Raf Simons wird Kreativdirektor bei Calvin Klein

©Collage / Oriane Baud

Raf Simons wurde offiziell zum neuen Kreativdirektor von Calvin Klein ernannt: It’s a Match!

Eine große Aufgabe, die der feinsinnige Belgier mit Sicherheit meisterhaft ausfüllen wird.

Er hat es geschafft, den Minimalismus, der in den späten 1980ern und in den 90ern als Antwort auf die opulente Discoära entstand, ins neue Millennium zu transportieren und kaum einem Designer fühlen wir uns emotional so verbunden wie Raf Simons. Das liegt natürlich auch daran, dass seine Ästhetik die Bedürfnisse einer modernen Frauengeneration trifft. Der berufliche Erfolg ist für uns in den Vordergrund gerückt und Raf zieht uns mit seiner cleanen, aber femininen Mode richtig an.

Während sich Frauen in den 1990ern ihren Weg in die Chefpositionen erkämpften, indem sie sich einer männlich dominierten Welt anpassten, setzen wir heute unsere femininen Seiten vielleicht eher ein, um dem Vorurteil entgegenzuwirken, männliche Eigenschaften würden bessere Führungsqualitäten mitbringen. Simons hatte verstanden, dass wir unsere Stärke nicht aufgeben, wenn wir uns “weiblich” zeigen und bewies dies mit seinem Antritt 2005 als Chefdesigner bei Jil Sander. Mit seiner ästhetischen Vision führte er die Marke erfolgreich ins 21. Jahrhundert – und das, obwohl er bis dato nur für Herren designt hatte, und zwar mit seinem Label unter eigenem Namen.

Während er bei Jil Sander eine verspielte Note einbrachte, befreite er seinen nächsten Arbeitgeber Dior von der exzessiven Opulenz seines Vorgängers John Galliano. Den Einstieg feierte er mit der Couture-Kollektion 2012, für ihn die allererste in seiner Karriere. Mit seinen Kreationen integrierte er die traditionelle hohe Schneiderkunst in eine moderne Ästhetik und löste damit eine kleine Revolution in der Couture aus.

 

Nicht nur von seiner Ästhetik fühlen wir uns angesprochen. Wir fühlen uns dem Designer auch menschlich sehr verbunden und können uns irgendwie mit seinen beruflichen Höhen und Tiefen sehr gut identifizieren. Viele seiner Probleme sind uns doch auch im eigenen Berufsleben schon begegnet, das in der heutigen Zeit alles andere als gesichert ist und dessen immer größer werdende Anforderungen sogar für das Krankheitsbild Burn Out verantwortlich zu sein scheint.

Raf Simons verlor 2012 von heute auf morgen seine Position als Chefdesigner bei Jil Sander und musste dort der Firmengründerin Platz machen. Ein Schock nicht nur für ihn, sondern auch für seine Fans, die ihn bei seiner letzten Show in Mailand mit Tränen und Standing Ovations verabschiedeten. Danach musste er innerhalb weniger Wochen seine erste Couture-Show für seinen neuen Arbeitgeber Dior auf die Beine stellen und sich gegen kritische Stimmen durchsetzen, die behaupteten, er sei der Couture nicht gewachsen. Im vergangenen Oktober dann der überraschende Rücktritt bei Dior. “Es wurde sehr kompliziert und ich habe mich dafür entschieden zu kündigen. Zum einen ist das System Schuld, das die Fashion-Branche entwickelt hat. Alles wird immer schneller und schneller. Jede Saison müssen wir in immer kürzerer Zeit immer mehr Kollektionen entwerfen, was einigen Kreativen Probleme bereitet. Mir zumindest. Wenn man auf dieser Basis arbeitet, kommen einfach zu viele wichtige Dinge im Leben zu kurz…“, erklärte Raf Simons gegenüber The Telegraph seinen Ausstieg bei Dior.

Jetzt tritt er allerdings gleich die Nachfolge von zwei Chefdesignern an. Francisco Costa und Italo Zucchelli verließen im April Calvin Klein Collection, Costa war für die Frauen-, Zucchelli für die Herrenkollektion zuständig. Damit aber nicht genug: Raf wird zusätzlich das Image von ck Calvin Klein, Calvin Klein Jeans und Calvin Klein verantworten. Trotzdem sind für Simons die Voraussetzungen, unter denen er den Job antritt, günstig und prognostizieren eine erfolgreiche und lange Zusammenarbeit. Ästhetisch wird sich Raf Simons bei Calvin Klein nicht verbiegen müssen.

Aber auch sonst bietet das Unternehmen dem Belgier einen großen Spielraum, den er bei Dior vermisst haben muss. Die Männerkollektion durfte er dort nicht verantworten (eine Herzensangelegenheit des Designers, dessen Wurzeln in der Herrenmode verhaftet sind). Laut Business of Fashion hatte er bei Dior wenig Einfluss auf die DNA der Marke, so hatte er bei Kampagnen und Store Einrichtungen kaum Mitspracherecht. Das soll sich bei Calvin Klein jetzt ändern. Der Belgier wird dort alle Bereiche führen.

Ob Raf den Anforderungen gewachsen sein wird? Ja! Denn das Unternehmen hat angekündigt, seine Strategie zu ändern, die wie eine Antwort auf Rafs Kritik an dem Modesystem daherkommt. Wir glauben daran, dass das Label unserer Jugend (nie-nie-nie werden wir vergessen, wie Kate Moss ,1992 von Mario Sorrenti fotografiert, nackt auf einem Sofa liegend für den Duft Obsession warb – unter Simons auch heute wieder den Zeitgeist treffen wird. Seine erste Kollektion wird er voraussichtlich im Februar 2017 auf der New York Fashion Week präsentieren. Alles Gute für Deinen Job-Einstieg, Raf!

©Willy Vanderperre
AUTORIN: CHRISTINE KORTE (REDAKTIONSLEITUNG FLAIR MAGAZIN BERLIN)