Tailor made: Hinter den Kulissen bei Kym Ellery

Im zweiten Teil unserer Serie “Reveal the Iconic You” haben wir den Showroom von Kym Ellery in Paris besucht. Hier das Interview mit der australischen Designerin; produziert in Zusammenarbeit mit smart

Meine Reise führte mich dieses Mal nach Paris, um zusammen mit dem smart BRABUS tailor made Programm meine Faszination für ikonischen Style und die Möglichkeiten von Individualisierung zu erkunden – zum nächsten Stopp unserer insgesamt vierteiligen Serie, dieses Mal unter dem Thema „Form“. Die Idee der Form ist zentral für hochwertige Textilien und natürlich musste ich deshalb direkt an eine australische Brand denken, deren Silhouetten sofortigen Wiedererkennungswert besitzen.

Wir erreichten das Studio von Kym Ellery mitten in den Vorbereitungen für die nächste Show, nichtsdestotrotz wirkt die australische Super-Designerin wie die Ruhe selbst, freundlich und noch dazu ziemlich gefasst. Ich verliebte mich fast vom Fleck weg in sie – genauso wie mein All-Star-Team, bestehend aus Julia Zierer hinter der Kamera, Catarina Teles am Ton und #Bosslady Julia Knolle im Regiestuhl.

Man wünscht sich direkt, Kyms beste Freundin zu sein. Denn sie hat einfach alles: Ein ansteckendes Lachen, unangestrengte Lässigkeit und sie besitzt die bewunderswerte Fähigkeit, ziemlich, ziemlich viele Fragen souverän zu beantworten! Kym ist ein nicht versiegender Quell der Inspiration.

Kym Ellerys gute Energie nimmt uns schon in ihrem Showroom vollkommen ein – ihr Studio ist übrigens ein klassisches Juwel von Haussmann, dem berühmten Pariser Stadtplaner aus dem 19. Jahrhundert, und ist über und über mit Boxen und Boxen (und Boxen!) angefüllt, in denen die Samples für Ellerys Kollektion Frühjahr / Sommer 2017 enthalten sind. Alle Teile werden im australischen Sydney produziert, wo sie ihr Label unter ihrem eigenen Namen gegründet hat.

Ganz abgesehen von dem immensen Arbeitspensum, das Kym und ihr Team bewerkstelligen – eine Show vorzubereiten beinhaltet, neben vielen anderen Aufgaben, aufwendige Posten wie das Styling der Kollektion sowie die geeigneten Models zu casten – durch ihre Begeisterung und ihren Enthusiasmus wirkt all das bei Kym Ellery jedoch fast wie ein Spaziergang. Oder vielleicht in diesem Fall besser gesagt wie eine “aufregende Runde im Boxkampf”. Man sieht der Australierin wirklich an, dass sie jede einzelne Sekunde in ihrem Job genießt, und es ist ganz offensichtlich, dass sie sich mit dem Umzug ihres Labels (bzw. von sich und dem Kern ihres Teams) nach Paris einen lang gehegten Traum erfüllt hat.

Ich bin ein Riesenfan ihrer Designs und genieße es sehr, ihre Teile zu tragen. Und damit  befinde ich mich in guter Gesellschaft: Promis, Moderedakteure, Street Style Stars, Blogger und Einkäufer – alle scheinen ein Paar ihrer voluminös ausgestellten Hosen zu besitzen oder eine ihrer schulterfreien Blusen. Vielleicht, weil sie einem das Gefühl von Entspanntheit verleihen, ein “laid-back feeling”, wie wenn man auf einer Party ist, bei der einen jeder Song direkt auf die Tanzfläche katapultiert. Aber auf jeden Fall deshalb, weil sie der Figur extrem schmeicheln und leicht zu tragen sind – das ist es, was sie zu Bestsellern auf der ganzen Welt gemacht hat.

