.
Jersey City, NJ 07306

©Alex de Brabant

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.