Reise: Athen & Hydra

Julia Knolle hat in Athen & auf Hydra eine entspannte Zeit verbracht. Ein Reisetipp für alle Sonnenanbeterinnen

Reiste man einst im Sommer für vier Wochen nach Frankreich oder Italien, schien dieses Jahr die halbe Welt von Juni bis August an Griechenlands Stränden zu verbringen. Als hätte man sich heimlich abgesprochen, quillte mein Instagram-Account nur so über vor Posts aus Rhodos, Kos und allen voran: Hydra!

Fährt man doch eigentlich in den Urlaub, um eben genau niemanden zu kennen, galt es in diesen paar Tagen der Büroflucht undercover unterwegs zu sein. Und schon nach wenigen Stunden Aufenthalt war mir klar, was hier so große Begeisterung hervorruft: nämlich die sonnige Laune der Einheimischen, das gute Essen und die begünstigte geografische Lage (Meernähe). Und schon Leonard Cohen wusste Griechenland und insbesondere Hydra zu schätzen. Diese wunderbare Insel war seinerzeit als Künstlerkolonie bekannt, Cohen (damals noch ein unbekannter Dichter) verbrachte hier einige Jahre mit seiner Muse und Lebensgefährtin Marianne Jensen-Ihlen (ihr widmete er später den Song So Long Marianne).

Da 2017 selbst ein Teil der 14. Documenta vom 8. April bis 16. Juli in Athen stattfindet, war es doch an der Zeit, kurz meine persönlichen Highlights für einen Besuch in Athen und Hydra zusammenzufassen – auf die Gefahr hin, auch noch den letzten Geheimtipp preiszugeben.

ATHEN:

HOTEL

Das New Hotel gehört dem Kunstsammler Dakis Iannou und ist Teil der Design Hotels Collection. Er ließ die beiden Campana Brüder das Interieur gestalten, hat seine hauseigenen und sehr lesenswerten Publikationen in der Lobby ausgelegt und selbstredend seine Kunst an die Wände gehängt. Das Personal ist so hinreißend nett, dass der Abschied nach einer spontan verlängerten weiteren Nacht fast schwer fällt.

Kurz vor dem Abflug nach Hause am Ende der Reise ist die Sehnsucht nach der Dachterrasse so groß, dass hier noch ein letztes Abendessen mit Blick über die ganze Stadt in den knappen Zeitplan eingebaut wird. Die Lage ist unschlagbar: Zur Akropolis kann man laufen, gegenüber liegt ein kleines Reisebüro, das hilft, die Fährentickets nach Hydra zu buchen und direkt um die Ecke liegt das einzige vegane super Health Deli der Stadt, das Avocado.

Essen

Die lange Reise ins entlegene Viertel Gazi ist es wert. Das Restaurant The Butcher war eines der wenigen, das im Wallpaper Guide von 2012 gelistet ist und noch nicht geschlossen war. Im mit Pflanzen bewachsenen Hinterhof wird extra laute Musik gespielt, aber gleichzeitig unter Ventilatoren das höchst qualitative Fleisch serviert, das man sich neben einem komplett gedünsteten Brokkoli, Tzatziki und einem Glas Ouzo wünschen kann. Wem nach etwas globalerer Küche ist, dem sei ein Besuch im Restaurant Nolan empfohlen.

 

kunst

Das Haupthaus von Mr. Iannou liegt in Athen, ist aber leider im August geschlossen und ging daher an uns vorbei. Sein “Kollege” George Economou sammelt aber auch für sein Leben gerne gute Kunst und erlaubt sich in einem Hochsicherheitstrakt eine Sammlung, die auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Noch bis zum 30. September 2016 war eine Einzelausstellung des amerikanischen Künstlers David Hammons zu bestaunen. Bald zu sehen: New Beginnings: Between Gesture and Geometry, eine aus 19 Künstlern bestehende Gruppenschau mit Werken, die nach dem zweiten Weltkrieg entstanden sind.

HYDRA:

Für 37 Euro fährt innerhalb von knapp zwei Stunden ein “Flying Dolphin” nach Hydra. Da es auf der Insel keine Autos, nur Esel gibt, lohnt sich das super zentrale Hotel Leto, das idyllisch verwinkelt in einer der kleinen Gassen liegt. Das Frühstück ist köstlich, die Zimmer klein, aber fein und die Wasserzufuhr macht gerne von 11 bis 12 Uhr morgens mal eine kleine Pause, mit anderen Worten: Es fließt dann kein Wasser aus der Dusche. Sei’s drum. Sobald die Sonne untergeht, lohnt sich ein Spaziergang entlang der „Hauptstraße“.

Einen Sundowner trinkt man in der Hydronetta Bar, während die letzten Schwimmer noch einmal ins Meer springen. Zum Abendessen DIREKT am Wasser sind wir im Omilos eingekehrt, die Küche ist eher europäisch und eben nicht griechisch. Fast “too good to be true” ist aber eben genau der Blick in die Bucht, an den sich die Großstadtaugen erst eine kurze Weile gewöhnen müssen. Für einen Absacker empfiehlt sich ein Stopp in der Spilia Bar, es gibt Livemusik und am Ende tanzt eigentlich nur niemand, weil es so herrlich voll ist. Das Sunset Cafe ist ebenfalls eine gute Option und liegt auch direkt um die Ecke.

Mit dem Boot geht es zur nächsten Bucht ins Hotel Four Seasons, das nichts mit der gleichnamigen Kette zu tun hat. An den privaten Strand kommen viele Tagesgäste, das Restaurant ist zur Mittagszeit sehr gut besucht, abends hat man es fast für sich alleine. Ein wenig Robinson Crusoe Atmosphäre kommt auf, schön abgelegen, ist die Auswahl an Aktivitäten begrenzt – aber genau das ist wahrscheinlich so angenehm.

Vom gleichen Punkt, an dem die Boote vom „Zentrum“ in Hydra abfahren, gibt es eine Tour, die bis ans weiteste Ende der Insel fährt. 15 Euro für eine 60-minütige Bootsfahrt, die sich mehr als lohnt. Wenn man Glück hat, fährt die “Guilty” parallel an einem vorbei, das unübersehbare Boot, das Jeff Koons für Herrn Ioannou entworfen hat und jedwede Sehgewohnheiten über Board wirft, die man je in Bezug auf private Yachten hatte.

Wehmut hin oder her: Wer den “Greek State of Mind” nach seiner Rückkehr ins eigene Zuhause noch etwas verlängern möchte, dem sei entweder das großartige Buch von Rachel Cusk, Outline, empfohlen oder ein Abonnement des Instagram Kanals von Chris Kontos, dem Herausgeber des Kennedy Magazins. Chris wohnt a. in Athen und b. haben wir ihn hier schon einmal vorgestellt. Bis nächstes Jahr, liebes Griechenland.

Ein danke an das NEW HOTEL, Mitglied der Design Hotels.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.