Die Form des Designs von Ellery besitzt, wie eingangs bereits erwähnt, extremen Wiedererkennungswert. Es war insbesondere dieser Fakt – und dass sie gerade in der Bewegung fantastisch aussehen – der mich über die Maßen zu meiner ganz eigenen Mission inspiriert hat: zu meinem magischen fliegenden Teppich aka meinem kleinen Wagen aka meinen smart BRABUS, der mich nicht nur von A nach B bringt, sondern auch noch ziemlich gut dabei aussieht.

Danke Kym, dass Du Deine Türen für hey woman! geöffnet hast:

Moodboard Ellery

Veronika Heilbrunner: Wie sieht ein typischer “Kym Tag in Paris” aus?

Kym Ellery: Ich versuche ziemlich doll darauf zu achten, am Morgen Sport zu treiben und ein paar Boxstunden zu nehmen. Aber dann habe ich ziemlich viele E-Mails und Meetings, die auf mich warten. Ich arbeite mit meinem Designteam, das jetzt mitsamt mir selbst seinen Hauptsitz in Paris hat – das ist ziemlich aufregend. Wir arbeiten jeden Tag gemeinsam an Entwürfen, Recherchen, Zeichnungen und diesen Dingen. Ich glaube, so sieht ein typischer Tag bei mir aus.

Es ist ein verrückter Zeitplan, den Du hast.

KE: Insbesondere diese Saison. Dass im August in Europa alles geschlossen hat, führt jedes Jahr zu diesem anstrengenden Druck.

Ist das in Australien sehr anders, da die Betriebe nicht den gesamten August über  geschlossen bleiben?

KE: Ja, aber ich würde mir dies auch für dort wünschen – den August frei zu haben und dann die zeitlichen Abläufe verschieben.

Wie stark denkst Du beim Designen an den Verkauf?

KE: Das ist wichtig. Aber ich denke auch daran, was ich persönlich gern tragen möchte, und auch, was meine Freunde und die Leute in meinem Team gern tragen möchten. Was ich mache, ist Frauen das zu geben, was sie wollen, damit sie sich schön fühlen. Aber dann muss man natürlich auch an den ganzen Rest der Welt denken, weil wir ein globales Unternehmen sind und international verkaufen.

Es gibt auch noch so viele verschiedene Typen von Frauen, die man im Kopf behalten muss, deshalb ist es wichtig, dass man inkludiert und eben jedem etwas geben kann. Zumindest ist es das, was ich mache. Aber, um ehrlich zu sein – das ist eine ganz schöne Herausforderung. Es geht darum, dieses Mädchen zu erschaffen, das intelligent, aber auch supercool und entspannt ist. Das ist das ultimative Ding. Aber dabei möchten wir auch sichergehen, dass wir all die anderen Frauen dort draußen ebenfalls erreichen.

Ich finde, es gelingt Dir ziemlich gut, viele Frauen zu erreichen. Wie hat sich Dein Profil von “einem australischen Label” zu “einer Brand aus der Modehauptstadt” verändert?

KE: Wir haben in Sydney einen Flagship Store. Aber heute besteht unser Geschäft zu 92% aus weltweiten Verkäufen, und das bedeutet, dass lediglich 8% aus Australien kommen.

Wo leben denn die meisten Frauen, die Ellery kaufen?

KE: Sie sind ziemlich gleichmäßig über Europa, Amerika und Asien verteilt. Deutschland ist für uns ein stark wachsender Markt. Wir lieben Deutschland! Wir bekommen dort so viel Unterstützung, insbesondere von der Presse. Eine Redakteurin der deutschen Vogue kam vorbei, um Hallo zu sagen, was ziemlich cool war. Und meine Stiefmutter ist Deutsche, sie ist aus Hamburg – das hilft, das Land sogar noch mehr zu lieben.  

An wen denkst Du, wenn Du das Design machst? Offenbar nicht an das australische Mädchen…

KE: Nein, nicht so sehr. Aber ich finde, dass das australische Mädchen, das modisch ist, ziemlich europäisch ist. Die meisten Leute denken an Australien als Insel mit langen Stränden, Krokodilen, Haien und anderen seltsamen Tieren. Aber in Australien gibt es auch so eine starke Fashion Community. Und die kleidet sich auf sehr hohem Niveau, ziemlich europäisch. Nichtsdestotrotz dominieren Kleider mit floralen Prints und das, was man eben für typisch australisch hält, den Markt – und nicht das, was man für den europäischen Geschmack hält.

Was ist Dein bestverkauftes Stück, Dein Bestseller?

KE: Das ändert sich von Saison zu Saison. Aber ich muss schon sagen, die Hosen mit dem weiten Beinabschluss verkaufen sich durchgängig sehr gut, ob aus leichterem Material und mit einer weicheren, sommerlichen Silhouette oder skulpturaler mit so richtig weit ausgestelltem Bein. Wir stellen fest, dass sie oft zu unseren “Top Ten” zählt. Wir haben auch sehr viele erfolgreiche Blazer im Programm, insbesondere die mit interessanten Ärmeln laufen gut. Also habe ich eine neue Silhouette für den Frühling kreiert, auf die ich mich ganz besonders freue.

Oh, wow! Wie sieht diese neue Silhouette aus?

KE: Da musst Du Dich ein bisschen gedulden, um sie mit eigenen Augen zu sehen!

(Und das tun wir im Video!)

Kannst Du mir von dem allerersten Kleid, das Du genäht hast, erzählen?

KE: Oh, eigentlich war das gar kein Kleid. Es war eine Weste mit einem Rock, ein Twinset. Lila mit weißen, vertikalen Streifen und Knöpfen. Ich war acht Jahre alt. Meine Mama hat mir beigebracht zu nähen, als ich noch sehr klein war – weil ich es so absolut und unbedingt lernen wollte.

Und dann hast Du Dein erstes selbstgenähtes Teil selbst getragen?

KE: Ja, das habe ich wohl. Ich glaube, es gibt ein Beweisbild! Meine Mama hat es definitiv aufbewahrt.

Also wolltest Du immer schon Designerin werden, sogar in ganz jungen Jahren? Du hast auch Design studiert und dann die Seiten gewechselt, als Du für das Russh Magazine in Sydney gearbeitet hast, richtig?

KE: Ja, ich war 18 oder 19, als ich nach Sydney gezogen bin, wobei ich das Jahr zuvor auf einem Fashion College in meiner Heimatstadt Perth verbracht habe. Als ich in Sydney war,  beschloss ich, nach London überzusiedeln, um eine Summer School am Central Saint Martins College of Art and Design zu belegen.

Ich arbeitete gerade als Praktikantin beim Russh Magazine, und kurz bevor ich nach England gehen wollte, hat mir die Redakteurin einen Job angeboten. Ich dachte, es wäre eine großartige Chance, um in der Verlagswelt zu arbeiten und die Branche kennenzulernen, und ich war ja auch noch ziemlich jung. Nichtsdestotrotz wollte ich, das war mir klar, immer noch nach London, um diesen Designkurs zu absolvieren.

Also sprach ich mit der Redakteurin und sie sagte: “Ja, beleg diesen Kurs und komm zurück und der Job wartet so lange hier auf dich!” Es war brillant loszuziehen und all das zu erleben, es war eine ziemlich interessante Zeit für mich – um dann nach Sydney zurückzukehren und diese Arbeit bei einem coolen, unabhängigen, neuen Magazin aufzunehmen. Ich wurde damit Teil eines wirklich kleinen Teams, in dem alle ziemlich viel übernehmen durften. Das war sehr spannend und ich habe es zwei Jahre gemacht. Als ich 23 wurde, entschied ich, dass es Zeit war für eine Veränderung. Also beschloss ich, neben dem Job bei Russh mein eigenes Projekt zu starten. Und so war Ellery geboren.

Ich begann, kleine Kollektionen in meinem Wohnzimmer herzustellen. Die entsprechenden Events besuchte ich nach der Arbeit. Das war mein Job. Und dann ging ich heim, saß auf meiner Couch, stellte Modelle her, schnitt Passform-Muster aus. Ich war einige Jahre ziemlich beschäftigt, weil ich zwei Jobs auf einmal bewältigte. Aber nach vier Jahren bei Russh entschied ich mich, den Magazinjob zu kündigen, um mich auf Ellery zu konzentrieren – und heute sitzen wir hier! Wir expandieren stetig. Als ich Russh verließ, hatte ich meinen ersten Angestellten. Jetzt sind wir ein Team von etwa 40 Leuten zwischen Sydney und Frankreich. Und wir sind sogar dabei, noch mehr zu werden. Das ist schon ziemlich schön.

Kommen wir zu ein paar persönlichen Dingen. Wie ziehst Du Dich morgens an? Für was entscheidest Du Dich zuerst?

KE: Ich bin ganz klar ein Wiederholungstäter und trage jeden Tag so ziemlich das Gleiche – ich habe ungefähr vier oder fünf Outfits, die ständig bei mir rotieren. Um ehrlich zu sein, ist es das Letzte, was ich im Kopf habe, wenn ich morgens aufstehe. Ich freue mich einfach so sehr zur Arbeit zu gehen, um all diese wunderschönen Teile zu kreieren!

Demnach ist Dein Kleiderschrank also gar nicht groß?

Also, ehrlich gesagt, ist er ziemlich groß. Wenn ich sage, dass meine Looks rotieren, meine ich so etwas wie schwarze Hosen mit einer schwarzen Bluse und einem Cashmere Pullover – aber ich besitze 20 unterschiedliche Versionen davon. Ich geh die dann einfach durch.

Wie viel Prozent Deines Kleiderschranks bestehen aus Stücken von Ellery?

KE: 92%

Bitte beende doch diese Sätze: Ich kann nicht leben ohne…

KE: Musik.

Der Song, der mich wach macht…

KE: Ist meine Playlist auf Spotify namens “Hi, babes”. Die hilft mir morgens beim Aufstehen.

Bevor ich meine Augen schließe, denke ich an…

KE: Den Ozean.

Für mich bedeutet Luxus…

KE: Qualität. Von allem das Beste.

Wenn wir uns in zehn Jahren treffen, wo wirst Du da wohl sein?

KE: Hoffentlich hier, genau hier. In Paris. Und hoffentlich auch mit derselben Firma, aber sogar noch größer und mit meinem fantastischen Team. Das ist es, worauf ich hinarbeite.

Zu guter Letzt hier die von Kym erwähnte Spotify Playlist Namens „Hi, Babes“:

THE END #womanwelove

 

Ein besonderes Dankeschön an Kym Ellery für die freundliche Zusammenarbeit.

FOTOS & VIDEO: JULIA ZIERER
REPORTERIN/ PRODUKTIONSMANAGER: VERONIKA HEILBRUNNER
PRODUKTIONSMANAGER: JULIA KNOLLE
PRODUKTIONSASSISTENZ: CATARINA MARQUES TELES
Übersetzung: Nella Beljan
©Vera Comploj

Geboren und aufgewachsen in München begann Veronikas modische Laufbahn mit Modeljobs, bald wechselte sie auf die andere Seite der Kamera und wurde von der Modeassistentin zur Redakteurin, dann wieder ein Richtungswechsel ins Online-Luxury-Retailing, um bis vor Kurzem zurück beim Burda Verlag als Style Editor der deutschen Harpers Bazaar zu arbeiten. Im Moment lebt sie in Berlin, startete Anfang 2015 eine eigene Firma zusammen mit Julia Knolle, ihres Zeichens Ex-Editor-at-Large von Vogue Digital. Ach ja, ihre Leidenschaft sind Möpse.